Zinn steht als Rohstoff nicht wirklich im Fokus des öffentlichen Interesses, dabei ist Deutschland weltweit der viertgrößte Konsument. Wenn man auf die Kurslisten der Basis -und Industriemetalle schaut, findet man Zinn entweder gar nicht oder erst ganz unten. Nur wenige Experten können auf Anhieb sagen, was derzeit eine Tonne Zinn kostet. Der Zinnpreis liegt bei klar über 23.000 Dollar je Tonne, im vergangenen Sommer mussten nur 19.000 Dollar je Tonne bezahlt werden. Im Sommer 2011 mussten hingegen rund 33.000 Dollar für eine Tonne bezahlt werden.

Auch die Europäische Union hat den Rohstoff nicht als kritisch eingestuft. In der High-Tech-Industrie wird er eher selten gebraucht, er ist Alltags- und Massenware. Und dennoch könnten sich in einigen Jahren Industriekonzerne nach den guten alten Zeiten zurücksehnen. Denn Zinn wird knapp, auch wenn dies derzeit kaum jemand merkt. Die Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe aus Hannover weisen auf dieses Phänomen aber in einem Vortrag auf einer Zinn-Konferenz in Penang hin.

China und Indonesien sind die weltweit größten Zinn-Produzenten

2012 gab es fast ein Gleichgewicht zwischen der Zinn-Produktion von raffiniertem Zinn und der Nachfrage nach dem Rohstoff. In den Jahren zuvor wechselte es sich ab, mal gab es einen leichten Nachfrageüberhang, mal gab es ein leichtes Defizit. China und Indonesien sind mit 151.000 Tonnen bzw. 105.000 Tonnen (2012) die großen Zinnproduzenten der Welt. Insgesamt kamen 2012 337.500 Tonnen auf den Markt.

Doch in Indonesien gehen die Reserven allmählich zur Neige. Weltweit sollen nach derzeitigem Stand noch 15,3 Millionen Tonnen Zinn (als Reserven und Ressourcen) im Erdreich liegen. Fast 5,6 Millionen Tonnen entfallen dabei auf China, Russland kommt auf 2,2 Millionen Tonnen, die jedoch nur als Ressourcen eingestuft werden. Auch Australien und Brasilien kommen jeweils auf rund 1 Million Tonnen. Indonesien bleibt leicht unter dieser Marke.

Bis 2017 soll die jährliche Zinnproduktion konstant um die 330.000 Tonnen liegen, danach geht es abwärts, 2020 soll die Marke von 300.000 Tonnen unterschritten werden. Die Nachfrage nach raffiniertem Zinn wird hingegen steigen. Noch liegt sie um die 350.000 Tonnen, 2020 soll sie hingegen auf 377.000 Tonnen angestiegen sein. Das ergibt für 2020 ein Angebotsdefizit von mehr als 80.000 Tonnen. Das sollte sich bei den Preisen bemerkbar machen, der Kurs von Zinn sollte in drei oder vier Jahren spürbar nach oben gehen.

Myanmar ist der Joker

Die Wissenschaftler haben wenig Hoffnung, dass neue Projekte das Defizit kurzfristig verringern könnten. Zwar gibt es eine Vielzahl von Projekten, die Experten listen 157 Stück auf, doch nur sieben davon sollen bis 2020 die Förderung aufgenommen haben. Es dauert, bis eine Mine wirklich an den Start gehen kann. Die wegbrechenden Förderdaten aus Indonesien können so nicht ersetzt werden.

Eine große Unbekannte ist die Entwicklung in Myanmar. Das bis vor wenigen Jahren abgeschottete Land besitzt große Zinnvorkommen. Ob diese aber schon vor 2020 ausgebeutet werden können, ist zumindest fraglich. Die Zinn-Landkarte wird sich jedoch in den nächsten Jahren klar verschieben. Indonesien ist der Verlierer, Myanmar kann zum großen Gewinner aufsteigen.

2017 bringt die Wende

Die Lage am Markt ist nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler derzeit nicht dramatisch, sie kann sich jedoch in den kommenden Jahren deutlich ändern. Verbraucher von Zinn, also vor allem Industrieunternehmen, sollten sich rechtzeitig mit größeren Mengen eindecken. Junior Companies und Explorer sollten sich auf die Zeit ab 2017 vorbereiten und dann mit der Förderung beginnen, Produzenten können sich spätestens dann auf höhere Preise freuen. Und Wissenschaftler sollten mit den Überlegungen beginnen, wie man Zinn substituieren kann.

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