Immer mehr Experten wundern sich über die enormen Mengen physischen Goldes, die nachgefragt und auch geliefert werden. Vor allem nach Asien, wo insbesondere China das Edelmetall aufsaugt wie ein Schwamm das Wasser. Allein über Hongkong hat das asiatische Land im vergangenen Jahr rund 1.000 Tonnen eingeführt. Hinzu kommen andere Importwege und die Inlandsproduktion. Bud Conrad, Chefökonom vom Casey Research, schätzt den Gesamtvolumen an Gold, das China im vergangenen Jahr an sich gerissen hat, auf rund 2.430 Tonnen.

Conrad glaubt, dass allein die chinesische Notenbank ihre Goldbestände auf rund 6.000 Tonnen aufstocken will. Die Währungshüter des Landes wollen hier mit anderen Industrienationen „Waffengleichheit“ erzeugen und den Renminbi als wichtige Weltwährung etablieren – dafür benötigen sie wesentlich höhere Goldbestände als die Jahre alten Werte, die bisher bekannt sind. Wenn der Markt erfährt, wie viel Gold China wirklich jetzt schon hortet, wäre das Sprengstoff für den Dollar und könnte die US-Leitwährung destabilisieren.

Schon länger geht daher ein Gerücht am Markt um, dass Gold vor allem in der ersten Jahreshälfte 2013 gezielt gedrückt wurde, und zwar über den Terminmarkt. Hier wurde mit enormen Volumen über Shortpositionierungen auf den Goldpreis eingeprügelt. Wie stark das Volumen ist, verdeutlicht ein Vergleich: An der COMEX zum Beispiel wird mehr als das Hundertfache der Goldlagerbestände gehandelt.

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Quelle: Casey Research

Zugleich sind die Goldlagerbestände der COMEX enorm abgeschmolzen. Interessant: Dieser Trend beginnt nicht erst mit dem Goldpreispeak im Jahr 2011, sondern schon Jahre früher. Auffällig ist aber, dass die Abnahme der Bestände 2013 geradezu in Rekordgeschwindigkeit vonstatten ging. Zugleich gehen schon seit langem Gerüchte um, dass einige Notenbanken gezielt Goldbestände in den Markt verleihen. Offiziell bestätigt dies natürlich niemand, doch Hinweise existieren. So trifft zum Beispiel die Bundesbank bei der geplanten Umlagerung von Goldreserven aus den USA nach Deutschland auf unerwartete Hindernisse und Verzögerungen.

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Quelle: Casey Research

Allerdings haben sich in den vergangenen Wochen interessante Dinge ereignet, die ein wichtiger Hinweis auf einen großen Preisumschwung am Goldmarkt sein können. Laut Daten der US Commodity Futures Trading Commission sind die größten Banken nach hohen Shortpositionen in den Vorjahren im Jahresverlauf 2013 auf die Longseite gewechselt. Interessanterweise korrespondiert dieser Umschwung recht gut mit der Stabilisierung des Goldpreises. Ein anderes Beispiel ist JP Morgan, einer der wichtigsten Player im Goldmarkt. Lange Zeit hatte die Bank Gold in den Futuresmarkt verkauft. Im Dezember hat sich dieses Blatt komplett gewendet, in den Monaten zuvor hatte sich diese Wende bereits angekündigt, wie diese Grafik zeigt.

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Quelle: Casey Research

Conrad rechnet damit, dass hier ein massiver Umschwung bei der Positionierung dieses „big players“ stattgefunden hat. Ein Grund für das Umdenken könnte sein, dass sich nach dem Preissturz nun mehr und mehr abzeichnet, wie knapp Gold ist – und in solch einer Situation wäre es extrem gefährlich, zu stark short zu sein. Dagegen scheinen JP Morgan und auch die anderen großen US-Banken auf einen Rebound des Goldpreises zu setzen. Für die Feinunze sind das exzellente Nachrichten. Die Charttechnik hat sich ohnehin bereits deutlich stabilisiert. Möglich also, dass wir gerade mitten in der großen Umschwungphase stecken, nachdem der Goldpreis zuvor von 1.921 Dollar auf 1.180 Dollar abgestürzt war.