Vier strategische Metalle setzen westliche Rüstungskonzerne unter Druck
Ein Blick auf die Kursentwicklung des Sektors zeigt, dass Rüstungsaktien im Trend liegen. Der VanEck Defense UCITS ETF A USD IE000YYE6WK5 A3D9M1, der den MarketVector Global Defense Industry Index abbildet, hat in den vergangenen drei Jahren um mehr als 200 % zugelegt.
Die Nachfrage nach Rüstungsgütern, so scheint es aktuell, kann angesichts der zahlreichen Konflikte und eskalierenden geopolitischen Spannungslinien in den kommenden Jahren eigentlich nur wachsen. Doch in einigen lange als Nischenmärkten betrachteten Metallen zeichnet sich eine Wachstumsbremse ab.
Kobalt, Gallium, Germanium und Antimon werden knapp
Konkret: Kobalt, Gallium, Germanium und Antimon werden knapp. Jon Stibbs vom Branchendienst Fastmarkets erläutert: "Diese Rohstoffe sind für westliche Staaten strategisch ungünstig, da ihr Abbau und insbesondere ihre Verarbeitung stark auf wenige Länder konzentriert ist, die nicht unbedingt Verbündete sind."
Anders gesagt: China dominiert diese Märkte. Dies zeigt sich beim Blick auf jedes einzelne der vier Metalle. Kobalt wird hauptsächlich als Nebenprodukt der Kupfer- und Nickelgewinnung abgebaut, wobei die DR Kongo die Minenproduktion dominiert. Trotz jüngster westlicher Investitionen in das Land ist China der größte Abnehmer – und vereint zudem einen Großteil der Raffination auf sich.
Diese Dominanz in der nachgelagerten Verarbeitung besteht auch bei Gallium, das als Nebenprodukt der Aluminium- und Zinkverarbeitung gewonnen wird und bei Germanium, einem Nebenprodukt der Zinkverarbeitung. Auch Antimon wird hauptsächlich in China abgebaut.
Die Politik hat auf die Problematik bereits reagiert: Nearshoring lautet das Stichwort in den USA, kombiniert mit internationalen Abkommen. Das Pentagon hat die Beschaffung von Seltenen Erden und Spezialmineralien bereits erhöht. Die Defense Logistics Agency (DLA) plant den Aufbau eines 1 Milliarde Dollar schweren Vorrats an kritischen Mineralien, der neben Kobalt, Antimon, Germanium und Gallium auch Tantal und Scandium erwerben soll.
Lockheed Martin, BAE Systems, Rheinmetall: Rüstungsindustrie reagiert
Auch Unternehmen reagieren. Lockheed Martin US5398301094 894648 etwa platzierte mit Stacy Newstead seine Managerin für Materialstrategie und Risikomanagement als Beirat und strategische Beraterin bei Locksley Resources. Das Unternehmen treibt das Mojave-Projekt in Kalifornien voran, das auf Seltene Erden (SEE) und Antimon abzielt.
BAE Systems GB0002634946 866131 sieht in der Überwachung von "Single Source"-Rohstoffen höchste Priorität. Rheinmetall DE0007030009 703000 Chef Armin Papperger warnte vor Engpässen bei der Munitionsproduktion (Antimon) und Panzeroptiken (Germanium). RTX US75513E1010 A2PZ0R arbeitet an einer US-eigenen Galliumnitridproduktion und unterzeichnete bereits 2025 eine Absichtserklärung mit Emirates Global Aluminum (EGA), um die Produktion von Gallium in der Anlage von EGA in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu prüfen.
Das zunehmend durch Exportkontrollen- und Verbote Pekings (und im Fall von Kobalt durch die Regierung in der DR Kongo) reduzierte Angebot an kritischen Metallen trifft auf eine dynamisch steigende Rüstungsnachfrage. Laut dem Sipri-Bericht für 2024 steigerten 77 der größten 100 Waffenhersteller ihre Rüstungsumsätze gegenüber dem Vorjahr. 42 meldeten sogar zweistellige prozentuale Zuwächse. Das Problem ist, dass die vier Metalle in der Rüstungsindustrie nur schwer substituiert werden können.
Substitution aufgrund besonderer Eigenschaften fast unmöglich
Kobalt etwa wird unter anderem in militärischen Strahltriebwerken eingesetzt, zum Beispiel in Turbinenschaufeln, Leitschaufeln und Brennkammerkomponenten. Gallium wird für Chips in Radargeräten, Störsender für die elektronische Kampfführung, Satellitenkommunikationsterminals und andere Hochfrequenz-Sende- und Empfangsmodule benötigt. Germanium kommt in Nachtsichtgeräten, Zielerfassungssystemen von Militärflugzeugen sowie in Suchköpfen, Zielraketen und Sensoren für Aufklärungs- und Überwachungsmissionen zum Einsatz. Antimon wird durch Rüstungsgüter in Blei-Antimon-Legierungen für einige Munitionssorten eingesetzt.
Den Metallen ist gemein, dass sie eine Leistung ermöglichen, die mit gebräuchlicheren Materialien schwer zu erreichen ist, insbesondere unter hoher Hitze oder hoher Leistung oder in bestimmten elektromagnetischen Umgebungen.
Die vulnerable Versorgung mit kritischen Metallen könnte Umsatz- und Gewinnziele im Rüstungssektor gefährden. Davor warnten Vertreter der Branche bereits Ende 2022. "Die meisten Rohstoffe, die für die Herstellung von Militärprodukten benötigt werden, werden in den EU-Ländern nicht oder nur in geringem Umfang abgebaut", fasste Jiří Hynek, Leiter des Verbands der tschechischen Waffen- und Verteidigungsindustrie, das Problem damals zusammen. Unternehmen, die kritische Metalle mit geopolitisch unproblematischen Lieferketten (künftig) produzieren, dürften deshalb weiterhin im Visier von Investoren sein.

