In dieser Woche fand in Zürich (Schweiz) das European Gold Forum der Denver Gold Group statt. Unsere Redaktion war auf dem wichtigen Branchentreff zu Gast und hat sich ein wenig umgehört.

Einer der interessantesten Sprecher auf dem Forum war sicherlich Philip Newman. Der frühere Forschungschef von Thomson Reuters GFMS hat vor einiger Zeit zusammen mit Partnern Metal Focus gegründet, seine eigene Beratungsagentur. Diese scheint sich zu einer der wichtigsten Researchagenturen für Edelmetalle zu entwickeln. Sein Wort hat Gewicht, er kann sich auf eine langjährige Erfahrung stützen.

So glaubt Newman, dass der Goldpreis in diesem Jahr keine wirklichen Höhenflüge erleben wird. Kurse zwischen 1.100 Dollar im schlechtesten Fall und 1.375 Dollar je Unze im „best case“ sind seiner Meinung nach für 2014 zu erwarten. 2014 wird seiner Ansicht nach ein Jahr der Kurskonsolidierung werden, das Abwärtspotenzial ist aus Newmans Sicht dabei begrenzt.

Goldangebot überraschte 2013

Impulse kommen im laufenden Jahr erneut aus China und aus Indien. Die beiden Großverbraucher werden im laufenden Jahr erneut den Goldmarkt bestimmen. Dabei kann die Dynamik im Vergleich zu 2013 etwas nachlassen. Sehr ungewiss ist, wie stark die Nachfrage aus Indien zulegen kann. Dort muss man inzwischen mehr und mehr zwischen der offiziellen Einfuhr und dem Schmuggel unterscheiden. Die indische Regierung hat durch ihre restriktive Einfuhrpolitik dem Schmuggel Tür und Tor geöffnet. Wie sehr die Maßnahmen der Regierung hinsichtlich der Zollvorschriften wieder heruntergefahren werden, ist noch unklar. Davon wird jedoch die indische Goldnachfrage stark abhängen.

Überraschenderweise ist das Goldangebot 2013 trotz der niedrigen Preise um 5 Prozent angestiegen. Der Markt hatte mit einer gegenteiligen Entwicklung gerechnet. Goldproduzenten haben sich jedoch darauf verlegt, höhererzige Gesteinsbereiche abzubauen, um so kurzfristig Kosten zu sparen. Für die Zukunft kann dies negative Folgen haben, zunächst zeigen sich aber positive Effekte. Auch 2014 kann das Angebot leicht zulegen. Ab 2015 könnte das Angebot jedoch sinken. Dann zeigen sich die Folgen der niedrigen Goldkurse, da Projekte immer mehr herausgezögert oder sogar abgesagt werden. Mit Verzug kommt diese Entwicklung auch in den Förderstatistiken an.

Starke Nachfrage nach Silbermünzen

Das Angebot von Silber kann, so Newman, 2014 ebenfalls leicht zulegen Die Entwicklung von Silber kann man jedoch nicht mit Gold vergleichen. Während Gold vor allem im Schmuckbereich und als Investitionsvehikel genutzt wird, kommt die Hälfte der Silbernachfrage aus der Industrie. Somit wird bei einer besseren Konjunktur die Silbernachfrage steigen. Bei der Nachfrage nach Silber als Investitionsvehikel ist sich der Markt hinsichtlich der Richtung nicht ganz sicher. Wenn man jedoch beobachtet, wie stark die Münzen des American Eagle nachgefragt werden, sollte der Daumen nach oben gehen.

Die Prognosen für die künftigen Kurse müssen jedoch mit einem Fragezeichen versehen werden. Fundamental gehen sie in Ordnung, demnach gibt es bei den Kursen kaum Bewegung. Praktisch kann letztlich alles anders ausgehen. Die Krise in der Ukraine kann den Markt stark beeinflussen. Andere Brennpunkte auf der Welt können außerdem dafür sorgen, dass Gold den Status des „sicheren Hafen“ wieder voll auskosten kann – mit den entsprechenden Preisbewegungen.