Manchmal muss man sich leider wiederholen. 2013 war kein gutes Jahr für die Rohstoffe, 2014 hat sich entgegen aller Hoffnungen nicht als Jahr der Renaissance entpuppt. Die Experten von Franklin Templeton nennen 2014 ein Jahr des Übergangs. Und 2015? Die Fachwelt ist gespalten. Von großen Jubelarien ist man jedoch insgesamt weit entfernt. Aber eine tiefe Depression bricht bei Marktbeobachtern ebenfalls nicht aus. Mit zu großen „ups and downs“ sollte man am Rohstoffmarkt nicht rechnen. Doch das vieles anders kommen kann, hat die weltpolitische Lage 2014 gezeigt. Die Politik wird auch im neuen Jahr auf die Lage am Rohstoffmarkt einwirken. Vor allem das Öl könnte erneut zum Spielball der Mächtigen werden.

Russland und China als entscheidende Komponenten

Vieles wird 2015 davon abhängen, wie sich Russland entwickelt. Doch das Reich von Putin ist nicht die einzige Komponente, die den Rohstoffmarkt im kommenden Jahr nachhaltig beeinflussen wird. Das Wachstum in China wird ebenfalls über das Wohl und Wehe von Eisenerz, Aluminium und Co. entscheiden. Bei Fidelity rechnet man damit, dass sich China an ein langsameres Wachstum gewöhnen wird. Die Höhenflüge beim Wirtschaftswachstum sind somit vorbei, wie stark die Nachfrage letztlich sein wird, ist schwer zu prognostizieren. Die Experten der Bank Sarasin vermuten, dass der Rohstoffhunger in China nicht so groß sein wird, dass damit die Rohstoffpreise gestützt werden. Entsprechend vorsichtig sind sie in der Beurteilung der künftigen Preisentwicklung. Rohstoffe und die entsprechenden Aktien sollten eher untergewichtet werden, so die Sarasin-Experten.

Fidelity geht davon aus, dass im kommenden Jahr viele Rohstoffpreise gen Süden zeigen werden. Das gilt sowohl für Metallerze als auch für Öl. Dieser zunächst negative Punkt soll jedoch selbst für Rohstoffproduzenten positive Aspekte beinhalten. Man wird unproduktive Kapazitäten abbauen und somit den Markt bereinigen. Für die Zukunft ergeben sich dadurch neue Chancen.

Öl kann zum Rohstoff des Jahres werden

2015 wird wahrscheinlich das Jahr des Öls werden. Das schwarze Gold steht bei vielen Investoren derzeit ganz oben auf der Liste. Nicht unbedingt weil man darin investieren will, sondern weil es der Schmierstoff der Wirtschaft ist, der derzeit günstig zu haben ist und somit die gesamte Wirtschaft ankurbeln kann. In den USA wird sich der Frackingboom vermutlich noch fortsetzen. Somit bleibt das Angebot aus den USA hoch. Gleichzeitig kann sich die OPEC nicht auf eine Verringerung der Produktion einigen. Zu unterschiedlich sind die Motivationen von Saudi-Arabien, Venezuela und Co. Es ist aber nicht zu erwarten, dass der Ölpreis noch sehr weit nach unten sinken wird, einen deutlichen Anstieg soll es aber ebenfalls nicht geben. Allenfalls eine kleine Korrektur scheint möglich. Bei der St. Galler Kantonalbank Deutschland ist man sicher, dass der Ölpreis niedrig bleiben wird. Die Experten von Generali Investments rechnen mit einer bleibenden Uneinigkeit innerhalb der OPEC.

Bei den Industriemetallen setzen die Experten von Generali Investments 2015 auf Aluminium. Hier sollte eine Produktionskürzung machbar sein, so dass das Metall vernünftige Preise erzielen kann. Anders sieht es beim Kupfer aus. Die schwächelnde Nachfrage aus China kann Probleme bringen. Widerspruch gibt es dabei jedoch von den Analysten der Commerzbank. Diese rechnen auf längere Sicht mit einem Plus beim Kupferpreis. Das Angebot soll nicht so deutlich zulegen, wie der Markt dies bisher erwartet.

Kaum ein Analyst hat Gold und Silber auf der Liste

Gold steht bei den Marktbeobachtern 2015 nicht obenan auf dem Zettel. Die Preise geben kaum Anlass zum Jubeln. Die Experten der Erste Group aus Österreich rechnen für 2015 mit einem Kurs von rund 1.250 Dollar je Unze. Damit liegen sie auf Höhe der Erwartungen der Deutschen Asset & Wealth Management. Auch die Frankfurter prognostizieren einen Unzenpreis von 1.250 Dollar je Unze übers Jahr gesehen. Die Brüder der Deutschen Bank halten sogar Preise von 1.150 Dollar für möglich. Der immer stärker werdende Dollar und mögliche Zinserhöhungen in den USA können die Nachfrage nachhaltig beeinflussen. Das geht zur Lasten der Attraktivität. Societe Generale fürchtet sogar, dass der Druck auf das Gold noch zunehmen könnte. Wenn sich die Situation in Russland nicht verbessert, wird die dortige Zentralbank gezwungen sein, ihre Goldbestände zu verringern. Russland gehörte in den vergangenen Jahren zu den Nettokäufern am Markt. Eine Trendwende bei der dortigen Nationalbank könnte ein schlechtes Zeichen für das Edelmetall sein und den Preis zusätzlich unter Druck bringen.

Kaum Erwähnung findet derzeit Silber. Der niedrige Preis verleitet kaum jemanden dazu, sich intensiver mit dem Metall zu beschäftigen. Allgemein geht man davon aus, dass sich die Entwicklung des Silberpreises dem Goldpreis anpassen wird. Für 2015 sind die Perspektiven somit begrenzt.

Platin und Palladium als heimliche Stars der Branche

Zwei andere Metalle könnten 2015 jedoch auf der Siegerstraße stehen: Platin und Palladium. Beim Katalysatorenhersteller Johnson Matthey rechnet man für 2015 mit einer höheren Nachfrage nach Autos, die von den USA und China ausgeht. Damit würde sich die Nachfrage nach diesen beiden Metallen weiter erhöhen. Schon 2014 gab es ein klares Angebotsdefizit bei beiden Metallen – unter anderem aufgrund von Streiks in den Minen Südafrikas. Wird zudem die russische Wirtschaft, ein Hauptlieferant von Palladium, weitere Probleme erleiden, ist der Nachschub aus dem fernen Osten nicht gesichert. Höhere Preise für die beiden Metalle sind daher alles andere als ausgeschlossen.

Die Experten von Barings sehen 2015 noch einen anderen Rohstoff als interessant an: Diamanten. Vor allem in China sehen sie Anzeichen dafür, dass sich die Nachfrage nach Edelsteinen erhöhen wird. Möglicherweise werden Diamanten an einigen Stellen den Wunsch nach Gold ersetzen.

Deutliche Tendenzen beim Uran und Nickel

Und was ist mit Uran? In den vergangenen Monaten hat der Preis bereits klar angezogen, der Trend könnte sich fortsetzen. Die Nachfrage nach Uran dürfte steigen, gleichzeitig wird das Angebot am freien Markt knapper. Japan wird wieder verschiedene Reaktoren anfahren, vor allem in den Schwellenländern ist Atomkraft heiß begehrt. Mehrere neue Anlagen stehen weltweit vor dem Start. Nicht jeder Nachfrager muss sich dabei auf dem freien Markt versorgen. Verschiedene Länder haben sich durch Verträge bereits Lieferungen beispielsweise aus Usbekistan gesichert. Dieses Uran wird dem freien Markt nicht mehr zur Verfügung stehen. Somit steht zu erwarten, dass der Uranpreis 2015 gen Norden tendieren wird.

Nickel könnte 2015 ebenfalls zu den erfolgreichen Rohstoffen gehören. Die Analysten der Commerzbank rechnen für Nickel im kommenden Jahr erstmals seit Jahren wieder mit einem Angebotsdefizit. In vielen wichtigen Ländern wird weniger Nickel produziert, gleichzeitig steigt die Nachfrage immer weiter an. Nach Indonesien könnten die Philippinen ihre Nickelausfuhren einschränken. Aber vor allem die Stahlbranche braucht immer mehr von dem Rohstoff. Die Lage ist angespannt. Ein Preis von 18.000 Dollar je Tonne ist Ende 2015 nicht ausgeschlossen.

2015 wird somit erneut ein spannendes Jahr für die Rohstoffbranche werden. Wir werden versuchen, Sie in den kommenden zwölf Monaten so kompetent und allumfassend über diesen Sektor zu informieren, wie Sie es von uns gewohnt sind. Kommen Sie gut ins neue Jahr hinein und bleiben Sie uns gewogen.

Die Redaktion von miningscout.de wünscht allen Leserinnen und Lesern ein gutes und glückliches neues Jahr!