Kanada gilt als rohstoffreichDer nördliche Teil Kanadas, die drei Provinzen Yukon, Nunavut und das Nordwest-Territorium gehören zu den am dünnsten besiedelten Flächen der Welt, sind aber dennoch sehr reich an Rohstoffen. Die klimatischen Bedingungen sind rau, das Leben und der Alltag hart. Hier, wo sich Eisbär und Polarfuchs gute Nacht sagen, leben auf einer Fläche, die annähernd so groß ist wie die Europäische Union, nur etwas mehr als 100.000 Einwohner.

Warum zieht diese Region trotzdem Rohstoff-Experten und Investoren aus der ganzen Welt in ihren Bann?

Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Goldsucher in das Yukon Gebiet, die legendären Fünde aus 1896 lösten einen Goldrausch in der Region aus. Noch heute ist die Provinz Yukon geprägt von Goldminen und der Rohstoffindustrie. Insgesamt stellt der Bergbau einen der größten Treiber von Investitionen ins nördliche Kanada dar. Auch wenn die Rohstoffpreise, insbesondere die Preise für Edelmetalle und Kupfer seit dem Hoch im Jahre 2011 inzwischen deutlich zurück gekommen sind, so sind sich die Experten einig, dass dies maximal zu einer Verzögerung der Investitionen in der Region führen wird, bzw. die zunächst exorbitant geplanten Wachstumsraten auf ein vernünftige Maß reduziert werden.

Ausblicke auf Wirtschaftswachstum und Entwicklung des Goldpreises

Durch die verzögerten Investitionen fällt das Wirtschaftswachstum in 2014 vermutlich gering aus, soll jedoch schon ab 2015 deutlich an Dynamik gewinnen. Für 2016 erwartet man beispielsweise im Nordwest-Territorium ein Wachstum von knapp 8%. Besonders stark getroffen vom Rückgang der Investitionen war die Provinz Yukon, welche besonders Abhängig von den Goldminen und somit von der Entwicklung des Goldpreises ist. Die Investitionen in Explorationen fielen hier von 233 Millionen CAD im Jahre 2012 auf nur noch ca. 85 Millionen CAD im Jahr 2013. Auch die Provinz Nunavut musste einen herben Rückschlag verzeichnen, hier fielen die Investitionen von 423 Mio CAD auf 249 Mio CAD, während sie zur gleichen Zeit im Nordwest-Territorium um 50 Mio CAD auf 159 Mio CAD stiegen.

Bislang standen Edelmetalle wie Gold und Silber, Basismetalle wie Kupfer und Zink sowie Diamanten im Mittelpunkt der nordkanadischen Bergbauindustrie. Durch massive Funde an Metallen der seltenen Erde könnte hier jedoch außerhalb von China und Nordkorea ein Gegengewicht im Bereich „Seltene Erden“ entstehen. Exemplarisch sei hier die kanadische Firma „Avalon Rare Metals Inc“ genannt, welchet im Nordwest-Territorium ihr Projekt „Thor Lake“ entwickelt.

Abtransport für Basismetalle und Industriemetalle nach wie vor kostspielig

Problematisch bei der Erschließung von Liegenschaften in Nordkanada ist die Infrastruktur. Viele Liegenschaften sind weder über ganzjährig befahrbare Straßen, noch auf dem Seeweg erreichbar, so dass für Mensch und Material nur der Transportweg per Luft bleibt. Für den Abtransport von hochwertigen Bodenschätzen wie Gold oder Diamanten mag diese Lösung preislich akzeptabel sein, für Basis -und Industriemetalle stellt dies einen gravierenden Wettbewerbsnachteil dar. Eine weitere Herausforderung stellt die Energieversorgung der Projekte dar. In einem so dünn besiedelten Gebiet ist sind die Minenbetreiber bislang weitestgehend darauf angewiesen, ihren elektrischen Strom vor Ort selbst per Generator herzustellen.

Auch wenn die lokalen Regierungen nun erste Schritte eingeleitet haben, um die Infrastruktur zu verbessern, so bleibt hier vieles in Eigenregie der Bergbauunternehmen. Die kanadische Regierung hat dies erkannt und den entsprechenden Regionen finanzielle Unterstützung zugesichert. Unterstützung ist auch notwendig, um Konflikte mit den Ureinwohnern zu vermeiden. Die sogenannten „First Nations“ haben in den jeweiligen Gebieten umfangreiche Rechte zum Schutz ihrer Interessen. Um hier gemeinsam an einer Zukunft der nördlichen Gebiete zu arbeiten, wurde ein mit 5,8 Mio CAD von der Regierung gefördertes Projekt zur Ausbildung von Arbeitskräften für den Bergbau im Nordwest-Territorium gestartet, weitere 5,6 Mio CAD wurden zum Aufbau eines Zentrum für Innovationen im Bergbau bereitgestellt. Beide Initiativen verfolgen das Ziel, die Arbeitslosigkeit in den bislang strukturschwachen Gebieten zu reduzieren und weitere Investoren anzulocken.

Genehmigung von Projekten mehr in lokaler Hand

Ein weiterer Schritt zu mehr Investitionen im Nordwest-Territorium wird darin gesehen, dass man mehr Verantwortlichkeit bei der Genehmigung von Projekten in die Hand der lokalen Behörden gibt. Der gleiche Schritt hat in Yukon zu einer deutlichen Belebung der Investitionen geführt und nun erhofft man sich für das Nordwest-Territorium einen ähnlichen Wachstumsimpuls.

Der Preisrückgang bei den Industrie- und Edelmetallen hat jedoch dazu geführt, dass einige Unternehmen in Nordkanada aktuell massive Probleme haben. Um die Kostenstruktur anzupassen, wurde Mitarbeiter entlassen und die Produktionsmengen gedrosselt.

Prognose

Nach zwei schwachen Jahren (2012,2013) im Rohstoffsektor erwarten die Analysten für 2014 mehrheitlich eine Bodenbildung sowie einen Aufschwung der Rohstoffpreise in der zweiten Jahreshälfte. Auch wenn die Preisentwicklung kurzfristig einigen Schwankungen unterworfen sein dürfte, so steht doch fest, dass in den nächsten 20 Jahren immer mehr Menschen diesen Planeten besiedeln werden und der Bedarf an Rohstoffen ungebrochen ist.

Von dieser Entwicklung wir eine politisch stabile Region wie das nördliche Kanada meiner Einschätzung nach überproportional profitieren. Die Weichen sind gestellt, die Infrastruktur wird kontinuierlich verbessert und Fachkräfte ausgebildet. Auch wenn wir in 10 Jahren immer noch von der kanadischen Wildnis sprechen werden, so sind die Chancen, dass hier etwas Nachhaltiges entsteht sehr groß.

Ihr Manuel Giesen