Nach all den Jahren, in denen das Edelmetall medial geradezu verdammt wurde, mehren sich seit rd. 3 Monaten positive bis extrem bullische Meldungen. Passen ja auch hervorragend zu den rund 18% Plus, das Gold seit Jahresanfang im Kurs zulegen konnte. Sogar die erzkonservativen Bankanalysten, die noch im Herbst 2015 für Gold Kurse im Bereich zwischen USD 800 und USD 900 im Jahr 2016 prognostiziert haben, gehen in ihren neuesten Quartalsanalysen bereits von weiter steigenden Goldpreisen aus und sehen für das Jahresende Kurse von rd. USD 1.250 bis USD1.320. Ich frage mich an solcher Stelle immer, ob sich die Welt von gestern auf heute so grundlegend verändert hat und ob man dem „Braten“ einer nun so positiven Sichtweise trauen kann. Oder ob nicht doch Vorsicht angebracht wäre und sich im Nachhinein diese momentan gute Situation als Strohfeuer herausstellen könnte und wir über den Sommer wieder mit langen Gesichtern eine Fortsetzung der gedrückten Kurse sehen müssen.

Wenn man viele Meldungen betrachtet, nicht nur die der Medien, so scheint sich eines offensichtlich eingestellt zu haben – ein positives Sentiment. Ein positives Marktsentiment sehe ich persönlich grundsätzlich stets als ein Zeichen für verstärkte Akzeptanz und Zukunftsaussicht, egal ob es nun Edelmetalle, Basismetalle oder generell andere Anlageklassen sind. Die Unkenrufe bezüglich des Edelmetalls sind mittlerweile verstummt und viele Analysten und Marktgurus suchen nach einer legitimen Begründung für die Besserung der Grundstimmung. Neben vielen eher irrationalen Behauptungen und Thesen erscheint mir ein Faktum jedoch als stichhaltig genug um sie für einen generellen Wandel in Betracht zu ziehen – die Negativzinsen.

Wie wir alle wissen, ist so gut wie jede Anlageform für die Investierten nur zu einem Zweck da, nämlich Performance zu zeigen. Niemand sieht gerne rote Zahlen in seiner Erfolgsbilanz. Nun zeigt sich seit einiger Zeit ein verstärkter Trend zu Negativzinssätzen bei Anleihen. Nicht nur in Europa und Japan, auch in den USA tendiert man dazu, auch wenn es von offizieller Seite noch abgestritten wird. Das hat natürlich zur Folge dass Anleihen generell kaum mehr eine positive Performance erkennen lassen. Und wenn man sich die geschätzt weltweite Menge von 29.000 Milliarden alleine an Anleihevolumen ansieht, so darf man sich nicht wundern, wenn hier bei vielen ein Umdenkprozess ansteht, denn es ist nicht absehbar, dass in absehbarer Zeit eine Rückkehr zu attraktiveren Zinsen erfolgen könnte. Versicherungen, Pensionskassen, selbst Banken und Fonds können einfach nicht dauerhaft mit Verlusten leben. Und die politischen Mächte lassen mit ihren bislang stets unwirksamen Versprechungen auf Besserung auch kein wirklich nachhaltiges Vertrauen auf eine bessere Zukunft aufkommen.

Bedenkt man die Zeittangente, der Trend der Negativzinsen ist mit Sicherheit kein kurzfristiger, und die Notwendigkeit von Erträgen auf breitester Front, so scheint mir der momentan erkennbare Stimmungswandel kein Strohfeuer zu sein. Wahrscheinlich daraus resultierende Allokationen auf breiterer Front könnten diesen Trend nur nachhaltig stärken, und Umschichtungen von Vermögen sind aus diesen Gründen absolut zu erwarten. Und die Auswahl an geeigneten Anlageformen ist mittlerweile recht klein geworden.

Egal, ob es jetzt Gold, oder auch seinen kleineren Bruder Silber betrifft, in Zeiten von Negativzinsen, wirtschaftspolitischen Verwerfungen und Unsicherheiten kommen alte traditionelle Werte wieder stärker in den Vordergrund. Und Edelmetalle sind solch traditionelle Werte. Sie haben ihre Beständigkeit bereits vielfach unter Beweis gestellt.

Doch bevor wir jetzt mit Pauken und Trompeten Lobeshymnen auf die neue Ära starten, sollten wir uns aber auch bewusst sein, dass in so wirtschaftlich und politisch labilen Zeiten durchaus auch wirksame Störfeuer auftreten können, die den vermeintlichen Positivtrend empfindlich beeinflussen können. Noch sind erst wenige Zeichen vorhanden, dass sich die allgemeine Lage in China entspannt und der gesamte Rohstoffsektor und Handelsbereich nicht doch noch weiter leiden könnte. Viele Bemühungen Chinas sind Zukunftsprojekte und nicht sofort wirksam. Noch sind währungspolitische Schreckgespenste (Euroraum, zu harter US-Dollar, u.v.m.) vorhanden, die ihren Einfluss auf Gesamttrends haben können. Auch Krisenherde, Öl und nicht zuletzt nationale Entscheidungen können für oder gegen eine Weiterführung des positiven Sentiments wirken, von Manipulationen sowie medialen und politischen Störfeuern mal ganz abgesehen.

Nicht nur die institutionellen Investoren, auch die kleineren und mittleren privaten Anleger sind schon alleine durch ihre Masse Teil eines Trends und kleine aber insgesamt sehr wirksame Bausteine. Hortung großer Banknoten, wie in der Schweiz, Einführung einer Bankomatgebühr, wie sie in Österreich und Deutschland überlegt werden, all das dient dazu dass auch der „kleine Mann von der Straße“ zu überlegen beginnt, ob er seine Anlagerichtung nicht adaptiert und seine Werte dort sichert, wo er zwar keine Zinsen bekommt, aber auch keine Gebühren und Verluste erfahren muss. Sparbücher, Lebensversicherungen, Anleihen – alles klassische Anlageformen für Private – bringen heute so gut wie nichts mehr. Schauen wir aber auch mal über die Grenzen. Indien, zum Beispiel, traditionell eines der bedeutendsten Goldkäufer weltweit, hat derzeit Versorgungsprobleme mit Heimtresoren. Warum wohl? Die Bevölkerung vertraut der Regierung nicht mehr und hortet Bargeld und Gold privat. Hört man sich auf der Straße um, so bekommt man vielfach dieselbe Grundeinstellung auch in unseren Ländern zu hören. Kleine Facetten, aber insgesamt sind sie richtungsweisend.

Es müssen nicht immer die großen, bedeutenden Ereignisse sein, die als markante Meilensteine eine Änderung hervorrufen. Nein, viele auch kleine Steine sind es, die eine Lawine zumeist ins Rollen bringen können. Und gefühlsmäßig scheinen sich derzeit, natürlich begünstigt durch den steigenden Goldkurs, viele kleine Weichen zu stellen, die dieses Sentiment stützen und einen nachhaltigen Trend ausbilden könnten. Und als eine kleine aber gewichtige Weiche könnten Negativzinsen sein, die im Sog weitere Aufwärtssignale generieren kann.

Noch ist es meiner Meinung nach zu früh um definitiv feststellen zu können, dass Gold als sicherer Hafen zurück ist, aber auch wenn saisonale Schwankungen und Volatilität weiter bestehen bleiben, die Vorzeichen mehren sich dass Gold langsam wieder als das angesehen werden kann, was es schon immer war, Geld und Zukunftssicherung in und für schwere Zeiten.