Seit dem Sommer hat der Preis für Rohöl um rund 32 Prozent nachgegeben.Es gibt eine Reihe von Gründen für diese Entwicklung. So haben die OPEC-Staaten den Ölhahn in den vergangenen Monaten aufgedreht, die Förderung hat um rund 1 Millionen Barrel Öl pro Tag zugelegt. Auch die Fracking- und Schieferöl-Aktivitäten in Nordamerika haben für ein Angebotsplus gesorgt. Im vergangenen Jahr ist das Angebot an US-Öl um ebenfalls 1 Million Barrel angestiegen – pro Tag. Der Markt wird somit vom Öl regelrecht überflutet. Zudem spielen die konjunkturellen Schwankungen der Wirtschaft, die für eine Zurückhaltung der Industrie bei der Nachfrage sorgen, eine preisdrückende Rolle.

75 Dollar sind das Maß am Ölmarkt

Private Verbraucher, Fluggesellschaften und andere industrielle Konsumenten profitieren von der Marktschwemme. Kostete ein Barrel Öl im Juni noch rund 107 Dollar, so muss man derzeit weniger als 75 Dollar je Barrel auf den Tisch legen. Dieser Trend wird vermutlich noch eine Weile anhalten. Die Analysten von Goldman Sachs rechnen damit, dass der Durchschnittspreis je Barrel Öl im ersten Quartal 2015 bei 75 Dollar liegen wird – trotz der Wintersaison. Bisher haben sie einen Preis von 90 Dollar je Barrel für realistisch angesehen.

Teile der Ölbranche sprechen von schwerer Krise

Während Verbraucher sich über diese Situation freuen, herrscht in Teilen der Ölindustrie eine regelrechte Krisenstimmung. Mit 75 Dollar je Barrel lassen sich viele Ölfelder nicht wirtschaftlich betreiben. Das betrifft vor allem die Felder, die nicht mit konventionellen Methoden gebohrt wurden. Viele Unternehmen, die den Rohstoff aus Schiefergestein gewinnen, brauchen 80 oder sogar 100 Dollar, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Allerdings widersprechen sich die Forschungsinstitute und Marktbeobachter teils deutlich in der Frage der Profitabilität. Unternehmen wollen ihre Situation häufig lieber besser darstellen, als sie tatsächlich ist, doch der Kurs vieler Produzenten hat zuletzt deutlich nachgegeben. Die Internationale Energiebehörde glaubt, dass 96 Prozent der Produzenten auch bei 80 Dollar je Barrel noch wirtschaftlich Öl aus Schiefer herausholen können. Andere Experten zweifeln dies an und gehen von deutlich schlechteren Zahlen aus. Von den aktuell gestarteten Projekten soll, so eine andere Quelle, jedes Dritte mit diesem Preis starke Probleme haben.

2015 wird sich das Wachstum der Ölbranche fortsetzen

So oder so wird auch für 2015 ein Wachstum der Ölförderung in den USA vorhergesagt. Die Experten von IHS gehen davon aus, dass 700.000 Barrel Öl täglich aus neuen Quellen kommen werden. Zum Vergleich: Im laufenden Jahr beträgt das Plus aus neuen Projekten 1 Million Barrel. Aber selbst wenn diese Quellen bei 80 oder sogar 75 Dollar wirtschaftlich betrieben werden könnten – vielen Unternehmen fehlt der Cashflow, um in der Folge weiter nach neuen Bezugsquellen zu suchen. Die Explorationsarbeiten werden vielerorts unter den niedrigeren Ölpreisen leiden. Einige Gesellschaften haben bereits angekündigt, ihre Investitionskosten radikal zu kürzen. Ein Minus von 80 Prozent ist dabei keine Seltenheit.

Konventionelle Förderer profitieren von der Situation

Profitieren können von dieser Situation die Gesellschaften, die das Öl auf konventionelle Art fördern. Ihre Kosten sind deutlich niedriger, sie können sich auch bei 80 Dollar noch entspannt zurücklehnen. In diese Kategorie fallen neben den Öl-Multis auch kleinere Unternehmen, wie die von uns mehrfach besprochene Hemisphere Energy (TSX-V: HME; WKN: A0RM3S; ISIN: CA4236301020). Deren Aktien haben jüngst von Industrial Alliance Securities eine Kaufempfehlung erhalten. Das Kursziel liegt bei 1,00 Dollar. Damit hat die Aktie Verdopplungspotenzial – auch aufgrund der derzeitigen Lage am Markt.