Chinas Bestrebungen zur Weltmacht Nr. 1 aufzusteigen sind unübersehbar. Aber auch, dass sie anstreben den Yuan als praktikable Alternative zum US-Dollar zu etablieren. Doch welche Rolle spielt Gold dabei?

Fassen wir einmal folgende Fakten zusammen: China ist seit 2010 die Weltmacht Nr. 2 mit aufsteigender Tendenz. Seit April 2009 hat der Staat seine Goldreserven bis Ende 2014 auf 3.510 Tonnen um rd. 300% gesteigert und rangiert hier nach der USA, die 8.133 Tonnen besitzt, ebenfalls bereits auf dem zweiten Platz.

Bart Melek von TD Securities stellt ein wichtiges Argument in den Raum: „Wenn du dich anschickst dich als weltweite Reservewährung zu etablieren, dann musst du andere Werte zur Verfügung haben als ausschließlich Papiergeld ohne Deckung“. Das führt natürlich zu der Spekulation, dass Chinas Goldhunger nicht unbegründet ist, denn immerhin halten sie 3.700 Milliarden als Fremdwährungsreserven, überwiegend davon als US-Dollar. Dieser riesige Berg an gehaltenen Fremdwährungsreserven hat sich im letzten Jahrzehnt verfünffacht! Grund genug für China, sich über eine Diversifikation Gedanken zu machen.

Doch, geht es nach Yi Gang, Gouverneur der chinesischen Zentralbank, ist es nicht so einfach, denn mehr als lediglich 2% der gehaltenen Fremdwährungsreserven können derzeit nicht durch Gold bedeckt werden. Der Markt dafür wäre einfach zu eng.

Um nun den chinesischen Yuan als starke Währung auf den internationalen Finanzmärkten zu etablieren, bedarf es neben Gold auch anderer werthaltiger Rücklagen. Denn China schickt sich an in den Währungskorb des „Internationalen Währungsfonds“ aufgenommen zu werden. Dieser umfasst derzeit die Währungen US-Dollar, Euro, Yen und das britische Pfund. Vorentscheidungen diesbezüglich werden im Laufe des Mais erwartet, spätestens jedoch nach den Sitzungen im Oktober 2015.

Noch eine Bemerkung zum internationalen Währungsfond. Die Gewichtung der Währungen innerhalb des Währungskorbes sieht den US-Dollar mit 63% als stärksten Part, gefolgt vom Euro mit 22%. Auch hier sieht man die Dominanz des USD, aber auch in den Zahlungsmengen am internationalen Markt. Werden derzeit rd. 43% aller weltweiten Zahlungen über den US-Dollar abgewickelt, so hinkt der chinesische Yuan hier mit rd. 1,8% noch weit hinterher. Der Grund dafür liegt in der momentanen Gesetzgebung, die vorsieht, dass Gelder ins Ausland und Einfuhren ins Land nur in begrenzten Mengen und über bestimmte Programme möglich ist. Und dies hemmt derzeit natürlich die freie Handelbarkeit der chinesischen Währung extrem. Wie sich die Gesetzgebung in dieser Beziehung entwickeln wird, ist jedoch noch offen, aber man darf annehmen, dass die Politik parallel zu den Bemühungen in den internationalen Währungskorb aufgenommen zu werden, auch hier Erleichterungen einfallen lassen wird. Denn sonst würde der Vertrauensaufbau in die chinesische Währung nicht wirklich funktionieren. Dann würde nämlich die Diversifizierung der Währungsreserven nicht den gewünschten Effekt erzielen.

Zurück zum Gold. China ist mittlerweile, hinter Indien, nicht nur bereits der zweitgrößte Goldkäufer sondern auch die Nation, die das meiste Gold produziert. Mit 430 Tonnen im Jahr 2013 und 450 Tonnen im Jahr 2014 steht China mit weitem Abstand an der Spitze aller Gold produzierenden Länder.

Internationale Experten erwarten allerdings für das heurige Jahr keine großen Zuwächse bei den Goldreserven. Der Grund liegt im gestiegenen Dollarwert, der natürlich auch die Währungsreserven Chinas aufwertet, anderseits auch im gefallenen Wert des Goldes. Jedoch sind diese Begründungen vorerst nur für das Jahr 2015 gültig, in dem auch noch die Zinsanhebung durch die FED im Raum schwebt, die ebenfalls negativ auf den Goldpreis wirken sollte.

Aber schauen wir einmal über den Tellerand hinaus und summieren die Bestrebungen Chinas in letzter Zeit:

Die verstärkte Positionierung der Goldbörsen in Shanghai – alle Goldkäufe haben über diese Börse abgewickelt zu werden – und Hong Kong deuten auf einen sich verstärkenden Goldmarkt in China. Dies gilt sicher nicht nur für die Schmuckindustrie.

Die Bestrebungen zur Aufnahme in den internationalen Währungsfond bedingen im Hintergrund Diversifizierungen der Währungsreserven. Unter Anderem natürlich auch in Gold. Auch wenn bis jetzt, aufgrund des engen Marktes, nur 2% Golddeckung der Währungsreserven möglich, bzw. vorgesehen sind, so lässt der Gegenwert noch viel Platz für weitere Goldkäufe. Und dass China bemüht sein wird, die 2%-Hürde nach oben zu durchbrechen, ist in Anbetracht der angepeilten weltweiten Vormachtsstellung, ebenfalls zu erwarten.

Seit 2013 sieht man China verstärkt auf Einkaufstour bei Goldproduzenten. Wohl mir der Absicht, den Landeshunger an Nachschub direkt an der Quelle zu sichern, und gleichzeitig über die Bezahlung in USD die Währungsreserven abzubauen.

Fazit

Auch wenn China offiziell „nur“ 3.510 Tonnen an Goldreserven besitzt, so erkennen wir aus all den Argumenten, dass die Erhöhung der Goldreserven nur eine Frage der Zeit ist. Interessant wird es allerdings, wenn die FED tatsächlich zur geplanten Zinserhöhung greifen sollte. Welche direkte Auswirkungen dies auf den Dollar und den Goldpreis haben wird, bleibt abzuwarten. Vieles dürfte jedoch heute bereits im Goldkurs eingepreist sein. Zwar würde ein stärkerer US-Dollar den Wert der chinesischen Währungsreserven positiv beeinflussen, aber langfristig halten wir den US-Doller für stark korrekturbedürftig. Dies schon alleine deshalb, da die offiziellen Fortschrittsmeldungen nicht mit der Wirtschaftsentwicklung und der Vermögensentwickllung der Bevölkerung überein stimmen. Laut Universitätsberichten bröckelt der amerikanische Mittelstand langsam aber sicher ab, was nicht auf eine gesunde Wirtschaft hindeutet.

Sollte China tatsächlich Aufnahme in den internationalen Währungsfond finden, so muss sich das Land von den Weichwährungen des Korbes abheben um an Macht zu gewinnen. Dies funktioniert aber nur mit werthaltigen Bedeckungen der Landeswährung. Neben anderen Assetklassen erwarten wir hier eine stabile weitere Zunahme der Goldkäufe, speziell ab dem Zeitpunkt, wo die amerikanische Währung wieder korrigieren wird. Und die Disparität zur Wirtschaftsleistung wird dazu führen. Um diese Vorhaben leichter umsetzen zu können, und auch den Devisenhandel zu erleichtern, rechnen wir mit dementsprechenden gesetzlichen Massnahmen im Laufe des heurigen Jahres. China wird reagieren müssen, wollen sie ihre Währung als gesunde Währung auf den Finanzmärkten etablieren. Und Gold wird dabei eine wichtige Rolle spielen, denn Gold hat in China schon traditionell die Macht besessen Stärke zu demonstrieren.

Ungeachtet der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Chinas weisen die Bestrebungen des Landes auf eine „goldträchtige“ Zukunft hin. Die ab 2016 zu erwartenden rückläufigen Goldproduktionen geben Gold die langristige Chance auf einen kräftigen Rebound zu neuen Höhen. Und wir sind sicher, dass dies die Strategen der chinesischen Regierung ebenfalls bereits wissen. Eine damit verbundene Erhöhung ihrer Reservenwerte würde die Bedeutung auf den internationalen Finanzmärkten weiter festigen.

Das „Geheimnis“, das heute noch über Chinas Bestrebungen, auch in Verbindung mit Gold, besteht, sollte sich somit im Laufe des heurigen Jahre lüften. Noch gibt es keine offiziellen Stellungnahmen der Regierung über all das, was in diesem Bericht angeführt wird. Aber dass China bestrebt ist zur weltweiten Nummer 1 zu wachsen ist Fakt. Die dafür nötigen Wege werden wir bald erkennen können und wir sind sicher, dass dies gut für Gold sein wird.

Quelle: http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-04-20/mystery-of-china-s-gold-stash-may-soon-be-solved-as-imf-beckons