Heimholaktionen sind in den letzten Jahren Brauch geworden, und von etlichen Ländern gingen diese Bestrebungen mit lautem Getöse durch die Medien. Die Gründe für die Zentralbanken weltweit waren immer die gleichen: Furcht vor einem Absturz des US-Dollars und Wertesicherung vor einem allumfassenden Wirtschaftscrash.

Die deutsche Rückholaktion ihrer Goldreserven von der Bank of England (BoE) und von der U8 (Federal Reserve Bank Of New York) ist noch gut in Erinnerung. Doch werden, wie auch die Aufstockungen der Goldreserven in Russland und China, niemals große Mengen verschoben, die Gefahr einer Panik im Finanzsystem wäre zu groß. So werden eben über Jahre immer nur kleinere Mengen auf ihre angestammten Plätze zurückgeholt oder über Käufe aufgestockt.

Chinas Gouverneur der Volksbank Chinas (PBOC) hatte bereits 2004 die bedeutende Rolle von Gold, und somit Chinas Trend zum Goldkauf, in einer Aussage klar ausgedrückt. „Dieses Edelmetall ist Geld und zugleich Finanzrohstoff“.

Ruhig hingegen war es diesbezüglich um die österreichischen Goldreserven bestellt. Aber auch Österreich hat begonnen seine Edelmetallreserven teilweise ins Land zurück zu bringen. Dies geht aus einem Interview hervor, das der Direktor der Österreichischen Nationalbank, Peter Mooslechner, anlässlich der LBMA Konferenz im Oktober 2015 in Wien gab.

In diesem Interview wurde er einleitend über die Rolle des Goldes aus seiner Sicht gefragt.

Mooslechner: „Ich denke hier gibt es Unterschiede. Für eine kleine Zentralbank, wie wir es sind, und als Partner im Eurosystem, dem wir seit Jahren angehören, hat sich die Rolle des Goldes geändert. Während der Periode des Bretton Wood Systems hatte Gold eine bedeutende Rolle. Auch für uns im Reservenmanagement. Jetzt, als Teil einer viel größeren Kapital- und Wirtschaftsregion, stellt es mehr einen Basiswert in der Reservenbildung dar, quasi ein Liquiditätspuffer aus Sicherheitsgründen. Aber nicht mehr so stark als aktiver Teil der Reservenpolitik.“

Interessant. Mooslechner wertet Österreichs 280 Tonnen Gold zu einem Basiswert im Reservenmanagement ab. Auch wenn dies so in den Reserveregularien des IMF verzeichnet steht. Aber auch dort steht Gold an erster Stelle aller Reservenwerte.

Doch weiter im Interview. Mooslechner wurde gefragt ob Österreich Pläne habe seine Goldreserven auszubauen. Letzten Schätzungen zufolge betrügen die 43,9%.

Mooslechner: „Wir denken nicht, dass wir unsere Reserven erhöhen müssen, denn wir sind Teil der größeren Kraft des Eurosystems und der Europäischen Zentralbank.Aber wir haben im letzten …ähh…Strategiedokument beschlossen, den Reserveanteil an Gold in gleicher Höhe zu belassen.“

So wie es aussieht scheint Österreichs Goldpolitik in einem Strategiedokument niedergeschrieben zu sein. Stellt sich allerdings die Frage ob diese Inhalte, sollte es dieses Papier überhaupt wirklich geben, auch öffentlich zugängig wären. Eher unwahrscheinlich.

Auf die Frage, warum man beschlossen habe rd. 50% der 280 Tonnen in Österreich zu halten, antwortete er: “Die österreichische Nationalbank holt Gold von der BoE zurück aus Gründen der Risikostreuung und wir wollen etwas mehr Richtung Diversifikation gehen. Damit geht auch einher, die Lagerung in der Schweiz etwas aufzustocken. (dzt. nur 6,85 Tonnen)“

Dabei betonte er im gleichen Interview dass London der beste Platz für Goldlagerungen sei. Aktuell lagern (Stand2013) 178,3 Tonnen bei der BOE während in Österreich selbst insgesamt nur 22,05 Tonnen liegen. Angedacht ist die Rückführung in den nächsten 5 Jahren durchzuführen. Wenn also in Österreich 50% der gesamten Goldreserven liegen sollen und die Schweizer Lager ebenfalls aufgestockt werden sollen, so ist mit einem Abfluss aus London von zumindest 120 Tonnen zu rechnen.

Als Nebengrund wäre noch anzuführen, dass es Differenzen mit London gab, als man den Goldbestand besichtigen wollte und dies fehlschlug. Man sah darin eine vertragliche Formulierungsschwäche und entschloss sich sicherlich auch dadurch zu dieser Heimholaktion in den kommenden 5 Jahren. Verfolgt man die Geschichte, so war bereits 2009 als Reaktion auf die Krise die Heimholung seitens der Nationalbank beschlossen worden und nicht erst seit der Verstimmung mit London 2013. Mooslechner benutzte dieses Londonerlebnis eigentlich nicht als Argument. Dafür im Interview nur die Ausrede der Risikostreuung.

Erinnert man sich zurück an das Jahr 2011, als Deutschland versuchte das Landesgold in den USA und England zu besichtigen, und ebenfalls an den „Besuchsrechten“ gescheitert war, so sind die Parallelen zu Österreich und England sehr auffällig.

Möge der Direktor der österreichischen Nationalbank, Peter Mooslechner, Recht haben mit seiner Meinung, dass Gold in einer wachsenden europäischen Wirtschaft nicht so sehr eine dominante Rolle bei den Reserven spielen wird, und er daher keine Aufstockung für nötig erachtet. Bei dieser Einstellung kann man nur hoffen dass Österreich im Falle einer wirtschaftlichen Schieflage in Europa einen richtigen Weg finden wird für die Beurteilung der richtigen Goldmengen und wo sie zu lagern wären. Dieses Interview zeigte jedenfalls keine klar begründete Linie der österreichischen Nationalbank auf. Ein Stil, der einen aufmerksamen Beobachter zum Nachdenken bewegt