Nickel war in 2014 bisher das stärkste Industriemetall, vielleicht zieht Kupfer im Preis jetzt nach. Die Kupfer-Lager leeren sich nämlich. Zählt man die offiziellen Bestände in den Lagern zusammen, so sind sie mit 285.000 Tonnen auf dem niedrigsten Stand seit 2008 gefallen.

Vor etwa einem Jahr konnten die Börsenstände von LME (London Metal Exchange), SHFE (Exchange Future Exchange) und Comex (New York Commodity Exchange) noch mit 935.000 Tonnen Kupfer ein Hoch markieren. Nun sind sie um rund 70 Prozent nach unten gegangen. Davon mitbeeinflusst weiten auch die Finanzinvestoren ihre Netto-Long-Positionen aus – derzeit auf den höchsten Stand seit vier Monaten. Der August-Future an der SHFE ist auf ein 11-Wochenhoch bei über 49.000 RMB gestiegen.

Kupfer ist also gefragt. Sorgen über den Zustand der chinesischen Wirtschaft und den wichtigen Kupferverbraucher China legten sich, da der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe in China im Mai auf 50,8 gestiegen ist. Dies war besser als erwartet.

China hat im April 86,5 Prozent mehr Kupferraffinade und 18,7 Prozent mehr an Kupferkonzentrat importiert als im Vorjahresmonat. In 2014 fanden bisher sogar 56 Prozent mehr Kupferraffinade den Weg in das Reich der Mitte als im gleichen Zeitraum in 2013. Die Experten der Commerzbank gehen daher für 2014 von steigenden Kupferpreisen aus. Für Kupfer als Infrastrukturmetall ist der Bausektor besonders wichtig. Sollte China nicht, wie erwartet, große Infrastruktormaßnahmen tätigen, wovon aber eigentlich auszugehen ist, dann könnte sich dies negativ auf den Kupfer-Preis auswirken. Doch Premierminister Li Keqiang hat erst kürzlich wieder klar gemacht, dass China zur Konjunkturstabilisierung neben staatlichen Investitionen zu forcieren auch an der Geldpolitik finetunen wird. Das alles spricht für einen starken Kupferabsatz und damit eher steigende Kupferpreise.

Interessant ist auch, dass in den letzten 10 Jahren ein Korb aus Kupfer-Aktien den Kupferpreis um 224 Prozent übertroffen hat. Und Kupfer-Aktien waren nicht nur besser als das Metall selbst, gleichzeitig haben sie im Vergleich zu anderen Rohstoff-Aktien den gesamten Markt übertroffen. Dazu kommt, dass spätestens Ende 2016 ein Kupfer-Defizit den Markt beherrschen könnte. Unzureichende Versorgung und robuste Nachfrage sind der Grund. Einige sehen den Kupfer-Preis daher um 15 bis 18 Prozent vom aktuellen Stand ansteigen.