Im August 2010 sorgte das Schicksal von 33 verschütteten Bergleuten in Chile weltweit für Aufsehen. Immer wieder kommt es bei der Gewinnung von Rohstoffen zu tragischen Unfällen, die teils auf mangelnde Sicherheitsmaßnahmen und teils auf Naturgewalten zurückzuführen sind.

Prinzipiell sind zwei Arten von Bergbau zu unterscheiden, der Tagebau und der Untertagebau. Im Tagebau werden oberflächennahe Bodenschätze gewonnen. Dabei ist zu beachten, dass der Tagebau ohne zusätzliche, regulierende Maßnahmen lediglich bis auf das Grundwasserniveau möglich ist, da die Tagebaugrube sonst mit dem Grundwasser volllaufen würde. Mit einem entsprechenden Grundwasser-Management kann eine Tagebaugrube aber auch deutlich tiefer ausgehoben werden. Im Tagebau besteht die Gefahr, dass es zu abrutschenden Hängen aufgrund von Bodenerosionen und Erdrutschen kommt. Dies kann im Extremfall dazu führen, dass eine Tagebaumine komplett aufgegeben werden muss, da kein sicherer Zugang zu dem Abbaugebiet gewährleistet werden kann. Riesige Tagebauminen sind die Super-Pit, die größte Gold-Tagebaumine in West-Australien oder die Chuquicamata-Kupfermine in Chile. Nun liegt die Chuquicamata-Mine in Chile in einer sehr trockenen Regionen (der Atacama-Wüste), so dass ein Durchweichen des Tagebaus mit anschließendem Erdrutsch und/oder Schlammlawine eher unwahrscheinlich ist. Jedoch befindet sich die Mine in einem hochgradig Erdbeben gefährdeten Gebiet, so dass die Gefahr besteht, dass es durch Erdstöße zu einem Bruch der Begrenzung des Tagebaus kommt. Dabei ist die Gefahr von Erdrutschen oder Steinschlägen umso größer, je steiler der Tagebau in die Erde getrieben wird. Bei der Chuquicamata-Mine ist der Tagebau bei einem Durchmesser von ca. 4km terassenförmig bis in eine Tiefe von ca. 1000m vorgedrungen. Ein weiteres Risiko geht vom Abbau der Rohstoffe und vom Betrieb der Mine aus. Da sich die abzubauenden Erze oft in hartem Gestein befinden, und nicht einfach (wie oftmals beim Kohle-Tagebau) mit dem Bagger abgetragen werden können, muss hier der Fels gesprengt werden. Durch diese Sprengungen kommt es nicht nur zum gewünschten „Abbrechen“ von Felsen im Bereich des Abbaugebietes, sondern als unerwünschter Nebeneffekt zu einer Schwächung der umliegenden Gesteinsschichten. Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Risiko liegt in den bis zu 600t schweren Schwerkraftwagen (Mining-Trucks). Fährt ein vollbeladener Truck über die Rampen des Tagebaus, so wird die Fahrbahn durch die Last des Schwerkraftwagens zusammengedrückt und entspannt sich nachdem der Truck diese Stelle verlassen hat, wieder. Dabei kommt zu einer mikroskopischen Schädigung der Oberfläche, welche den Ausgangspunkt für eine Rissbildung darstellt. Dieser Riss kann nun mit jedem Lastspiel, d.h. jedes Mal wenn ein weiterer Truck über diese Stelle fährt, weiter wachsen, bis der Untergrund der Last nicht mehr gewachsen ist und der Riss zu einem Bruch führt.

Im Untertagebau besteht zunächst immer die latente Gefahr, dass der Tunnel (teilweise) einstürzt und den Zugang bzw. Ausgang zur Mine unmöglich macht. Ein solcher Einsturz wurde auch den 33 chilenischen Bergarbeiter im August 2010 zum Verhängnis. Zwar lässt sich durch bauliche Maßnahmen das Risiko minimieren (immerhin werden in der hochgradig erdbebengefährdeten Metropole Tokyo Straßen und U-Bahn Tunnel gebaut, die selbst starken Erdbeben standhalten. Jedoch werden im Untertagebau nicht nur Tunnel gebaut, sondern größere Hohlräume (Hallen) ausgebaut. Jedoch ist der Einsturz nicht das einzige Risiko im Untertagebau. Aus dem Kohlebergbau ist bekannt, dass die Grubenarbeiter Kanarienvögel mit Untertage nahmen. Der Kanarienvogel wurde als Frühwarnsystem eingesetzt, da der Vogel extrem sensibel auf austretendes Grubengas reagiert. Diese Vögel dienten (bevor diese Aufgabe durch moderne Prüftechnik übernommen wurde) als „Alarmanlage“ gegen Sauerstoffmangel. Ferner kann es beim Untertagebau zu Staubexplosionen und zu Grubenbränden kommen. Solche Brände können als Schwelbrände über mehrere Jahre, Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte anhalten, wobei die freigesetzten giftigen Gase meist gefährlicher sind als der Brand selbst. Eine weitere Gefahr betrifft den Wassereinbruch in einen Untertagebau. Weil die Stollen des Untertagebau meist deutlich unter den Grundwasserspiegel getrieben werden, ist im Untertagebau ein entsprechendes Wasser-Management notwendig. Kommt es bei einer Untertage-Mine zu einem Unglück, wie im August 2010 in Chile, so ist die Rettung der Bergleute meist sehr aufwendig und wird zum Wettlauf mit der Zeit. In Chile konnte sie gelingen, weil es Versorgungsbohrungen gab, über welche die Bergleute relativ kurze Zeit nach dem Unglück mit Wasser und Lebensmitteln versorgt werden können, und weil sich die Schäden auf einen Einsturz eines Tunnels (ohne Austritt von giftigen Gasen oder Ausbruch von Feuer) beschränkten. Die Arbeiter konnten sich in einer Halle des Bergwerks in Sicherheit bringen, und letztlich nach 69 Tagen aus 700m Tiefe gerettet werden. Aber nicht nur im Bergwerk selbst lauern Gefahren, sondern auch bei der Verarbeitung. und Aufbereitung der Erze. Gestern ereignete sich auf der drittgrößten Kupfermine Collahuasi in Chile ein folgenschweres Unglück. Auf der von Anglo American und Xstrata betriebenen Mine starb ein Arbeiter aufgrund eines Unfalls in einer Laugungsanlage der Mine, wobei eine Pumpe der Laugungsanlage geplatzt ist. Der Minenbetrieb ruht vorläufig, bis die Ursachen ermittelt sind und die Produktion wieder freigegeben werden kann.

Obwohl es bei den Streiks auf den südamerikanischen Kupferminen meist um das Einkommen der Bergleute geht, sollten die Bergbau-Gesellschaften in ihrem eigenen Interesse die bestmögliche Sicherheit der Minen zum Ziel machen und sich nicht nur mit dem erfüllen der gesetzlichen Mindeststandards zufrieden geben. In diesem Sinne „Glück auf“

Ihr Manuel Giesen