Der aktuelle Silver Market Review von Thomson Reuters GFMS hat mal wieder einige hoch interessante Entwicklungen bei dem Edelmetall zutage gefördert. Daten, die durchaus geeignet sind, eine bullische Sicht auf den Silberpreis einzunehmen. Dabei ist das laufende Jahr für Anleger, die in Silber investiert sind, kein Jubeljahr. Nicht nur dass die Feinunze des Metalls massiv an Wert verloren hat, sie hat sich darüber hinaus noch deutlich schlechter entwickelt als zum Beispiel das Gold.

Doch an der Börse schlägt das Pendel immer in beide Richtungen aus. Silber gilt schon seit langem als strukturell volatiler als der Goldpreis. Erholen sich die Kurse am Rohstoffmarkt, dürfte Silber daher zu den Gewinnern gehören. Dazu trägt auch bei, dass Silber als Industriemetall zu sehen ist, während die Nachfrage nach Gold fast ausschließlich aus dem Schmuck- und Investmentsektor kommt. Dagegen kommt rund die Hälfte des Silberbedarfs weltweit aus industriellen Sektoren, obwohl die Fotografie in den vergangenen Jahren mit dem Siegeszug des digitalen Sektors massiv an Bedeutung verloren hat. Der große industrielle Anteil an der Nachfrage bringt dem Edelmetall Kurschancen, wenn sich die weltweite Konjunktur erholt – erste Anzeichen hierfür sind zu sehen.

Der Investmentsektor entscheidet wohl über den Trend

Obwohl in diesem Jahr nur rund ein Viertel der weltweiten Silbernachfrage aus dem Investmentsektor stammt, lohnt ein Blick auf diesen Bereich – die Experten bei Thomson Reuters GFMS rechnen damit, dass sich hier Trendentscheidendes für den Preis tut. Die Investmentnachfrage ist in die zunehmend größer gewordene Lücke zwischen industrieller Nachfrage und der Silberproduktion gestoßen und hat freie Volumina vom Markt genommen. Interessant: Während 2013 die Bestände von Gold-ETFs massiv abgebaut wurden, behalten ihre Pendants im Silbersektor die hohen Bestände bei. Scheinbar ist bei den ETF-Investoren eine gewisse Erwartung steigender Silberpreise vorhanden. Dass die Nachfrage nach Silbermünzen auf einem enorm hohen Niveau ist, rundet das Bild bei den ETFs ab.

Dagegen sieht die Lage an der Terminbörse anders aus. Auch wenn sich das Bild zuletzt etwas entspannt hat, sind die „Zocker“ in den Futures tendenziell bearish eingestellt, wenn man die aktuellen Positionierungen mit früheren Daten vergleicht. Die Long-Positionen sind vergleichsweise eher gering, die Short-Positionen vergleichsweise hoch. Aus antizyklischen Aspekten liegt hier einiges an Kurspotenzial für das Silber, wenn sich der Trend dreht und die Trader an der Terminbörse in Massen die Seite wechseln müssen.

Produzenten positionieren sich für steigende Silberpreise

Ein anderer Blick auf den Terminmarkt lohnt ebenfalls, genauer gesagt auf die Hedgingaktivitäten der Silberproduzenten. Diese weisen in den Jahren seit 2009 eine hohe Korrelation zum Silberpreisverlauf auf. 2009, als die Hausse des Feinunzenpreises langsam Schwung aufnahm und zu einer Vervielfachung des Silberkurses geführt hat, war das Delta der Hedgingpositionen der Produzenten ähnlich niedrig wie derzeit. Im Klartext: In den Chefetagen der Rohstoffkonzerne sieht man angesichts der Preise keine Gründe, sich umfangreich gegen fallende Kurse abzusichern. Man rechnet also mit wieder steigenden Notierungen für die Feinunze Silber, beliefert oder schließt daher die in den Jahren zuvor eingegangenen Kurssicherungskontrakte wieder.

Details zum Silver Market Review von Thomson Reuters GFMS lassen sich im Internet übrigens hier abrufen