Nun hat es die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, unmissverständlich klar gemacht. Ab 2015 wird der Trend bei den US-Leitzinsen wieder nach oben gehen. Allein wann die erste Leitzinsanhebung stattfinden wird, ließ Yellen offen – doch ob dies im dritten oder vierten Quartal sein wird, ist letztlich für den großen Trend an den Märkten nicht mehr entscheidend. Die Börsen wissen nun, was ansteht und können sich darauf einstellen.

Vor allem für den Goldpreis ist dies eine wichtige Entwicklung, denn der Rentenmarkt ist ein bedeutender Gegenspieler des Edelmetalls. Sind die Zinsen niedrig, so spricht dies für steigende Goldpreise und umgekehrt, so lautet zumindest die Faustformel, die auch die Experten bei Vontobel im Blick haben. „In Anbetracht der zunehmenden Wahrscheinlichkeit von Zinsanhebungen in den USA im zweiten Halbjahr dürften die Zinsen steigen, was für Gold ungünstig wäre“, heißt es in einem aktuellen Kommentar der Schweizer Bank zum Goldpreis.

Gold kein „sicherer Hafen“ mehr?

Diese Einschätzung folgt logischen Überlegungen. Können Investoren in sicheren Anleihen höhere Renditen kassieren, steigen die sogenannten Opportunitätskosten eine Anlage in Gold, die zinslos erfolgt. Je höher die Rendite bei den Anleihen ausfällt, desto größer müssten auch die Kursgewinne des Goldpreises ausfallen, um Schritt zu halten. Das Risiko wollen natürlich weniger Investoren eingehen, erst recht bei der aktuellen Verfassung des Feinunzenkurses.

Steigende Zinsen als Belastung für den Goldpreis sind allerdings keine wirkliche Neuigkeit mehr für die Märkte. Die Diskussion um diese aufkommende Belastung läuft seit langem, einiges dürfte in den aktuellen Feinunzenkursen auch schon eingepreist sein. Doch die Sorgen der eidgenössischen Experten um das Edelmetall gehen weiter. Der Grund hierfür: Das Gold konnte kaum von den aktuellen Krisenherden Griechenland und China profitieren. „Dies ist besorgniserregend, denn es scheint, dass das Edelmetall etwas von seinem Nimbus als „sicherer Hafen in Krisenzeiten“ eingebüßt hat“, kommentiert Vontobel.

Überangebot am Goldmarkt soll bestehen bleiben

Hinzu kommen fundamentale Marktfaktoren. Die Experten bei Vontobel rechnen nicht damit, dass die Goldproduzenten ihre Fördermengen reduzieren werden. Der Grund hierfür sind fallende Goldproduktionskosten, die eine profitable Förderung des Edelmetalls auch beim aktuellen, deutlich gesunkenen Goldpreis ermöglichen. Die Produzenten sind also nicht mehr dem starken Druck ausgesetzt, unprofitable Minen zu schließen, den sie vielleicht noch in den Jahren 2011 bis 2013 gespürt haben. Der Abwärtstrend bei den Produktionskosten soll sich in den kommenden Jahren weiter fortsetzen. „Somit wird das Überangebot in einer Zeit schleppender Anlegernachfrage wahrscheinlich ein Problem bleiben“, glauben die Analysten von Vontobel.

Am Donnerstag notiert die Feinunze Gold vormittags zwischen 1.144,93 Dollar und 1.147,98 Dollar. Gegen 11:30 Uhr liegt der Goldpreis bei Kursen um 1.145 Dollar.