China-Risikominimierung: Mangan-Raffination in USA vor Start
Electric Metals USA US2848981039 A41ZEN veröffentlichte Ende September die Ergebnisse einer Kostenstudie für die geplante Chemiefabrik des North-Star-Projekts an der US-Golfküste. Die Anlage soll Manganerzkonzentrat per Eisenbahn aus Emily in Minnesota empfangen und über Laugung, Reinigung und Kristallisation hochreines Mangansulfat-Monohydrat (HPMSM) produzieren.
425 Mio. USD: So hoch schätzt die Studie die Kosten für eine Kapazität von 200.000 Tonnen HPMSM pro Jahr. Das sind aus Sicht des Managements gute Nachrichten: Die PEA aus dem vergangenen Jahr hatte die Kosten bei 464 Mio. USD angesetzt, so dass die neue Studie rund 3 % darunter liegt. Der genaue Standort der Anlage steht noch nicht fest. Nur, dass er sich an der Golfküste befinden soll und dass Fluss und Hafen, Bahnanschluss sowie petrochemische Säuren aus Raffinerien verfügbar sein sollen.
Electric Metals USA will an der US-Golfküste hochreines Mangan produzieren
Neu in der Studie ist eine zusätzliche Schätzung für die Herstellung von elektrolytischem Manganmetall (EMM) in derselben Fabrik. Die Kosten für eine Kapazität von 10.000 Tonnen schätzt die Studie auf 98,6 Mio. USD. Synergien ergeben sich aus der geteilten Infrastruktur.
Das Ziel von Electric Metals wird seit Jahren klar kommuniziert. Es geht um den Aufbau einer vollintegrierten, nordamerikanischen Lieferkette für hochreines Mangan, das für Batterien, Verteidigung und Industrie benötigt wird. "Voll integriert" bedeutet im Fall des Projekts North Star: Es gibt zwei Projektteile. Neben der geplanten Fabrik gehört dazu auch die Emily-Lagerstätte im Cuyuna Iron Range, Crow Wing County in Minnesota. Dort liegt die höchstgradige Manganressource Nordamerikas. Die bestehende Mineralressourcenschätzung taxiert die Lagerstätte auf 6,23 Mio. Tonnen mit 19,27 % Mangan in der Kategorie angezeigt und 4,92 Mio. Tonnen mit 17,5 % Mangan in der Kategorie abgeleitet.
Die PEA aus dem vergangenen Jahr skizziert einen Untertagebau, der zunächst 100.000 Tonnen und ab dem dritten Jahr 200.000 Tonnen HPMSM produzieren soll. Eine künftige, aktualisierte PEA soll auch die EMM-Komponente detaillierter berücksichtigen. Die bisherige Studie sieht einen NPV von 1,39 Mrd. USD, einen IRR von 43,5 %, einen mittleren jährlichen Cashflow nach Steuern von 250 Mio. USD und eine Amortisationszeit von 23 Monaten.
Electric Metals und das North Star Projekt sind Teil einer Entwicklung, die weite Teile des Rohstoffsektors in den USA erfasst hat: Es geht um die Wiedergewinnung der Rohstoffsouveränität und das Ende der Abhängigkeit von China als Lieferant.
Mangan-Raffinerien zu 95 % in chinesischer Hand
Dabei geht es nicht primär um das Manganerz, das laut USGS-Daten größtenteils aus Südafrika und Gabun stammt. Das Hauptproblem stellt aus westlicher Sicht die Raffination dar. China stellt Schätzungen zufolge etwa 95 % des weltweiten HPMSM und 93 bis 98 % des EMM. Kommerzielles HPMSM außerhalb Chinas kommt im Wesentlichen von Vibrantz in Saint-Ghislain (Belgien) und Nippon Denko in Myoko (Japan).
Neben Electric Metals arbeiten auch andere Unternehmen am Aufbau von Erz- Raffineriekapazitäten. Element25 AU0000012098 A2JMGQ etwa plant den Bau einer HPMSM-Anlage in Louisiana. Bis zu 135.000 Tonnen pro Jahr sind geplant. Das Mangankonzentrat soll aus der australischen Mine Butcherbird importiert werden. Eine Machbarkeitsstudie sieht einen NPV von 1,6 Mrd. USD. Derzeit liegt der Fokus auf technischer Entwicklung, Genehmigungsverfahren, Logistik und Projektfinanzierung durch Abnahme- und Finanzierungsvereinbarungen. Mit im Boot sind die Autokonzerne Stellantis und General Motors sowie das US-Energieministerium.
South32 AU000000S320 A14QLH betreibt das Hermosa-Projekt in den Patagonia Mountains, etwa 80 Kilometer südöstlich von Tucson in Arizona. Zum Projekt gehören die Zink-Blei-Silber-Sulfidlagerstätte Taylor sowie die Zink-Mangan-Silber-Oxidlagerstätte Clark. Das Projekt wurde durch das US-Verteidigungsministerium bezuschusst und in das FAST-41-Projekt aufgenommen.
Auch in Tschechien: Westliche Manganprojekte nehmen Fahrt auf
Auch in anderen westlichen Ländern entwickeln sich Lieferketten für Mangan. Euro Manganese CA29872T2092 A412JN betreibt das Chvaletice-Manganprojekt in Tschechien. Die Lagerstätte etwa 90 km östlich von Prag ist die einzige nennenswerte, klassifizierte Manganlagerstätte in Europa. Eine im Mai 2026 veröffentlichte PEA sieht über einen Zeitraum von 26 Jahren eine Gesamtproduktion von 3,65 Mio. Tonnen HPMSM.
Manganese X Energy CA5626783008 A3CY96 betreibt das Battery Hill-Projekt in der kanadischen Provinz New Brunswick. Das Unternehmen will das Projekt in die Produktionsphase überführen und hochreines, für Elektrofahrzeuge geeignetes Mangan auf den Markt bringen. Derzeit läuft ein Qualifizierungsprogramm für Batteriematerialien mit Charge CCCV LLC. Im Juli wurde die letzte Phase des Programms erreicht.
Electric Metals CEO Brian Savage ist optimistisch, dass North Star in den entstehenden Lieferketten eine wichtige Rolle spielen wird. "Seit über fünf Jahrzehnten sind die USA vollständig auf Manganimporte in allen Formen angewiesen. Da es für Mangan in den meisten Anwendungsbereichen nur wenige praktikable Alternativen gibt und die weltweite Recyclingquote durchschnittlich lediglich 9 % beträgt, stellt diese Abhängigkeit eine erhebliche strategische Schwachstelle dar." Er kündigte an, das Unternehmen werde "direkt" in die nächste Planungsphase übergehen.
Der Aktienkurs des Unternehmens hat im August den seit September 2025 eingeschlagenen Abwärtstrend verlassen und eine technische Bodenbildung eingeleitet. Weitere Entwicklungserfolge bei North Star sowie jegliche Berichte über eine mögliche Manganverknappung seitens China dienen somit potenziell als Katalysator für eine Neubewertung.