Wolfram ist ein Schwermetall, welches von allen Metallen den höchsten Schmelzpunkt und den zweithöchsten Siedepunkt aufweist. Unter Normalbedingungen schmilzt elementares Wolfram erst bei 3422°C, seine bekannteste Verwendung fand Wolfram in den Glühwendeln von Glühbirnen. Was passiert nun mit der Wolframnachfrage, nachdem die klassischen Glühlampen weitestgehend vom Markt verschwunden sind und durch Energiesparlampen und LED-Lichter verdrängt werden?

Nun, Wolfram (in der Englisch sprachigen Literatur als Tungsten bezeichnet) wird weiterhin überall dort eingesetzt, wo es auf hohe Festigkeit bei hohen Temperaturen ankommt. Bei klassischen Glühbirnen machte man sich die Eigenschaft von Wolfram zu Nutze, dass Wolfram im Vergleich zu anderen Metallen (wie Aluminium oder Kupfer) einen relativ hohen Leiterwiderstand aufweist. Dadurch erhitzt sich die Glühwendel durch den elektrischen Widerstand so stark, dass der Wolframfade zu glühen beginnt und das klassischen „Lampenlicht“ emittiert, während die im Leitungsquerschnitt deutlich dickeren Leitungen zum Glühwendel aus den klassischen Leitermetallen weitestgehend kühl bleiben.

Wolfram bildet mit Kohlenstoff sehr harte Wolframcarbide, welche auch als Schneidwerkstoff eingesetzt werden. Als Legierungsmetall im Stahl bindet das Wolfram den im Stahl gelösten Kohlenstoff an sich und bildet Wolframcarbide, welche die Härte des Stahls erhöhen.

Aufgrund des hohen Schmelzpunktes wird Wolfram dort eingesetzt, wo andere Werkstoffe entweder bereits schmelzen, oder so weich werden, dass sie ihre Funktion nicht mehr erfüllen können. Typische Anwendungsfälle sind der Heißgas-Trakt von Gasturbinen (beispielsweise bei Flugzeugtriebwerken) oder die Verwendung in Glühkerzen von Dieselmotoren. Aufgrund seiner hohen Dichte (fast so hoch wie die von Gold oder Platin) und seiner gleichzeitigen Härte findet Wolfram auch in der Rüstungsindustrie Verwendung, sowohl in Panzerungen, als auch in panzerbrechender Munition. Auch für die nicht ganz so gesetzestreuen Zeitgenossen ist Wolfram eine Versuchung, sind doch goldummantelte Wolframkerne auf den ersten Blick echten Goldbaren zum Verwechseln ähnlich…

Problematisch bei Wolfram ist sicherlich, dass auch (wie bei den Metallen der seltenen Erde) mehr als 80% der weltweiten Förderung auf China entfallen. Zwar ist die Abhängigkeit hier nicht ganz so hoch wie bei den Metallen der seltenen Erde, aber auch hier können die Chinesen mit ihrem Förderanteil weitestgehend die Preise diktieren. Weitere bedeutende Förderländer sind die Russische Förderation, Kanada, Österreich und Portugal, mit nur ca. 20% des Fördervolumens sind diese Länder jedoch weitestgehend dem chinesischen Preisdiktat unterworfen.

Ihr Manuel Giesen