An der Börse und in den Medien wirken einige fast überrascht über den starken Anstieg, den der Uranpreis zuletzt verzeichnet hat. Seit dem Sommer dieses Jahres hat der Uranpreis rund 50 Prozent an Wert gewonnen und ist wieder deutlich über die 40-Dollar-Marke geklettert. Mit etwas Zeitverzögerung haben sich auch Uranaktien klar erholen können. Beispiele sind die kanadische Cameco (ISIN: CA13321L1085), deren Aktien seit Mitte Oktober an der New Yorker Börse von 15,55 Dollar auf bis zu 19,82 Dollar kletterten, oder UEC (ISIN: US9168961038), für deren Aktienkurs es im November von 1,08 Dollar bis an die 2-Dollar-Marke nach oben ging. Andere Werte aus dem Uransektor, unter anderem Fission Uranium (ISIN: CA33812R1091), kletterten ebenfalls.

Doch so überraschend, wie die Kurserholung im Uransektor nun für manche scheint, ist sie gar nicht. Wir haben auf Miningscout in den vergangenen Monaten immer wieder auf irrational niedrige Uranpreise verwiesen. Es war angesichts der Tatsache, dass bei Preisen um 28 Dollar Uranminen wirtschaftlich vielfach schlicht unattraktiv sind, eine reine Frage der Zeit, bis die Preise wieder steigen. Trotz aller Diskussionen um die Kernkraft, die seit dem GAU von Fukushima zu sehen sind, stand die Energieerzeugung in Kernkraftwerken weltweit nie wirklich vor dem Aus. Viele Staaten wie zum Beispiel China haben wenig andere Chancen, ihren Energiebedarf zu decken, als Kernkraft mit in den Energiemix aufzunehmen. Kurz: Die Welt braucht den radioaktiven Rohstoff, also wird sie ihn früher oder später wieder stärker nachfragen und so die Preise treiben. Eine Pleite der Uran-Bergbaubranche war vor diesem Hintergrund ausgeschlossen.

Wird Uran zu Putins neuer politischen „Waffe“?

Diese Einschätzung scheint mittlerweile auch Realität zu werden. Am Markt sind angesichts der günstigen Preise wieder Adressen auf der Käuferseite aufgetaucht, die man lange Zeit nicht gesehen hat – trotz der Baisse bei Öl- und Gaspreisen. Hinzu kommt ein Versorgungsfaktor: Dass sich Angebot und Nachfrage am Uranmarkt ausgleichen konnten, lag lange Zeit an Verkäufen von Uran aus russischen Militärbeständen an die USA. So konnte das Defizit bei der weltweiten Uranförderung aufgefangen werden. Doch der Liefervertrag zwischen den beiden Staaten ist ausgelaufen, sodass den USA eine wichtige Uranquelle abhanden gekommen ist. Nun muss man sich auf dem freien Markt bedienen, weshalb es gar nicht überrascht, dass plötzlich jahrelang vermisste Käufer wieder erscheinen. Auch darauf hatten wir immer wieder hingewiesen.

Verstärkt wird die Situation an der Uranbörse noch durch andere Entwicklungen. In Japan steht die Kernkraft trotz der immer noch vorhandenen Probleme mit dem GAU-Reaktor in Fukushima vor dem Comeback. Japan hat, will es die eigene Energieversorgung sicherstellen, kurzfristig keine andere Chance. Weltweit werden viele Kernkraftwerke neu gebaut, die Internationale Energieagentur rechnet für die kommenden Jahrzehnte mit einer deutlich steigenden Atomstromproduktion, obwohl viele alte Kernkraftwerke stillgelegt werden.

Sorgen bereitet dem Markt das Pulverfass Osteuropa. Russland ist ein wichtiger Urananbieter, vor allem aber Weltmarktführer Kasachstan – und die dortige Regierung um Regierungschef Karim Massimow sowie das umstrittene Staatsoberhaupt Nursultan Nasarbajew gelten nicht gerade als Putin-feindlich. Das Land ist politisch wie wirtschaftlich eng mit Moskau verflochten. Angesichts der großen Differenzen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt könnte dies am Uranmarkt zu politisch motivierten Verknappungen führen, befürchten Börsianer.