Krieg in der Golfregion gefährdet Aluminiummarkt

Krieg in der Golfregion gefährdet Aluminiummarkt picture alliance / Hans Lucas / POOL UNION EUROPEENNE / AGENCE HANS LUCAS

3.550 USD kostet Aluminium derzeit pro Tonne: Rund ein Drittel mehr als vor dem Ausbruch des Irankrieges. Dies markiert den stärksten Preisanstieg innerhalb eines Monats seit dem Jahr 2028.

Schon vor dem Konflikt bewegte sich der Markt in Richtung Defizit. Nun könnte die Eskalation den Analysten von Wood Mackenzie zufolge die Aluminiumproduktion um bis zu 3 bis 3,5 Millionen Tonnen reduzieren, was etwa 5 % des weltweiten Angebots entspricht. Weitere knapp 7 Mio. Tonnen der Produktion werden als gefährdet eingestuft.

18 % der weltweiten Aluminiumexporte außerhalb Chinas am Golf

Entlang der Straße von Hormus liegen Hüttenwerke, die etwa 18 % der weltweiten Aluminiumexporte außerhalb Chinas ausmachen, wobei laut Woodmac 80–85 % dieser Produktion für Überseemärkte bestimmt sind.

"Die Straße von Hormus ist ein Nadelöhr für den globalen Aluminiummarkt. Störungen hier könnten die Aluminiumoxidversorgung der Hütten im Nahen Osten um bis zu 60 % unterbrechen und das Marktdefizit rapide verschärfen", sagte Charvi Trivedi, leitende Analystin. Je länger der Konflikt andauere, desto schwieriger werde es für die Produzenten, die Produktion aufrechtzuerhalten. "Die Risiken konzentrieren sich zunehmend auf weitere Lieferausfälle und steigende Preise."

Es geht einerseits um Logistik, andererseits um das Risiko langfristig wegfallender Produktionskapazitäten. Die iranischen Angriffe auf Aluminium Bahrain und Emirates Global Aluminium (EGA) in Al Taweelah am 28. März haben die Störungen in der Lieferkette verschärft.

Beides sind große, exportorientierte Hüttenwerke, die eng mit dem Seehandel verbunden sind. Das Al-Taweelah-Werk von EGA mit einer Kapazität von 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr wurde offenbar erheblich beschädigt. Wie groß die Schäden genau sind, ist noch unklar. "Der Markt wartet weiterhin auf Klarheit über die genauen Auswirkungen, da eine Unternehmenssprecherin sich mit Blick auf die Lageprüfung durch EGA nicht weiter äußern wollte", notiert Andrea Hotter vom Branchendienst Fastmarkets in einem aktuellen Bericht. Derzeit ist der Betrieb eingestellt.

Große Hüttenwerke schließen oder drosseln Produktion

Unklar ist demnach auch, ob die Aluminiumoxidraffinerie von EGA, einem wichtigen Rohstofflieferanten für die Golfregion neben dem saudi-arabischen Unternehmen Ma’aden, beschädigt wurde. Die Raffinerie von EGA befindet sich neben der Al-Taweelah-Schmelzhütte; das Aluminiumoxid wird über Förderbänder zum Lager und anschließend zur Schmelzhütte transportiert.

Auch andernorts wird weniger produziert: Aluminium Bahrain hat aufgrund von Aluminiumoxidmangel etwa 19 % seiner Kapazität stillgelegt. Qatalum, ein Joint Venture des norwegischen Konzerns Norsk Hydro mit einem Unternehmen aus Katar, produziert mit rund 60 % seiner Kapazität. Ma’aden in Saudi-Arabien musste benachbarte Hüttenwerke mit Notfall-Aluminiumoxid versorgen.

Das Risiko langfristiger Schäden ist erheblich: Bei unkontrollierten Produktionsunterbrechungen könnte flüssiges Aluminium in den Elektrolyseöfen erstarren. Dann dauert es leicht ein Jahr, um die Schäden zu beheben und die Produktion wieder anzufahren.

Neben direkten kriegsbedingten Einwirkungen auf die Produktion bedrohen logistische Engpässe zunehmend die Kapazitäten. Die Blockade der Straße von Hormus erschwert nicht nur den Transport fertigen Metalls, sondern auch entscheidender Vorprodukte wie Aluminiumoxid, das wegen Engpässen in Australien ohnehin schon länger mit Engpässen verbunden ist.

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Risiken für Versorgung mit Vorprodukten und Energie

Zudem wachsen in der Golfregion die Energieversorgungsrisiken: Die Schmelzhütten am Golf werden mit Gas betrieben, das in der Region zunehmend knapp wird.  Die Produktionskürzungen bei Qatalum stehen direkt damit in Verbindung.

In Europa könnte es zu Engpässen kommen: Nach Angaben von Aluminium Deutschland bezieht Europa etwa 20 % seiner Primäraluminium-Importe aus der Golfregion, für Deutschland liegt der Wert halb so hoch.

Die EU ist Nettoimporteur von Aluminium, weil die europäischen Energiepreise hoch sind. Laut dem Internationalen Aluminiuminstitut benötigt die Primäraluminiumproduktion typischerweise rund 14–15 MWh Strom pro Tonne und ist damit eines der energieintensivsten Industriemetalle.