Nach dem dauerhaften Abwärtstrend, der uns seit dem Hoch in 2011 schwer im Magen liegt, erhofft so gut wie jeder dass es endlich wieder bergauf geht und Gold zu markanter Stärke zurückführen lässt. Aber das war schon zum Jahresende 2013 der Fall. Auch Ende 2014 dachte man dass die Bären endlich das Handtuch werfen, und auch für 2015 hatten viele Analysten bereits eine Trendwende vorhergesehen. Und was ist von all dem eingetreten? Nichts außer nachträglichen Durchhalteparolen und Begründungsversuchen, weil sich die Entwicklung nicht wie vorhergesehen eingestellt hat.

Goldchart neu 1 2016

Ein Bild über das Jahr 2015 sagt mehr als 1000 traurige Worte

Und jetzt stehen wir da, schauen mit Grausen auf ein erneutes katastrophales Jahr zurück und denken dass es nach so einer langen Abwärtsperiode doch endlich aufwärts gehen MUSS. Wer jetzt denkt, dass nun der lang ersehnte Aufstieg verkündet werden kann, den muss ich leider erneut enttäuschen. Auch 2016 scheint noch nicht wirklich das Jahr für positive Veränderungen zu werden. Aber werfen wir einen Blick auf die Fakten.

Grundsätzlich sehe ich 4 Faktoren für die kommende Goldpreisentwicklung als maßgebend:

1.) Die Währungs- und Zinsentwicklung in den USA

Der Plan des FED ist es nach wie vor bis ins Jahr 2017 kontinuierlich aber in kleinen Schritten die Zinsen von der 0-Marke bis gegen 2% zu führen. Wenn dies tatsächlich so eintritt, was man schon alleine deshalb annehmen darf, da das FED ansonsten seine Glaubwürdigkeit verlieren würde, so wäre dies ein Dämpfer für die Goldpreisentwicklung, da erneut Kapital in die „ertragsstarken“ Anlagen fließen würde und Gold weiter unter Druck käme.

Anderseits wird vielfach und auch realistisch erwartet dass die USA gegen Jahresmitte erneut ihre Druckerpressen anwerfen wird, da frisches Stützungskapital benötigt wird. Die Realwirtschaft kommt nicht wirklich vom Fleck. Dieser Fall wäre für Gold ein positives Zeichen und man dürfte mit einer leichten Erholung spekulieren.

2.) Ankaufverhalten des Asiaraumes und der restlichen Welt

China und Indien sind zweifelsohne starke Partner wenn es um die Abnahme der produzierten Goldmengen geht. Sollten sich nicht wieder erneute politische Hürden in Indien auftun, so kann man schon aus traditionellen Gründen auch 2016 mit starken Käufen rechnen. Chinas Weg ist zwar tendenziell pro Gold eingestellt, aber man kann nicht voraussehen, wie sich die verschlechternde Wirtschaftsleistung auf die Goldimporte auswirken wird. Hier rechne ich eher mit einer maximal gleichbleibenden Tendenz.

Interessant ist jedoch zu beobachten, dass im nun abgelaufenen Jahr die Münzkäufe weltweit Höchststände erreicht haben. Das zeigt, dass sich die privaten Investoren bei den derzeit günstigen Preisen eindecken. Auch in der Schmuckindustrie ist eine Zunahme zu verzeichnen. Aus diesem Sektor kann durchaus eine weiter wachsende Nachfrage entstehen. Ist auch notwendig, da seit 2014 mehr Gold produziert als abgesetzt wurde. Ein aus meiner Sicht nur kurzlebiger Trend, da sowohl Minen ihre Produktionsmengen bereits einschränken, neue Entwicklungsgebiete unfinanzierbar brachliegen und die Produktionskosten trotz Kostensenkungsprogrammen nur schmale Margen zulassen. Allgemein ist damit zu rechnen, dass ab 2016/2017 die Produktionsmengen rückläufig sein werden, was den momentanen Trend der Überproduktion (nur 0,3%) stoppen sollte. Dies dürfte jedoch für das Jahr 2016 noch keine Bedeutung erlangen.

3.) Großinvestoren und ETFs

Nach wie vor ist bei den für die Goldpreisentwicklung wichtigen „big playern“ keine Tendenz zu erkennen auf die Käuferseite zu wechseln. Dazu benötigen sie eindeutige Erholungssignale, die jedoch aus heutiger Sicht noch nicht erkennbar sind. Diese Gruppen orientieren sich stark nach Chartsignalen und daraus resultierende Trends.

4.) Manipulationen am Edelmetallsektor

Das leider gewichtigste Argument für eine Goldpreisentwicklung ist die Tatsache dass es an den bewusst geführten Manipulationen liegt, ob der Goldpreis steigen darf oder nicht. Zu starke politische Interessen für einen starken US-Dollar und ein Hochhalten der Aktienbörsen stehen im Vordergrund. Ein Umstand, der sich auch im nächsten Jahr noch fortsetzen dürfte.

Was müsste passieren um den Goldpreis zu beflügeln?

  • Eine scharfe und nachhaltige Korrektur der überhitzten Leitbörsen Amerikas auf ein den wirtschaftlichen Verhältnissen angepasstes Niveau mit realistischen KGVs. Dadurch würden größere Mengen Kapital durch Umschichtungen wieder für Edelmetalle frei werden.
  • Eine durch QE4 neuerlich hervorgerufene Dollarschwäche, unterstützt von stärkeren Wirtschaftsdaten aus China und Europa.
  • Der Ölpreis steigt überraschend extrem an und bringt so Haushaltsvermögen wie Wirtschaft unter Druck.
  • Ein Verbot der Manipulationen ( eher unrealistisch ).
  • Eine weltweit stark steigende Nachfrage nach Gold, die das Edelmetall wieder verstärkt in den Fokus der Anleger rückt.

Was davon ist realistisch zu erwarten?

  • Im Grunde nur die möglichen Auswirkungen des höchst wahrscheinlich kommenden QE4. Alle anderen Argumente verbleiben auf der theoretischen Ebene. Die USA wird unter allen Umständen weiter versuchen den US-Dollar stark zu halten und mit frischem Geld die Banken und Börsen zu stützen. Im Interesse der Handelsbilanz wird man weiterhin bemüht sein den Ölpreis niedrig zu halten. Auch eine plötzlich aufflammende Nachfragesteigerung nach Gold ist nicht zu erwarten, auch wenn der Goldpreis dafür im Moment sehr günstig erscheint.

Somit sind aus heutiger Sicht wenige bis keine starken Indikatoren erkennbar, die auf eine plötzliche Trendwende deuten lassen. Daher kann man trotz aller Volatilität für 2016 erwarten, dass der Goldpreis eher seitwärts denn aufwärts läuft.

Ähnlich sieht diese Entwicklung auch die Mehrzahl der namhaften Bankanalysten, die für das Jahr 2016 sogar noch mit einem leichten Nachlassen spekulieren, da sie sich überwiegend an der Charttechnik orientieren. So liegt das 50er Retracement, gebildet aus dem Hoch im Jahr 2011 bei rd. USD 1.000 je Feinunze und das 60er Retracement, abgeleitet aus dem Hoch von 2008, bei USD 850 je Feinunze. Diese beiden Grenzwerte gelten bei Chartanalysten als starke Unterstützungen, die möglicherweise noch angetestet werden können. Einig sind sie sich jedoch darin, dass für Gold das Jahr 2016 noch ein Übergangsjahr aus der Bodenbildung sein wird und stärkere Veränderungen erst ab 2017 möglich sein können.

Als Goldpreise zum Jahresende 2016 werden von so gut wie allen Analysten Werte zwischen USD 1.050 und USD 1.200 angenommen. Zwar mögen Vorhersagen von Analysten nicht immer der Wahrheit entsprechen, aber bei Abwägung der Argumente scheinen die Vorhersagen nicht unrealistisch zu sein. Wir dürfen uns also noch nicht mit allzu großen Hoffnungen befassen, sondern auch für 2016 noch mit Geduld wappnen.