Um die Rohstoffbestände, die in China lagern, werden teils große Geheimnisse gemacht. Wohl die halbe Börsenwelt wüsste zum Beispiel gerne, welche Goldvorräte sich in den Tresoren der chinesischen Notenbank befinden. Doch nicht immer sind die Geheimnisse um die Rohstoffmengen staatlich gemacht – so wie beim Kupfer. Experten vermuten seit langem, dass eine größere Menge Kupfer in einer Art „Schatten-Finanzmarkt“ zu finden ist. Dort dient das Industriemetall als Sicherheit für Finanzierungen.

Genau diese Bestände könnten dem Kupferpreis nun um die Ohren fliegen, denn die jahrelange Finanzierungspraxis auf Basis von Kupfer-Lagerbeständen steht stark unter Druck. Die Margen erodieren, wie es am Markt heißt. Viel wichtiger aber noch: Die chinesischen Behörden nehmen das Schattenbanksystem, in dem solche Finanzierungsdeals abgewickelt werden, an die kurze Leine. Untersuchungen werden eingeleitet, der Druck der Behörden wächst – man will wesentlich bessere Transparenz im Dickicht des chinesischen Bankensystems schaffen.

Riesige Schatten-Bestände von Kupfer in China

Für den Bankenmarkt mag dies eine wichtige, positive Entwicklung sein. Für den Kupfermarkt ist dies eine Bedrohung, vor allem für den Kupferpreis. Nicht umsonst ist dieser in den vergangenen Tagen deutlich unter Druck geraten. Von 3,19 Dollar ging es für den Kupferfuture nahezu ungebremst binnen weniger Tage auf knapp 3,02 Dollar nach unten – das klingt nur auf den ersten Blick nach wenigen Cent, um die der Preis gefallen ist. Tatsächlich aber ist dies eine Kursbewegung, die auch der volatilere Kupferpreis nicht jeden Tag erlebt.

Es könnte allerdings noch schlimmer kommen: Die Experten bei Capital Economics schätzen, dass in China für die „Schattenkredite“ rund 700.000 Tonnen Kupfer eingelagert sind. Fallen diese Finanzierungen weg, besteht keine Notwendigkeit mehr, diese Bestände weiter zu halten und einzulagern. Stattdessen wäre ihr Verkauf vorprogrammiert. In einem solchen Szenario würden enorm hohe zusätzliche Kupfermengen in China auf den Markt geraten. Haben die Experten bei Capital Economics mit ihrer Schätzung des Lagervolumens recht, wäre es fast die komplette Importmenge zweier Monate, die zusätzlich in den Markt kommt. Hier darf man dann nicht vergessen, dass China der mit weitem Abstand wichtigste Nachfrager am Kupfermarkt ist.

Werden die Kupferbestände bereits aufgelöst?

Dabei scheint es durchaus möglich, dass sich Vorboten dieser drohenden Kupferschwemme in China bereits ankündigen. Zuletzt waren die Importmengen des Landes überraschend stark gefallen. Der chinesische Zoll bezifferte das Minus für den Mai auf 15,6 Prozent, das Importvolumen lag bei 380.000 Tonnen. Begründet wurde dies von Händlern mit dem angeblich hohen Preisniveau für Kupfer am Londoner Markt.

Doch ist das wirklich der Grund? Man darf angesichts der Enthüllungen um die Kupfer-Kredite in China daran zweifeln. Für die Experten bei Capital Economics steht jedenfalls fest: Der angeblich enge Markt beim Kupfer ist ein Märchen.