Liebe Leserinnen und Leser,

Wie Sie wissen, findet am Sonntag die Volksabstimmung der Schweiz statt und unter anderem haben die Schweizer Bürger das Recht, über die künftige Politik der SNB (Schweizer Nationalbank) mitzubestimmen. Die Schweizer Gold-Initiative fordert, dass die SNB mindestens 20% der Währungsreserven in Gold halten soll, dieses auch behalten muss und das Gold soll in heimischen Tresoren verwahrt werden.

Aktuell hält die Schweiz rund 8% der Währungsreserven in Gold. Ein JA würde bedeuten, dass die SNB in den nächsten Monaten und Jahren rund 1.500 Tonnen zukaufen müsste, was in etwa einer halben Jahresproduktion der Goldminen entsprechen würde.

Die große Frage ist, wie wird sich die Entscheidung der Schweizer am Sonntag auf den Goldmarkt auswirken. Die jüngsten Umfragen zeigen keine klare Mehrheit, weder für die Befürworter, noch für die Gegner. Die jüngste Schätzung vom GFS Bern zeigt eine Zustimmung von 39% und 56% wollen eher dagegen stimmen.

Die Schweizer Nationalbank hat in den letzten Wochen alles getan, um die Gold-Initiative schlecht zu reden und den Bürgern der Schweiz Angst zu machen. Der Präsident der Nationalbank Thomas Jordan schürt die Angst vor Arbeitsplatzverlusten mit der Begründung, dass die SNB den Wechselkurs zum Euro von 1,20 CHF dann nicht mehr halten könnte. Sprich der Schweizer Franken würde mit einer 20%-igen Golddeckung stärker und das will man vermeiden (Währungskrieg).

Die SNB druckt Milliarden von Schweizer Franken und kauft dafür die wackeligen Euros, um die 1,20 CHF-Marke zu halten: EUR/CHF und der verzweifelte Versuch den Schweizer Franken niedrig zu halten EUR/CHF und der verzweifelte Versuch den Schweizer Franken niedrig zu halten;

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Quelle: www.finanztreff.de

Nachfolgend habe ich die Bilanz bzw. die Währungsreserven der SNB aus dem jüngsten Bericht schnell in einen Chart umgewandelt (nicht besonders schön, aber man sieht das Ergebnis). Sie sehen, wie die Druckerpresse mit der Finanzkrise angeworfen wurde und sich der Trend massiv beschleunigt hat, um die Währung künstlich niedrig zum Euro zu halten:

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Entwicklung der Währungsreserven der Schweizer Nationalbank (SNB), Quelle: http://www.snb.ch/en/iabout/stat/statpub/balsnb/stats/balsnb

Aus meiner Sicht wäre ein JA eine ganz klare Bekenntnis zu einer stabilen Währung und der 20%-Anteil würde die SNB kaum in ihrer Entscheidungsfreiheit und in ihrem Handeln einschränken. Man müsste lediglich weniger Euros kaufen. Doch da die Nationalbanken international zusammenarbeiten, ist die Schweizer Goldinitiative ein unwillkommener Gegner des Papiergeldsystems. Ich hoffe, dass die Befürworter der Gold-Initiative auf jeden Fall zur Abstimmung schreiten, was ein Vorteil für Sonntag sein könnte.

Szenarien

Was kann uns um Montag blühen? Diese Frage stellen sich viele von Ihnen, wie ich an der Vielzahl der Emails gesehen habe. Ein JA würde Gold ganz klar helfen. Es wäre ein Bekenntnis des Volkes zu einer stabileren Währungspolitik und könnte Signalwirkungen für viele andere Länder haben.

Sollten die Schweizer mit JA stimmen, so glaube ich aber mehr an eine Signalwirkung, als an einen sofortigen Goldpreisschub, ausgelöst durch die Käufe der SNB. Die Nationalbank kann sich Zeit lassen und mit anderen Notenbanken verhandeln, das Gold über den Interbankenhandel zu beziehen.

Sollte die Gold-Initiative abgelehnt werden, müssen wir von einem erneuten Short-Versuch der großen Player ausgehen. Das dann angeschlagene Sentiment könnte genutzt werden, um Gold nochmals nach unten zu drücken. Jedoch war in den jüngsten COT-Daten noch keinerlei Druck der Spekulanten zu spüren (siehe MMW 24.11.2014). Normal hätten wir im Vorfeld den Aufbau von Short-Positionen sehen müssen. Eventuell positionieren sich die „Goldgegner“ noch in dieser Woche, dann sollten wir aber bereits ab Mittwoch oder Donnerstag einen schwachen Goldpreis sehen.

Fazit:

Guter Rat ist bei dieser Frage teuer. Im Grunde könnte die Abstimmung eine Rallye auslösen aber auch einen erneuten Abwärtsschub. Wir werden uns die nächsten Handelstage also genauer ansehen und dann entscheiden, ob wir uns vor der Entscheidung mit einer extra Position engagieren.