Die Akteure an den Edelmetallmärkten blicken weiterhin gebannt auf die US-Notenbank und ihre Tapering-Politik. Wie schnell und wie stark steigt die neue Fed-Chefin Janet Yellen aus der enorm expansiven Geldmarktpolitik aus, die unter der Bezeichnung Quantitative Easing seit Jahren die Märkte mit Liquidität flutet? Diese Flut wird früher oder später versiegen und Zinserhöhungen Platz machen – so viel scheint festzustehen. Die Frage ist, wie schnell dies vonstatten geht, und die Antwort auf diese Frage dürfte für den Goldpreis alles andere als uninteressant sein.

Die Rohstoffexperten der Nord LB gehen davon aus, dass der Markt eine Zinserhöhung in den USA in 15 Monaten bei den aktuellen Feinunzennotierungen bereits eingepreist hat. Die Experten rechnen damit, dass ein solcher Schritt zwischen Mai und Juli des kommenden Jahres anstehen könnte. Dennoch ist die Zinswende für das Edelmetall keine besonders gute Nachricht. Der Grund: Die Anlagealternativen werden wieder attraktiver. Gold profitiert in Phasen niedriger Zinsen auch davon, dass Rentenpapiere kaum noch Zinsen abwerfen, nach Steuern, Inflation und Kosten sogar Vermögensvernichter sein können. Steigen die Zinsen über das ganze Laufzeitenspektrum, werden neu emittierte Zinstitel wieder attraktiver und rentieren besser. Das geht zu Lasten der Goldnachfrage, zeigt die Erfahrung.

Physische Goldnachfrage dürfte hoch bleiben

Bei der Nord LB rechnet man dennoch nicht damit, dass die physische Goldnachfrage einbrechen wird. Einer der Gründe ist China. Die Experten erwarten, dass sich China langfristig vor Indien als weltweite Nummer eins bei der Goldnachfrage etablieren wird. Überflügelt haben die Chinesen die Inder bereits und dürften diesen Platz so schnell also nicht mehr hergeben – eine Einschätzung, die nicht nur die Nord LB vertritt. Die Nachfrage aus China war es nach Meinung der Experten auch, die einen wesentlichen Anteil an der guten Entwicklung des Feinunzenpreises im bisherigen Jahresverlauf hatte.

Doch das allein hat nicht für die Goldpreisrallye von 1.182 Dollar per Ende 2013 auf jüngst erreichte knapp 1.390 Dollar gesorgt. Ein entscheidender Faktor ist auch, wie sich die Lage bei den Akteuren am Finanzmarkt verändert hat. Die haben den Goldpreis im vergangenen Jahr unter anderem mit einer Massenflucht aus Exchange Traded Funds, kurz ETF, nach unten getrieben – begleitet von einer höchst bearischen Terminbörse. Der Trend hat gedreht, wie die Bestandszahlen der Gold-ETF zeigt: Die Nord LB weist auf mittlerweile wieder leicht steigende Bestände hin. Hinzu kam und kommt die Krim-Krise, die weiter nicht gelöst ist und als politisches Damoklesschwert über dem Markt hängt. Dass die internationalen Notenbanken insgesamt auf der Goldkäuferseite aktiv sind, spricht ebenfalls für den Goldpreis.

Positiv und negative Goldpreis-Impulse halten sich die Waage

Alles in allem ist man bei der Nord LB aber nicht übermäßig bullisch für den Goldpreis. Positive und negative Faktoren für die Feinunze halten sich relativ die Waage, heißt es in einem aktuellen Marktkommentar der Bank. Die Preisprognosen der Experten für die Jahre 2014 bis 2016 liegen je Feinunze Gold bei 1.314 Dollar sowie 1.335 Dollar und 1.400 Dollar. Das allerdings sind Jahresdurchschnittspreise, sodass die tatsächliche erwartete Handelsspanne für den Goldpreis sich um diese genannten Durchschnittspreise erstreckt.