BHP-Mitarbeiter legen Verladehafen Port Hedland acht Stunden lahm
Am Verladehafen Port Hedland in Westaustralien legten am 16. Juli rund 200 Beschäftigte von BHP AU000000BHP4 850524 die Arbeit für acht Stunden nieder. Organisiert wurde der Ausstand vom Bündnis Combined BHP Ports Unions, das die Electrical Trades Union (ETU), die Australian Manufacturing Workers' Union (AMWU) und die Western Mine Workers Alliance (WMWA) vereint. Es ist der erste Streik am weltgrößten Massengutterminal für Eisenerz seit dem Jahr 2000. Vorausgegangen war eine fünfstündige, von der australischen Fair Work Commission moderierte Verhandlungsrunde, die ohne Einigung endete. Die Gespräche sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden.
BHP erklärte in einer Mitteilung, das Unternehmen habe einen Entwurf für eine neue Vereinbarung vorgelegt, der für die Mehrheit der Beschäftigten eine Lohnerhöhung von 16 Prozent über vier Jahre sowie verbesserte Zulagen und vereinfachte Gehaltsstrukturen vorsehe. Notfallpläne stellten laut Unternehmen sicher, dass der Betrieb während des Streiks sicher weiterlaufen könne. ETU-Landessekretär für Westaustralien Adam Woodage konterte, das Unternehmen habe die Beschäftigten acht Monate lang hingehalten, obwohl deren Arbeit im Vorjahr einen Gewinn von 15 Mrd. AUD erwirtschaftet habe.
Eine Lohnlücke von bis zu 40.000 AUD zwischen gleichen Jobs
Kern des Streits ist nach Gewerkschaftsangaben ein Lohngefälle von bis zu 40.000 AUD pro Jahr zwischen Beschäftigten, die in identischen Funktionen arbeiten, je nachdem ob sie am Hafen Port Hedland oder an den Minen South Flank und Mining Area C eingesetzt sind. Die Beschäftigten fordern eine Erhöhung von rund 25.000 AUD, nach mehr als sieben Monaten ergebnisloser Verhandlungen. Bei der Urabstimmung im Juni votierten 89,4 % der AMWU-Mitglieder und 100 % der teilnehmenden ETU-Mitglieder für Streikmaßnahmen, mehr als 450 Beschäftigte haben den gewerkschaftlichen Aktionen insgesamt zugestimmt. Eine dritte Gewerkschaft, die Australian Workers' Union (AWU), hat für weitere gut 100 Beschäftigte separat eine eigene Urabstimmung bei der Fair Work Commission beantragt.
Ein Präzedenzfall aus dem Kohlebergbau stärkt die Verhandlungsposition
Rückenwind erhalten die Pilbara-Gewerkschaften von einem Urteil des australischen High Court vom April, der eine Berufung von BHP gegen "Same Job Same Pay"-Anordnungen der Fair Work Commission zurückwies. Diese betrafen mehr als 2.000 Leiharbeiter an den drei Kohleminen Goonyella Riverside, Saraji und Peak Downs in Queensland und brachten den Betroffenen Lohnerhöhungen von 20.000 bis 30.000 AUD pro Jahr ein. Branchenschätzungen zufolge könnte die Entscheidung BHP insgesamt bis zu 1,3 Mrd. AUD an jährlichen Mehrkosten verursachen. Für die Pilbara-Beschäftigten liefert der Fall ein Muster, wie sich ein vergleichbares Lohngefälle durchsetzen lässt.
Der größte Erzhafen der Welt gerät ins Visier
Port Hedland gilt als größtes Massengutterminal für Eisenerz weltweit, im vergangenen Jahr liefen rund 575 Mio. Tonnen Erz über den Hafen, auch von anderen Minenbetreibern, die von diesem BHP-spezifischen Streik nicht betroffen sind. BHP-Australien-Präsidentin Geraldine Slattery bezifferte die möglichen Kosten eines vollständigen Stillstands auf bis zu 120 Mio. AUD pro Tag, die westaustralische Landesregierung würde zusätzlich rund 7 Mio. AUD täglich an Förderabgaben verlieren. Politisch zeigt sich das Umfeld gespalten. Premierminister Roger Cook stellte sich hinter das Streikrecht der Beschäftigten, während Oppositionsführer Basil Zempilas vor einem Reputationsschaden für den Bundesstaat warnte. Der Branchenverband Chamber of Minerals and Energy WA warf den Gewerkschaften vor, zentrale Wirtschaftsgüter als Geiseln zu nehmen.
Der Streik trifft BHP mitten in der Berichtssaison
Der Ausstand fällt mit der Veröffentlichung von BHPs Jahreszahlen zum 30. Juni zusammen. Die Eisenerzproduktion im vierten Geschäftsquartal sank um 3 % auf 68,1 Mio. Tonnen, für das Gesamtjahr blieb die Fördermenge nahezu unverändert. Am selben Tag genehmigte BHP eine Investition von 900 Mio. USD in das Ministers-North-Projekt, das ab dem Geschäftsjahr 2029 jährlich 20 Mio. Tonnen zusätzliche Eisenerz-Kapazität liefern soll. Die Aktie notierte in Sydney zeitgleich 2,3 % niedriger. Analyst Alexander Pearce von BMO Capital Markets bewertete das Quartal als etwas besser als erwartet, verwies aber auf die für 2027 erwartete Kupferproduktion, die im Jahresvergleich um rund 12 % sinken dürfte. Die Eisenerz-Terminpreise in Singapur kletterten in der laufenden Woche zeitweise auf 102 USD je Tonne, den höchsten Stand seit dem 2. Juli.

