Seit 10.45 Uhr ist in der Schweiz nichts mehr so, wie es einmal war. Am späten Morgen hat die Schweizer Nationalbank in Zürich eine Meldung publiziert, die ein Erdbeben auslöst, das weit über die Schweizer Alpen hinweg zu spüren ist. Die Notenbank hebt die seit mehr als drei Jahren existierende Bindung des Franken zum Euro auf. Bisher kostete ein Euro mindestens 1,20 Schweizer Franken. Die Notenbank hat durch zahlreiche Währungskäufe dieses Niveau lange aufrechterhalten. So wollte man die Schweizer Wirtschaft schützen, Exporte Schweizer Unternehmen sollten nicht zu teuer werden. Der Urlaub von Touristen im Land von Eiger, Mönch und Jungfrau sollte nicht zu Horrorpreisen möglich sein. Doch damit ist es jetzt vorbei.

Erklärung der Schweizer Nationalbank

In der heutigen Pressemitteilung erläutert die Nationalbank: „Der Mindestkurs wurde in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und grösster Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt. Diese ausserordentliche und temporäre Massnahme hat die Schweizer Wirtschaft vor schwerem Schaden bewahrt. Der Franken bleibt zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hat sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert. Die Wirtschaft konnte diese Phase nutzen, um sich auf die neue Situation einzustellen.

Die Unterschiede in der geldpolitischen Ausrichtung der bedeutenden Währungsräume haben sich in letzter Zeit markant verstärkt und dürften sich noch weiter akzentuieren. Der Euro hat sich gegenüber dem US-Dollar deutlich abgewertet, wodurch sich auch der Franken zum US-Dollar abgeschwächt hat. Vor diesem Hintergrund ist die Nationalbank zum Schluss gekommen, dass die Durchsetzung und die Aufrechterhaltung des Euro-Franken-Mindestkurses nicht mehr gerechtfertigt sind.“

Euro bricht ein

Was auf diese Zeilen folgte, sucht an den Währungsmärkten seinesgleichen. Der Kurs des Euro bricht massiv ein, zwischenzeitlich kostet ein Euro nur noch 0,92 Franken. Die Schweizer Währung verteuert sich somit um mehr als 23 Prozent. Derzeit hat sich die Lage ein wenig beruhigt, für einen Euro bekommt man 1,03 Franken. Der Schweizer Aktienmarkt reagiert ebenfalls mit Panik auf die Ereignisse. Bis zum Mittag verliert der SMI rund 11 Prozent.

Schockierte Marktteilnehmer

Marktbeobachter reagieren geschockt auf die Ereignisse. Man wirft den Notenbankern mindestens eine mangelhafte Kommunikation vor, andere sprechen auch davon, dass sich die Schweiz in eine Sackgasse manövriert habe. Noch vor wenigen Tagen hatte Notenbank-Vize Danthine die Deckelung verteidigt. Jetzt kommt die Kehrtwende um 180 Grad. Bei der UBS reagiert man geschockt, der Schweizerische Gewerkschaftsbund spricht von einer massiven Gefahr für den Arbeitsplatz Schweiz. Von der VP Bank hört man, dass die Notenbank ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setze. Die Sozialdemokratische Partei (SP) fürchtet katastrophale Folgen für die Volkswirtschaft.

Eine weitere Mitteilung der Notenbank geht in dem Chaos fast unter. Die Negativzinsen auf Guthaben von Banken werden gleichzeitig mit der Aufhebung des Mindestkurses angehoben. So wird der negative Einlagezins von -0,25 Prozent auf -0,75 Prozent deutlich abgesenkt. Zugleich wird auch das Zielband für den Dreimonats-Libor auf -1,25 Prozent bis -0,25 Prozent abgesenkt.

Gold als klarer Gewinner der Entscheidung

Von dieser Schweizer Entscheidung profitiert bis dahin nur einer: Der Goldkurs. Der Kurs je Unze verteuert sich am Mittag um 2,2 Prozent auf 1.256,25 Dollar. Tendenz: Klar steigend! Hier zeigt sich die Unsicherheit vieler Investoren. Sie können die Entscheidung der Schweizer noch nicht nachvollziehen. Ein Engagement in Schweizer Aktien wird durch den jüngsten Schritt zunächst unattraktiv. Somit zeigt das Gold seine alte Stärke: Es ist das Alternativinvestment und die Fluchtwährung in unsicheren Zeiten. Zumindest bis zu den Wahlen in Griechenland werden die Märkte verunsichert sein, erst danach wird sich zeigen, wohin der Weg wirklich gehen wird. Auf die Schweiz kommen zunächst harte Zeiten zu, Gold könnte vor einer Renaissance stehen.