Nevada – ein Bundesstaat im Westen der USA, dominiert von Wüste und Steppe, Heimstätte von Las Vegas und Area 51. Doch neben den Spielern, die ihr Glück im Casino versuchen, finden sich vermehrt Prospektoren, Glücksritter, Goldsucher und Rohstofffirmen im „Silver State“ ein. Denn neben militärischen Anlagen und dem Eldorado für Glücksspieler findet sich ein Rohstoff in großer Menge – Gold.

Nevada besitzt außerordentliche Goldvorkommen, die in ihrem Reichtum einen Vergleich mit Südafrika und Australien nicht scheuen müssen. Als eigenständige Nation wäre Nevada der viertgrößte Goldproduzent der Welt, bis 2008 wurden in dem US-Bundesstaat etwa 4700t Gold gefördert (ca. 152 Millionen Unzen), verglichen mit der weltweit insgesamt geförderten Goldmenge von 174 100t (ca. 5,6 Milliarden Unzen) immerhin ein Anteil von etwa 2,7%. Und jährlich kommen noch etwa 175t (5,64 Millionen Unzen) dazu, obwohl die Produktion seit ihrem Hoch von 280t (9 Millionen Unzen) im Jahr 1998 deutlich abgenommen hat.

Eine bedeutende Region für die Goldproduktion in Nevada findet sich im Norden und Nordosten des Bundesstaats. Aus dem dort befindlichen Carlin-Trend wurde bis 2008 über 70 Millionen Unzen Gold produziert, also etwa die Hälfte des in Nevada geförderten Edelmetalls.

Üblicherweise zeichnen sich Goldvorkommen des Carlin-Typs durch hohe Tonnage und eher niedrige Gehalte aus. Allerdings treten in einigen Fällen auch hohe Gehalte auf, das wohl prominenteste Beispiel stellt dabei die Mine Meikle dar, die weltweit eine der hochgradigsten Lagerstätten dieses Typs repräsentiert. Die Reserven der Mine betragen 220t Gold (ca. 7,1 Millionen Unzen) bei einem durchschnittlichen Gehalt von 24,7 g/t Au, lokale Anreicherungen erreichen dabei bis zu 400 g/t Au (Emsbo et al., 2003).

Generell gibt es sowohl innerhalb einzelner Lagerstätten als auch zwischen verschiedenen Distrikten eine teils erhebliche Variation der Gehalte, wobei ein Großteil der wirtschaftlich relevanten Vorkommen Gehalte zwischen 0,9 g/t und 20 g/t aufweist (siehe auch die Graphik 'Gehalt gegen Tonnage', zu beachten ist die logarithmische Skalierung der Achsen).

Erz - Carlin-Trend

Was zeichnet den Carlin-Typ aus?

  1. Die relevanten Charakteristika der Goldvorkommen des Carlin-Typs sind:
  2. Die Mineralisierung ist stark strukturell geprägt (z.B. durch Störungen und Falten)
  3. Kalkige Sedimentgesteine (Kalkstein, Dolomit, Beimengung von Ton), ± Intrusivgestein
    • Dekarbonitisierung (Abgabe von CO2 aus dem Kalkstein)
    • Argillitisierung (Umwandlung von Feldspat zu Tonmineralen)
    • Silizifizierung (Einbau von Silizium in bestimmte Minerale)
    • Sulfidische Alteration(Einbau von Schwefel in bestimmte Minerale)
  4. Submikroskopisches Gold ( kleiner als 0,2 μm ) in Pyrit, arsenhaltigem Pyrit und Arsenopyrit, auch als gediegen Gold
  5. Geochemische Signatur von Au (Gold), As (Arsen), Hg (Quecksilber), Sb (Antimon) und Tl (Thallium)

Abbau und Aufbereitung

Die oftmals eher niedrigen Gehalte der Vorkommen erfordern zumeist die kostengünstigere Methode eines Tagebaus. Bei höheren Gehalten oder auch bei relevanten Mengen an Beiprodukten (meist Silber) lohnt sich jedoch auch der Bergbau unter Tage.

Hochgradiges oxidisches oder sulfidisches Erz kann in einer Mühle gemahlen und anschließend mit Cyanid gelaugt werden. Oxidisches Material mit niedrigen Gehalten kann mit dem Verfahren der Haufenlaugung gewonnen werden. Refraktäres Erz, also z.B. Material mit sehr fein verteiltem Gold (eingeschlossen in andere Minerale, daher keine Reaktion mit eingesetzten Chemikalien) muss entweder geröstet, über den Prozess der Bio-Oxidation oder die Behandlung mit Ammonium Thiosulfat aufgeschlossen werden. Auch Autoklaven kommen zum Einsatz, die eine thermische Behandlung mit Überdruck ermöglichen. Technischer Fortschritt und die Entwicklung neuer Verfahren stellen dabei eine Möglichkeit dar, neue Vorkommen wirtschaftlich zu erschließen und auch bisher unwirtschaftliches Material zu verarbeiten.

Besonders die hohe Tonnage der Vorkommen und die Möglichkeit auf hohe Gehalte locken die Branchengrößen der Goldminenbetreiber nach Nevada. So finden sich unter anderem Barrick Gold, Goldcorp, Kinross und Newmont Mining unter den Betreibern.

Erkundung von neuen Goldlagerstätten

Wo sich die Großen tummeln, da suchen auch kleinere Bergbauunternehmen, sogenannte Explorer, nach neuen Liegenschaften und hoffen auf den großen Fund. Die submikroskopischen Goldpartikel erschweren zwar eine direkte Neuentdeckung eines Vorkommens, durch chemische Anomalien und eine detaillierte Interpretation lokaler und regionaler Strukturen, sowie das fortschreitende Verständnis der Bildung der Lagerstätten des Carlin-Typs ist eine zielgerichtete Exploration und Erkundung jedoch möglich. Durch eine Neuinterpretation der Bildungsprozesse könnten auch bisher übersehene Vorkommen entdeckt werden, hierbei ist jedoch die Erfahrung und Kompetenz des Managements von entscheidender Bedeutung.

Ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Gold-Exploration im Carlin-Trend lieferten in den vergangenen Jahren unter anderem Unternehmen wie Klondex Mines (TSX: KDX; Frankfurt: 32K, WKN: 727231, ISIN: CA4986961031) oder Gold Standard Ventures (TSX: GSV; Frankfurt: 6AZ, WKN: A0YE58, ISIN: CA3807381049). Letzteres entwickelt in der Region seine rd. 26 km² große „Railroad“-Liegenschaft zur Produktion und machte bereits mit bedeutenden Goldfunden auf sich aufmerksam. Die dort bislang erbohrten Ziele brachten etwa folgende hochgradige Mineralisierungen über große Weiten zutage:

  • 22. Feb.2012, Bohrloch 11-16: 56,4 m mit 4,26 g/to Au
  • 26. April 2012: Bohrloch 12-1: 164m mit 3,38 g/to Au
  • 18. Sept. 2012: Bohrloch 12-10: 124m mit 4,05 g/to Au
  • 21. Mai 2013: Bohrloch 13-08: 73,5m mit 3,67 g/to Au
  • 19. Sept. 2013: Bohrloch 13-11: 98,1 m mit 3,26 g/to Au

Solche Bohrergebnisse geben berechtigte Hoffnung auf zukünftig weitere wirtschaftlich abbaubare Goldlagerstätten in der Region. Las Vegas liegt im Süden Nevadas, das Glückspiel um Gold findet jedoch im Norden statt.

Literaturverzeichnis

Cline, Jean S.; Hofstra, Albert H.; Muntean, John L.; Tosdal, Richard M.; Hickey, Kenneth A. (2005): Carlin-Type Gold Deposits in Nevada: Critical Geologic Characteristics and Viable Models. In: Economic Geology 100th Anniversary Volume, S. 451–484. Emsbo, Poul; Hofstra, Albert H.; Lauha, Eric A.; Griffin, Gregory L.; Hutchinson, Richard W. (2003): Origin of High-Grade Gold Ore, Source of Ore Fluid Components, and Genesis of the Meikle and Neighboring Carlin-Type Deposits, Northern Carlin Trend, Nevada. In: Economic Geology 98, S. 1069–1105.

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