Ist Gold derzeit billig, nachdem es seit dem Jahr 2011 weit von seinem Allzeithoch bei 1.921 Dollar zurückgefallen ist? Oder ist Gold teuer, wie es derzeit einige Goldbären weiter behaupten und unter anderem auf das Ende der sehr expansiven Notenbankpolitik in den USA, das sogenannte „Quantitative Easing“, kurz QE, verweisen? QE gilt als ein wesentlicher Faktor der Preishausse an den Börsen, vor 2011 vor allem für den Goldpreis, seit 2011 unter anderem für den Aktienmarkt.

Der Liechtensteiner Vermögensverwalter Incrementum AG gehört Zweifels ohne zu den Goldbullen unter den Börsianern. Die Kapitalmarktexperten sind Anhänger der sogenannten „Österreichischen Schule“, einer volkswirtschaftlichen Denkrichtung, die im Zuge der jüngsten Kapitalmarktkrise eine steigende Anhängerschaft verzeichnet und im Gegensatz zu keynesianischen Theorien steht. Einer der größten Kritikpunkte, die von den „Österreichern“ kommt, bezieht sich auf das monetäre System und dessen Möglichkeit, ungedeckt aus dem Nichts Geld zu schöpfen.

Kein schmerzloser Ausweg aus den Problemen des Geldsystems

Übersetzt auf aktuelle wirtschaftliche Ereignisse der vergangenen Jahre heißt dies: Eine solche „Perpetuum Mobile“ artige Dynamik, wie sie derzeit zum Beispiel die US-Notenbank mit ihren QE-Programmen und der daraus entstehenden Flut ungedeckten Geldes in der Wirtschaft zu erzeugen versuche, sorgt kurzfristig vielleicht für gute Laune wie der Genuss von Süßigkeiten. Der große Kater komme anschließend aber bestimmt, kommentieren die Incrementum-Experten.

Gold Silver Convertability

Quelle: Incrementum AG

Incrementum fasst die Konsequenzen dieser Kritikpunkte in einer klaren Forderung zusammen. Das weltweite Geldsystem benötige einen neuen Anker – Gold. Zugleich warnt man: Einen schmerzlosen Ausweg aus dem heute bestehenden Dilemma gibt es nicht mehr.

Letzteres hat viel mit der Politik zu tun. Politiker scheuen nach Meinung der Incrementum-Experten die dringend notwendigen Reformen, die Probleme lösen könnten. Es ist eine Frage des Machterhalts, denn diese Reformen, die unter dem Stichwort Austeritätspolitik schon länger in der öffentlichen Diskussion stehen, sind politisch ungeliebt. Die Liechtensteiner bringen dies auf einen Satz: Austerität biete die Sicherheit, Wahlen zu verlieren, glauben die Experten. Grundsätzlich trifft dies zu, Deutschland muss man dann allerdings mit Blick auf die Ergebnisse der Bundestags- und Europawahlen und das Abschneiden der CDU als Ausnahme ansehen. Der Blick auf die Umfragen und Wahlen aber wird Politiker grundsätzlich im Zweifel davon abhalten, wirkliche Einschnitte vorzunehmen.

Inflationäre Tendenzen setzen sich durch

Das hat angesichts der Liquiditätsflut, die die Notenbanken derzeit über die Kapitalmärkte ergießen, aber schwerwiegende Folgen. Incrementum rechnet damit, dass sich als Folge der nur schleppenden und unzureichenden Reformen und der Notenbankpolitik inflationäre Kräfte durchsetzen werden. Statistisch lässt sich dies gut belegen: Die monetäre Basis, die Bilanzsummen der Notenbanken, unter anderem der Fed, wachsen rasend schnell. Zuletzt wuchs die Fed-Bilanzsumme sogar schneller als beispielsweise der S&P500. Doch die Fed nimmt bei der Ausweitung ihrer Bilanz und damit der monetären Basis gar nicht mal die Spitzenposition ein: Auf dem „Treppchen“ finden sich in der Entwicklung zwischen 2002 und 2014 die Notenbanken Chinas, Großbritanniens und der Schweiz ganz oben.

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Quelle: Incrementum AG

Im Vergleich zu den zweistelligen Zuwachsraten der Zentralbankbilanzen steht beim Gold im gleichen Zeitraum ein mickriges Plus von 1,5 Prozent pro Jahr. Die Statistik zeigt: Das Edelmetall ist in den vergangenen mehr als zehn Jahren im Vergleich zur monetären Basis deutlich knapper geworden. Lange Zeit, genauer gesagt bis zum Jahr 2011, hat dieser Faktor für den stark steigenden Goldpreis gesorgt. Seit 2011 geht die Entwicklung allerdings auseinander.

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Quelle: Incrementum AG

Seit 2011 läuft gesunde Konsolidierung beim Goldpreis

Die Konsolidierung, die der Goldpreis seitdem durchmacht und die zu einer Abwärtsbewegung von 1.921 Dollar auf 1.180 Dollar geführt hat, sei gesund, glauben die Analysten bei Incrementum. In dem Zusammenhang darf man natürlich nicht vergessen: Obwohl der Goldpreis deutlich gefallen ist, wurden nur Teile der vorherigen Hausse kompensiert. Dennoch war es eine der größten Abwärtsbewegungen, die das Edelmetall je durchmachen musste.

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Quelle: Incrementum AG

Die Korrektur hat dafür gesorgt, dass Gold nun wieder vergleichsweise billig ist, kommentieren die Analysten. Dies gilt allerdings nicht optisch, hier mag die Feinunze mit Kursen im deutlich vierstelligen Bereich einigen immer noch überteuert erscheinen. Doch im Vergleich zur monetären Basis ist Gold nicht nur billig, sondern auf einem Allzeittief, so Incrementum. Das gelte auch im Vergleich zu anderen Assetklassen. Die Experten stufen diese Bewertung als eine Anomalie ein, die nicht lange anhalten wird. Tatsächlich sehe man aktuell ein Chance-Risiko-Verhältnis, das klar für ein Investment in das Edelmetall spreche. Die Chancen überwiegen die Risiken deutlich, so Incrementum.

Goldpreis hat Aufwärtspotenzial

Am Markt sieht man verschiedene Hinweise, dass das Tal für den Goldpreis durchschritten sein könnte. Das wird nicht nur auf die unübersehbaren politischen und monetären Risiken zurückgeführt, die bereits ausführlich beschrieben wurden. Auch viele „weichere Faktoren“ lassen den Schluss zu, dass der Goldpreis wieder klettern könnte. Incrementum nennt hier zum Beispiel die jüngste relative Stärke der – zuvor allerdings enorm stark gefallenen – Goldaktien. Auch für diese Papiere sieht man derzeit deutlich mehr Chancen als Risiken. Zudem sei das Sentiment am Markt für Gold weiterhin sehr schlecht, was aus antizyklischer Sicht natürlich für ein Engagement in dem Edelmetall sprechen würde. Auch Marktdaten wie die CoT-Daten vom Terminmarkt seien klar positiv.

Die Incrementum-Experten gehen in ihren Schlussfolgerungen davon aus, dass sich der Goldpreis in der Nähe des Endes seiner langen Konsolidierungsbewegung befindet. Ein stabiler Boden sei bereits vorhanden, heißt es in der aktuellen Studie der Liechtensteiner zum Goldpreis. Incrementum rechnet auf Zwölfmonatsbasis mit einem Anstieg auf 1.500 Dollar je Unze, langfristig sieht man 2.300 Dollar als Kursziel – das Kursziel liegt deutlich über dem bisherigen Allzeithoch des Edelmetalls. Ein inflationäres Umfeld würde dem Goldpreis dabei deutlich helfen, sich gegen andere Assetklassen durchzusetzen.

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Quelle: Incrementum AG