Silbermarkt wird selektiver: Deutsche Bank stellt Knappheit infrage – Aftermath Silver und Silver Hammer sind gut aufgestellt
Noch vor wenigen Monaten schien die Richtung am Silbermarkt eindeutig. Jahrelange Defizite, knappe physische Bestände und eine starke Nachfrage von Industrie und Anlegern hatten den Preis Anfang 2026 zeitweise auf mehr als 120 USD je Unze getrieben. Nun rechnet die Deutsche Bank damit, dass sich die außergewöhnliche Enge am physischen Silbermarkt wieder löst. Nach Einschätzung des Bankhauses könnten steigende Lagerbestände und eine nachlassende industrielle Nachfrage dazu führen, dass der Silbermarkt bereits 2027 in einen Angebotsüberschuss kippt. "Die Phase maximaler Silberknappheit liegt eindeutig hinter uns", schrieb Daniel Ghali, Leiter der Metallanalyse bei der Deutschen Bank, nach einem Bericht des kanadischen Bergbau-Fachmediums The Northern Miner. Für das zweite Quartal 2027 erwartet die Bank einen durchschnittlichen Silberpreis von 70 USD je Unze.
Das wäre eine deutliche Verschiebung. Noch im Oktober 2025 hatte die physische Verfügbarkeit von Silber in London Sorgen ausgelöst und die Kosten für die kurzfristige Beschaffung des Metalls stark steigen lassen. Geopolitische Spannungen und die Nachfrage nach sicheren Häfen verstärkten die Bewegung. Inzwischen präsentiert sich die Angebotsseite deutlich entspannter.
Aus Knappheit könnte ein Puffer werden
Ende August lagerten nach Angaben der Deutschen Bank mehr als 914 Mio. Unzen Silber in kommerziellen Londoner Tresoren. Davon sollen mehr als 300 Mio. Unzen frei verfügbar gewesen sein. Seit Oktober 2025 ist dieser unmittelbar verfügbare Bestand demnach um rund 70 % gestiegen.
Ein ähnliches Bild zeigt sich an der Chicago Mercantile Exchange und in Shanghai, wo ebenfalls mehr Metall verfügbar ist. Ghali sieht darin mehr als eine bloße Verschiebung vorhandener Mengen zwischen verschiedenen Handelsplätzen. Recycling, private Lagerhaltung und eine schwächere Nachfrage werden ebenfalls als Gründe für die höhere Metallverfügbarkeit genannt. Ein Markt, der über Jahre stark von der Frage geprägt war, ob überhaupt genügend physisches Silber verfügbar ist, könnte damit wieder über einen deutlich größeren Sicherheitspuffer verfügen.
Ein Überangebot ist allerdings nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit einem Preissturz. Die Deutsche Bank erwartet für das zweite Quartal 2027 immerhin einen durchschnittlichen Spotpreis von 70 USD je Unze. Der aktuelle Silberpreis tendiert um rund 61 USD je Unze. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das weiterhin einem Plus von rund 26 %. Seit Jahresbeginn hat Silber zugleich etwa 14 % verloren.
Entscheidend ist deshalb weniger, ob Silber künftig im Überfluss vorhanden sein wird. Vielmehr könnte die extreme physische Knappheit als dominanter Preistreiber an Bedeutung verlieren.
Solarindustrie spart beim Silber
Der wichtigste Grund dafür liegt ausgerechnet in einem Bereich, der lange als struktureller Wachstumsmotor der Silbernachfrage galt: der Solarindustrie. Die Deutsche Bank erwartet, dass der weltweite Silberverbrauch in Solaranwendungen 2026 um mehr als 20 % sinkt. Für China wird sogar ein Rückgang um 33 % prognostiziert. Hersteller reagieren auf die hohen Silberpreise und reduzieren den Metallbedarf ihrer Produkte.
Zunehmend möglich macht das der technische Fortschritt. Dünnere elektrische Kontakte, kupferbeschichtete Silberpasten und veränderte Zellarchitekturen sollen den Silberverbrauch je Solarzelle allein 2026 um etwa 17 % reduzieren. Zeitweise entfielen nach Angaben der Bank mehr als 30 % der Herstellungskosten eines Solarmoduls auf Silber. Inzwischen sei dieser Anteil auf etwa 14 % gesunken. Der wirtschaftliche Anreiz, den Einsatz des Edelmetalls weiter zu verringern, bleibt damit erheblich.
Investmentnachfrage wird wichtiger
Während industrielle Anwendungen in den vergangenen Jahren einen wesentlichen Teil der Nachfrageseite bestimmten, könnte nach Einschätzung der Deutsche-Bank-Analysten künftig die Investmentnachfrage wieder stärker über die Preisentwicklung entscheiden. Doch auch dort bestehen Risiken. Silberbesicherte Fonds könnten nach Berechnungen der Bank bis Dezember 2027 etwa 40 Mio. Unzen freisetzen, falls sich historische Muster früherer US-Zinserhöhungszyklen wiederholen. Indiens Silberimporte lagen zuletzt 25 % unter dem Vorjahresniveau. Zugleich bleibt China ein Unsicherheitsfaktor. Dort hält sich trotz steigender Bestände und schwächerer Großhandelsnachfrage allerdings eine Preisprämie. Eine stärkere chinesische Nachfrage wäre entsprechend ein Aufwärtsrisiko für die Überschussprognose.
Der neuen Prognose steht weiterhin ein deutlich vorsichtigerer Angebotsausblick gegenüber. Der internationale Branchenverband Silver Institute rechnete im Februar für 2026 noch mit dem sechsten Marktdefizit in Folge. Auch der im April veröffentlichte World Silver Survey erwartet für das laufende Jahr weiterhin ein Defizit.
Projektqualität wird wichtiger
Für Anleger in Silberaktien verändert eine solche Entwicklung vor allem die Bewertungsmaßstäbe. Solange die allgemeine Knappheit den Markt prägt, können höhere Silberpreise viele Projekte gleichzeitig aufwerten. Entspannt sich die physische Versorgung, gewinnen unternehmensspezifische Faktoren an Gewicht: Ressourcengröße und Gehalte, mögliche Nebenprodukte, Entwicklungsstand, Kapitalbedarf und die nächsten operativen Schritte.
Aftermath Silver: Berenguela vor nächstem Entwicklungsschritt
Aftermath Silver CA00831V2057 A2DMFN liefert dafür ein gutes Beispiel. Das kanadische Unternehmen entwickelt im Süden Perus das Silber-Kupfer-Mangan-Projekt Berenguela. Die aktuelle Ressourcenschätzung weist 51,55 Mio. Tonnen an gemessenen und angezeigten Mineralressourcen aus. Darin enthalten sind 122,5 Mio. Unzen Silber, 717,1 Mio. Pfund Kupfer und 2,93 Mio. Tonnen Mangan.
Für Aftermath Silver steht derzeit vor allem der nächste Schritt bei der technischen Bewertung des Projekts an. Ende August meldete das Unternehmen, dass die Arbeiten für eine im Februar begonnene Vormachbarkeitsstudie im Zeit- und Kostenplan liegen. Geotechnische und hydrogeologische Bohrungen für die Minenplanung und spätere Genehmigungsverfahren liefen bereits. Die Studie soll im ersten Quartal 2027 vorliegen.
Für die wirtschaftliche Bewertung von Berenguela spielen neben Silber auch Kupfer und Mangan eine Rolle. Die Vormachbarkeitsstudie soll nun genauer bestimmen, wie sich diese Metalle technisch gewinnen lassen und welche Entwicklungskonfiguration für das Projekt infrage kommt. Berenguela ist zudem nicht das einzige Silberprojekt von Aftermath Silver. Zum Portfolio gehört auch das rund 19.000 Hektar große Challacollo-Silber-Gold-Projekt im Norden Chiles. Dort liefen 2026 ebenfalls Bohrarbeiten, unter anderem zur Untersuchung möglicher Erweiterungen der Lolón- und Lucy-Strukturen. Ebenfalls in Nordchile liegt das Silberprojekt Cachinal, das derzeit nicht aktiv bearbeitet wird.
Silver Hammer: Exploration und Zusammenschlusspläne
Silver Hammer Mining CA8277331069 A3C4PX arbeitet an mehreren Silberprojekten in Idaho und Nevada. Am Silver-Strand-Projekt in Idaho, wo in der Vergangenheit bereits Silber gefördert wurde, soll nach dem im September vorgestellten Plan zunächst ein Programm mit fünf Bohrungen über insgesamt 750 Meter beginnen. Die bestehende Genehmigung erlaubt eine Erweiterung auf bis zu acht Bohrungen und 2.438 Meter. Für den Beginn der Bohrarbeiten hatte das Unternehmen Oktober 2026 angepeilt.
Parallel dazu bereitet Silver Hammer den Zusammenschluss mit Stroud Resources und SilverMark Resources vor. Die Aktionäre von Silver Hammer und Stroud stimmten der Transaktion Ende September mit deutlichen Mehrheiten zu. Stroud ist ein börsennotiertes kanadisches Explorationsunternehmen und bringt das Silber-Gold-Projekt Santo Domingo im mexikanischen Bundesstaat Jalisco ein. Für Santo Domingo weist die im August aktualisierte Ressourcenschätzung 5,7 Mio. Tonnen an gemessenen und angezeigten Ressourcen mit 14,3 Mio. Unzen Silber und 76.000 Unzen Gold aus. Hinzu kommen 3,9 Mio. Tonnen abgeleitete Ressourcen mit 8,3 Mio. Unzen Silber und 36.000 Unzen Gold. SilverMark ist eine private kanadische Gesellschaft und kann bis zu 75 % an einem größeren Mineralprojektportfolio in Marokko erwerben. Dazu gehört auch die ehemals produzierende Polymetallmine Akka.
Nach Abschluss der Transaktion soll das kombinierte Unternehmen unter dem Namen Silver Frontier Resources firmieren. Der Vollzug ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Die begleitende Finanzierung über bis zu 10 Mio. CAD soll nach bisheriger Planung Mitte Oktober abgeschlossen werden.
2027 könnte zur Bewährungsprobe werden
Ob die Deutsche Bank mit ihrer Überschussprognose richtig liegt, wird sich vor allem daran entscheiden, wie schnell die Industrie ihren Silberverbrauch tatsächlich reduziert und ob Investmentkäufe einen Teil dieser Nachfrageverluste auffangen können.
Für Silberunternehmen würde ein ausgeglichenerer Markt das Interesse am Sektor nicht grundsätzlich schmälern. Die Erwartung dauerhafter Knappheit könnte als übergreifendes Argument jedoch an Gewicht verlieren. Entsprechend stärker zählen dann die Fortschritte einzelner Projekte.
Der entscheidende Gegenpol zur schwächeren Industrienachfrage bleibt die Investmentnachfrage. Zuflüsse in silberbesicherte Anlageprodukte können Metall aus dem verfügbaren Markt nehmen, während Abflüsse zusätzliche Mengen freisetzen. Ob der von der Deutschen Bank erwartete Angebotsüberschuss 2027 tatsächlich eintritt, hängt deshalb neben dem industriellen Verbrauch auch von den Kapitalströmen und der weiteren Entwicklung der Lagerbestände ab. Für Unternehmen wie Aftermath Silver und Silver Hammer gewinnt damit vor allem die Qualität der eigenen Projekte an Bedeutung – denn in einem selektiveren Silbermarkt müssen Ressourcen, Entwicklungsperspektive und operative Fortschritte stärker für sich selbst sprechen.

