Kolumne von Björn Junker

Steuern und schwache Währung: Indien zeigt Gold temporär die kalte Schulter

Im Juni soll die indische Goldnachfrage eingebrochen sein. Doch das ist kein Grund zur Panik: Erstens wurde ein deutlicher Rückgang vorhergesagt und zweitens erwarten Experten wieder steigenden Goldkonsum in Indien.

Für die Nachfrage nach Gold ist traditionell das zweite Halbjahr wesentlich wichtiger als die ersten sechs Monate des Jahres. Das hat vor allem mit den zahlreichen großen Festen rund um den Globus zu tun. Das Edelmetall war und ist ein beliebtes Geschenk. Das gilt vor allem für Indien, weltweit der Goldkonsument Nummer eins.

Von dort aber kommen erst einmal Nachrichten über eine deutlich sinkende Goldnachfrage. Vorab: Ein solcher Einbruch wurde für die Juni-Zahlen erwartet. Inoffiziellen Angaben zufolge soll die Nachfrage von rekordhohen 162 Tonnen im Mai auf nur noch 31,5 Tonnen gefallen sein. Das ist noch etwas stärker, als von der All India Gems and Jewelry Trade Federation erwartet. Und es dürfte einer der vielen Gründe sein, warum sich der Goldpreis in den vergangenen Wochen schwach entwickelt hat.

Doch der Importeinbruch ist kein Grund zur Panik. Im Gegenteil: Ohnehin kam der Nachfragerutsch mit Ankündigung. Indien hat die Importzölle für Gold auf 8 Prozent angehoben. Was als Maßnahme zur Behebung des Leistungsbilanzdefizits geplant war, könnte sich angesichts des Nachfrageeinbruchs als Bumerang für den indischen Finanzminister Palaniappan Chidambaram und die Staatseinnahmen erweisen. Hinzu kommt die Schwäche der indischen Währung. Gegenüber dem Dollar verliert die Rupie an Wert, sodass sich der Goldpreis für den indischen Käufer selbst bei stagnierenden Unzenpreisen verteuert. Der jüngste Goldpreisrutsch hat für die Inder daher in Landeswährung auch kleinere Ausmaße.

Experten gehen ohnehin davon aus, dass sich die Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte deutlich erholen kann. Der wichtigste Grund sind die zahlreichen Feste, die anstehen und zu denen gerne Gold verschenkt wird. Und es könnte Nachholeffekte geben, nachdem die indische Regierung den Goldkauf in der letzten Zeit mehr und mehr erschwert hat. Dass der Goldpreis in Rupien ebenfalls gefallen ist, kommt den Käufern da vielleicht gerade recht, vor allem wenn die Feinunze eine längere Zeit auf den aktuell gedrückten Niveaus bleibt.

Für die Inder könnte die aktuelle Nachfrageschwäche dann doch eine entscheidende Folge haben. Das Land könnte 2013 seine Stellung als wichtigster Goldkonsument verlieren und an China abgeben, denn dort bleibt die Nachfrage stark. Im Mai hatte das Land den zweithöchsten Goldimport aller Zeiten über Hongkong zu verzeichnen. Im Fünfmonatszeitraum haben die Chinesen ihre Goldimporte auf 410 Tonnen gegenüber dem Vorjahr rund verdoppelt.

Vielleicht ändert die anstehende Festivitätensaison, insbesondere die Heiratssaison, die Lage ja wieder zugunsten von Indien. Und wer auf steigende Goldpreise setzt, dem dürfte ohnehin egal sein, woher die Nachfrage kommt – Hauptsache sie kommt.


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