Entspannungssignale aus dem Nahen Osten stützen die Metallmärkte
Die Aussicht auf neue Gespräche zwischen den USA und Iran hat den Druck von den Rohstoffmärkten genommen und Gold wie Kupfer am Dienstag spürbar gestützt. Während sich Gold nach dem kräftigen Sprung vom Vortag nahe 4.846,70 USD je Unze behauptete, stieg Kupfer an der London Metal Exchange auf 13.284,50 USD je Tonne und damit auf den höchsten Stand seit mehr als sechs Wochen.
Auslöser ist die Hoffnung auf eine neue Verhandlungsrunde im Nahostkrieg. Nach Angaben von Bloomberg News wollen Washington und Teheran in den kommenden Tagen einen zweiten Termin für Gespräche ausloten. US-Präsident Donald Trump stellte laut der New York Post eine Wiederaufnahme der Verhandlungen "über die nächsten zwei Tage" in Aussicht. Für die Märkte ist das vor allem deshalb relevant, weil ein möglicher diplomatischer Kanal die Sorge vor einer noch stärkeren Störung der Energieversorgung dämpft.
Gold profitiert von der Entspannung am Ölmarkt
Gold hatte zunächst von der geopolitischen Eskalation profitiert, wurde in den vergangenen Wochen dann aber von einem anderen Effekt gebremst. Steigende Energiepreise schürten Inflationssorgen, was Spekulationen auf länger hohe Zinsen oder sogar weitere Zinsschritte der Notenbanken auslöste. Das belastet zinsloses Gold in der Regel, weil festverzinsliche Anlagen dann attraktiver erscheinen.
Hinzu kam in der frühen Phase des Kriegs ein Liquiditätsdruck. Investoren verkauften nach Bloomberg-Angaben Goldbestände, um Verluste in anderen Anlageklassen auszugleichen. Seit Beginn des Konflikts hat das Edelmetall damit rund 8 % verloren. Dass sich der Preis nun stabilisiert, hängt auch mit einem ruhigeren Ölmarkt zusammen. Öl notierte am Mittwoch kaum verändert, der Bloomberg Dollar Spot Index gab zuvor um 0,3 % nach. Beides half Gold.
Analysten von Standard Chartered um Sudakshina Unnikrishnan erwarten dennoch, dass das Edelmetall seine Gewinne in den kommenden Monaten wieder ausbauen kann. Als Stütze nennen sie anhaltende geopolitische Risiken und neue Spannungen im Welthandel. Gleichzeitig bleibt der Markt anfällig, weil die Inflations- und Zinsperspektive bei jeder neuen Eskalation sofort wieder kippen kann.
Industriemetalle reagieren schneller auf Entspannungssignale
Noch deutlicher war die Reaktion bei Kupfer und anderen Industriemetallen. Kupfer legte um 1,8 % zu. An der London Metal Exchange stiegen mit Ausnahme von Aluminium alle wichtigen Basismetalle. Aluminium selbst fiel um 1,2 % auf 3.563 USD je Tonne, nachdem es tags zuvor noch auf ein Vierjahreshoch gesprungen war.
Die Preisbewegungen zeigen, wie nervös der Markt seit Kriegsbeginn Ende Februar geblieben ist. Industriemetalle litten zunächst unter der Angst vor explodierenden Energiekosten und schwächerem Wachstum. Nun reicht schon die Hoffnung auf eine diplomatische Annäherung, um diese Risikoaufschläge teilweise wieder zurückzunehmen.
Jia Zheng, Marktstratege bei Suzhou Chuangyuan Harmony-Win Capital, sagte laut Bloomberg News, Anleger preisten eine Entschärfung der makroökonomischen Krise ein. Zugleich warnte er vor einer langwierigen Zermürbung, vergleichbar mit dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Das würde bedeuten, dass die unmittelbaren Markteffekte mit der Zeit nachlassen, die Unsicherheit aber bestehen bleibt.
An der Straße von Hormus bleibt die Lage angespannt
Ganz verschwunden ist das Risiko allerdings nicht. Im Zentrum steht weiter die Straße von Hormus, die als Nadelöhr den Persischen Golf mit dem Weltmarkt verbindet. Dort hält die Konfrontation an. Die USA treiben ihre Seeblockade gegen iranische Ölexporte voran, Teheran erwägt laut Bloomberg zugleich eine befristete Pause bei Lieferungen, um Gespräche zu erleichtern.
Für die Rohstoffmärkte ist das entscheidend. Selbst ein mögliches Ende der Kämpfe würde die Lage nicht sofort normalisieren, weil wichtige Energieinfrastruktur in der Golfregion bereits durch Raketen- und Drohnenangriffe beschädigt wurde. Genau deshalb reagieren Gold und Kupfer zwar auf die Hoffnung auf Verhandlungen, aber noch nicht auf eine gesicherte Entwarnung. Die Preise spiegeln derzeit weniger Frieden als die Chance auf eine Atempause.

