Nachdem sich in den vergangenen Jahren die Rohstoffpreise auf breiter Front erhöht haben, belebt sich der völlig brach liegende deutsche Metallbergbau langsam wieder. Eine der Schaltzentralen liegt in Heidelberg, wo die Entry-Standard-notierte Deutsche Rohstoff AG (ISIN: DE000A0XYG76) residiert. Die Süddeutschen, die mittlerweile auf einen kleinen dreistelligen Millionen-Börsenwert kommen, untersuchen über Tochtergesellschaften verschiedene Projekte in Deutschland.

Eines der aussichtsreichsten hiesigen Projekte des Konzerns ist der Zinnbergbau im Erzgebirge. Die Deutsche Rohstoff AG spricht beim Gottesberg-Projekt im Vogtlandkreis sogar von einem der größten Zinnvorkommen der Welt. Rund 114.000 Tonnen des weichen Schwermetalls sollen hier liegen. Hinzu kommen weitere Vorkommen in zwei anderen Projekten, die in der Nähe liegen. Die Sachsenzinn GmbH, eine Tochtergesellschaft der Heidelberger, arbeitet in einem fortgeschrittenen Stadium an der Vorbereitung des Abbaus in Gottesberg. Bis tatsächlich das erste Mal gefördert wird, dürften aber noch einige Jahre ins Land gehen.

Zinn spielt seit Jahrtausenden eine wichtige Rolle

Zinnbergbau hat nicht nur im Erzgebirge an der tschechischen Grenze Tradition, sondern wird seit Jahrtausenden in vielen Regionen durchgeführt. Als Legierungsmetall für Bronze hat Zinn sogar ein ganzes Zeitalter der Menschheit geprägt. Schon rund 3.000 Jahre v. Chr. wurde Zinn genutzt, entsprechendes haben Wissenschaftler für die Gebiete in Palästina und Ägypten nachgewiesen.

Längst nicht so lange läuft der Erzbergbau im Erzgebirge, aber auch hier hat die Branche eine jahrhundertelange Tradition. Die Förderung von Zinn leidet in der Region allerdings unter den geringen Mineralisierungen des Metalls. Daher benötigt es tendenziell hohe Rohstoffpreise, um die Projekte wirtschaftlich zu gestalten. Die im internationalen Vergleich eher schlechten Bedingungen vor Ort hält Bergbauunternehmen aber nicht davon ab, im Erzgebirge fördern zu wollen. Erste Abbaugenehmigungen für verschiedene Mineralien und Metalle wurden bereits von den Behörden erteilt.

Asien und vor allem China bestimmen den Weltmarkt

Kurzfristig wird Deutschland dennoch keinesfalls in die Reihe der wichtigeren Zinnproduzenten aufsteigen. Die Statistik zeigt, dass derzeit größte Teile der weltweiten Zinnförderung durch Bergbauaktivitäten in Emerging Markets gewonnen werden. Das gilt allen voran für den asiatischen Raum. China hat, wie bei so vielen anderen Rohstoffen auch, hier die Rolle des Weltmarktführers mit knapp 44 Prozent Anteil am weltweiten Fördervolumen. Indonesien folgt auf Rang zwei mit weitem Abstand zu China und einem Weltmarktanteil von fast 18 Prozent. Kleinere Anteile zur asiatischen Zinnproduktion steuern Thailand sowie die Philippinen zu. Auf den Plätzen drei bis fünf liegen allerdings drei lateinamerikanische Ländern mit Peru, Bolivien und Brasilien, die zusammen insgesamt rund 26 Prozent der Weltmarktförderung auf sich vereinen. Von den großen Bergbau-Industrieländern spielt nur noch Australien mit knapp 3 Prozent Anteil am weltweiten Fördervolumen eine wichtigere Rolle.

Beim Abbau des Metalls ist vor allem ein Mineral von großer Bedeutung: Das Kassiterit, unter anderem auch als Visiergraupen, Zinnstein oder Holzzinn bezeichnet. Wichtige Lagerstätten finden sich vor allem in den Ländern, die auch bei der Zinnförderung ganz vorne stehen. Seine Bedeutung verdankt das Kassiterit vor allem dem hohen Zinngehalt, genutzt wird es allerdings neben der Rohstoffgewinnung auch als Schmuckstein. Das Mineral gilt als Konfliktmineral, es soll in Afrika bei der Finanzierung bewaffneter Konflikte eine Rolle spielen. Ein anderes Zinnmineral ist das Stannit, das oft untergeordnet neben Kassiterit zu finden ist und dessen Name sich von der lateinischen Bezeichnung für Zinn ableitet – Stannum, worauf auch das Kürzel „SN“ aus dem Periodensystem der Elemente zurück geht.

Wirtschaftliche Bedeutung des Zinns

Besonders an Zinn ist unter anderem seine Weichheit und vor allem sein niedriger Schmelzpunkt. Verbraucht wird es besonders in Asien, was allerdings kaum erstaunen kann. Der leicht überwiegende Teil der jährlichen Produktion von veredeltem Zinn geht in die Herstellung von Metalllegierungen. Eine der bekanntesten Anwendungen in diesem Bereich sind Materialien zum Löten, unter anderem in Zinnloten bzw. dem sogenannten Lötzinn. Je nach Zinngehalt werden die Zinnlote zu unterschiedlichsten Anwendungen genutzt, zum Beispiel zum Löten von Konservendosen oder auch dem Verbinden und verzinnen elektrischer Leitungen.

Vor diesem Hintergrund wundert es also nicht, dass Asien der wichtigste Verbraucher des Rohstoffes ist. Vor allem für Lötarbeiten in der Produktion elektronischer Bauteile wird Zinn eingesetzt. Somit findet sich das Metall unter anderem in Geräten aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik – und die werden nun einmal vor allem im asiatischen Raum gebaut. Die stark wachsende Branche hat auch für die weltweite Zinnnachfrage Impulse gesetzt und sollte dies auch in Zukunft tun.

Ein anderer wirtschaftlich bedeutender Bereich ist das Weißblech. Zu sehen ist dies vor allem an der englischen Bezeichnung für Zinn: Tin. Es ist kein Zufall, dass das Wort auch mit „Konservendose“ übersetzt werden kann. Darüber hinaus kommt das Schwermetall bei der Produktion von Chemikalien und Pigmenten zum Einsatz.

Indonesien als Unsicherheitsfaktor für das Zinn-Angebot

Der Zinnmarkt ist derweil durch ein Angebotsdefizit geprägt, was auch in der kommenden Zeit anhalten sollte. Zwar wächst die globale Nachfrage nach dem Metall aufgrund der wackeligen Situation einiger Volkswirtschaften nicht gerade stark, doch das gilt auch für das Zinnangebot. So rechnen unter anderem die Analysten bei BNP Paribas für das Jahr 2014 mit steigenden Preisen für den Rohstoff. Genannt werden 25.000 Dollar je Tonne als Kursziel für das Jahr 2014, was ein Anstieg um rund ein Zehntel gegenüber den Kursen Ende November darstellt.

Im laufenden Jahr solle das Angebotsdefizit beim Zinn rund 4.000 Tonnen ausmachen, so BNP Paribas. Ein Unsicherheitsfaktor ist dabei die Situation in Indonesien. Ein neues Handelsgesetz in dem asiatischen Land beschränkt den Export des Schwermetalls, was sich auf die am Markt verfügbaren Mengen angesichts der Bedeutung des Landes alles andere als positiv auswirkt. Vor allem China kauft in Indonesien ein, nachdem das Land einige Zinn-Produktionskapazitäten verloren hat. In der Region des Flusses Mekong wurde eine ganze Reihe von Zinnbetrieben aus Gründen des Umweltschutzes stillgelegt.