Ölmarkt im Irankrieg: Gewinner, Tendenzen und Szenarien
Bleiben die Ölpreise länger hoch, gehören Ölkonzerne – nicht überraschend – zu den Gewinnern. Wie hoch diese Gewinne im Detail ausfallen könnte, hat nun das Marktforschungsunternehmen Enverus im Hinblick auf kanadische Ölproduzenten errechnet. Demnach belaufen sich die zusätzlichen Einnahmen der Branche auf 25-30 Mrd. CAD für jeden Anstieg des Ölpreises um 10 USD. Somit könnte ein unerwarteter Gewinn von 65,6 Mrd. CAD anfallen.
Kanadas Ölkonzerne vor hohen Zusatzgewinnen
Kanada, bislang viertgrößter Ölproduzent der Welt, kommt die Entwicklung entgegen: Premierminister Mark Carney hat ohnehin Pläne angekündigt, die Exporte fossiler Brennstoffe zu steigern, um die kanadische Wirtschaft vor einem harten Handelskrieg mit den USA zu schützen. Einziger Wermutstropfen für Kanadas Ölunternehmen: Es gibt aufgrund fehlender Pipelines zu Küstenhäfen nur begrenzte Möglichkeiten zu Exporten über die USA hinaus.
Im Zuge der hohen Ölpreise und der zunehmenden Unsicherheit auf dem Markt flammen altbekannte Diskussionen auf: Etwa jene in Großbritannien um eine Ausweitung der Ölförderung in der Nordsee. Dafür sprach sich etwa Greg Jackson, Vorstandsvorsitzender von Octopus Energy, dem größten Energieversorger für Privathaushalte in Großbritannien, aus.
Ölförderung aus der Nordsee?
Die Labour-Regierung hatte letztes Jahr angekündigt, sogenannte Anbindungsbohrungen an bestehende Ölfelder zu gestatten, hat aber noch kein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Ob es dazu noch kommt, ist ungewiss. Am Dienstag stimmten die Abgeordneten im Unterhaus gegen einen von den Konservativen eingebrachten Vorschlag, das Verbot neuer Bohrlizenzen in der Nordsee aufzuheben und zwei große Öl- und Gasfelder – Rosebank und Jackdaw – zu genehmigen.
Wie hoch die Windfall-Profite in Kanada und andernorts ausfallen und ob die Ausweitung der Ölförderung in der Nordsee wieder in greifbare Nähe rückt, hängt von der weiteren Preisentwicklung und damit von der Entwicklung des Iran-Kriegs ab.
Goldman Sachs sieht Marke von 147 USD wackeln
Goldman Sachs geht mittlerweile davon aus, dass der Ölpreis Anfang April über 115 USD hinaus ansteigen wird. Die Analysten rechnen mit einer wesentlich längeren und schwerwiegenderen Unterbrechung der Ölexporte durch die Straße von Hormus und weisen darauf hin, dass der anschließend notwendige Wiederaufbau der strategischen Reserven in vielen Industrieländern einen "Sicherheitsaufschlag" für die längerfristige Preisentwicklung bedeutet.
In einem pessimistischen Szenario, bei dem zehn Wochen lang fast kein Öl durch Hormuz geschickt wird und es zudem aufgrund von Schäden an der Energieinfrastruktur zu einem anhaltenden Verlust von 2 Millionen Barrel Öl pro Tag aus dem Nahen Osten kommt, ist den Analysten zufolge sogar ein Anstieg über 147 USD (die Rekordmarke aus dem Jahr 2008) möglich – und zwar auch für einen längeren Zeitraum.
LNG-Markt vor Turbulenzen
Neben dem Ölmarkt leidet auch der Flüssigerdgasmarkt unter der Situation. Bis etwa Mitte nächster Woche dürften die letzten Tanker aus der Region ihre Zielhäfen erreichen, bevor ein deutlicher Rückgang der Förderung droht. Dieser Rückgang dürfte angesichts der Schäden an der Infrastruktur (z. B. an der LNG-Anlage Ras Laffan in Katar) länger andauern.
Am europäischen Knotenpunkt TTF kostet Erdgas derzeit rund 53 EUR pro MWh. Vor dem Hintergrund der Engpässe auf dem LNG-Markt hat die EU-Kommission bereits reagiert und die Mitgliedstaaten dringend aufgefordert, die Gasspeicherziele zu senken und schrittweise mit dem Auffüllen ihrer Reserven zu beginnen. Allerdings sind die Speicherstände in vielen Ländern niedrig, was die Regierungen mit Blick auf den nächsten Winter unter Druck setzt.
Heimische Gasprojekte in Europa rücken wieder in den Fokus
Damit rückt auch wieder die Frage in den Vordergrund, inwieweit Europa seine Gasversorgung stärker auf eigene Quellen stützen kann. Denn je angespannter die Lage auf dem LNG-Markt ist, desto größer wird die Bedeutung regionaler Projekte, die helfen könnten, die Abhängigkeit von Importen aus geopolitisch sensiblen Regionen zumindest teilweise zu verringern.
Davon könnten auch Entwickler neuer Gasprojekte innerhalb Europas profitieren. So arbeitet etwa CanCambria Energy CA13740E1079 A3EKUB in Ungarn an der Erschließung eines größeren Gasfelds. Solche Vorhaben dürften vor dem Hintergrund der jüngsten Turbulenzen auf dem globalen Energiemarkt verstärkt Aufmerksamkeit auf sich ziehen – nicht nur aus industriepolitischer Sicht, sondern auch mit Blick auf die Versorgungssicherheit in Europa.
Zwar werden neue europäische Gasprojekte die Importabhängigkeit des Kontinents kurzfristig kaum grundlegend verändern. In einem Marktumfeld, das von volatilen Preisen, fragilen Lieferketten und geopolitischen Risiken geprägt ist, wächst jedoch ihr strategischer Wert. Damit werden neben den großen internationalen Öl- und Gaskonzernen auch kleinere Akteure in Europa wie CanCambria interessant, die an einer Ausweitung des heimischen Angebots arbeiten.

