Gehen den USA in zwei Monaten die Seltenen Erden aus?
Die Berichte sind brisant. Wie die South China Morning Post und Reuters berichten, könnten die US-Reserven an Seltenen Erden, die in der Rüstungsproduktion benötigt werden, bereits in zwei Monaten ausgeschöpft sein.
Bestimmte Seltenerdmetalle sind in der Rüstungsindustrie unabkömmlich und werden z. B. für die Lenkung von Raketen, den Antrieb von Drohnen, die Elektronik von Kampfflugzeugen und für Radarsysteme benötigt.
Keine Seltenen Erden mehr: Entscheidet Peking über US-Vorgehen im Iran?
Es ist kein Geheimnis, dass die Nachfrage des US-Militärs nach Waffensystemen, in denen solche Seltenerdmetalle verbaut sind, infolge des Iran-Kriegs deutlich gestiegen ist. Schließlich wurden seit Kriegsausbruch hunderte von Raketen und präzisionsgelenkten Waffen im Wert von Milliarden Dollar eingesetzt.
Bei der South China Morning Post (aktuelles Werbemotto zur Gewinnung von Abonnenten: "China Super March: The Month that changes everything") klingt der Bericht wenige Wochen vor dem geplanten Besuch von US-Präsident Donald Trump dramatisch: Anonyme Quellen hätten den Zeitraum von zwei Monaten an verbleibenden US-Seltenerdreserven genannt und berichtet, dass Lieferungen aus China die Gespräche bereits im Vorfeld dominieren würden. Die starke Abhängigkeit Washingtons bedeute den Quellen zufolge, dass Peking entscheiden könne, wie lange die US-Aktivitäten im Iran andauerten.
Auch Reuters berichtet – unter Berufung auf Branchenkenner –, dass sich Zulieferer von US-amerikanischen Luft- und Raumfahrt- sowie Halbleiterunternehmen mit Engpässen konfrontiert sehen und bereits Kunden abgewiesen hätten. Explizit nennt die Agentur die Seltenerdelemente Yttrium und Scandium. Yttrium wird z.B. für Beschichtungen in Motoren und Turbinen verwendet und schützt diese vor dem Schmelzen.
Die Lieferungen aus China in die USA sind weitgehend zusammengebrochen, auch wenn Exportbeschränkungen zumindest formal wieder gelockert wurden. Die Volksrepublik exportierte laut Zolldaten in den acht Monaten nach Einführung der Kontrollen im vergangenen April 17 Tonnen Yttriumprodukte in die USA, verglichen mit 333 Tonnen in den acht Monaten vor den Maßnahmen.
Yttrium und Scandium werden knapp
Die Abhängigkeit der USA von Seltenerdimporten ausgerechnet vom geopolitischen Konkurrenten Nr. 1 ist nicht neu, kurzfristig aber kaum zu ändern. Die USA haben über Jahrzehnte ein Abwandern der gesamten Lieferkette ins Ausland toleriert, wodurch Peking nun die Lieferkette dominiert.
Auch heute noch stammen viele der in westlichen Verteidigungssystemen verwendeten Seltenen Erden aus chinesischen Verarbeitungsbetrieben. In den USA ist der Einsatz von Magneten aus Seltenen Erden chinesischer Herkunft ab 2027 untersagt. Das Verbot jedoch schafft noch keinen Ersatz.
"Man kann keinen Krieg des 21. Jahrhunderts mit Lieferketten des 20. Jahrhunderts führen", sagt REalloys CEO Lipi Sternheim. "Moderne Waffensysteme basieren auf Materialien, die schwer zu beschaffen, schwer zu verarbeiten und schwer zu ersetzen sind, sobald die Lagerbestände knapp werden."
REalloys arbeitet daran, die US-Lieferkette für Seltene Erden wieder aufzubauen. Diese umfasst die Gewinnung von Seltenerdkonzentrat und dessen Reduzierung zu reinem Seltenerdmetall. Gerade der zweite Schritt ist herausfordernd: Jahrzehntelang fand die Umwandlung von Oxid zu Metall nahezu ausnahmslos in China statt.
"Die Metallisierung ist außerhalb Chinas der am wenigsten entwickelte Teil der Wertschöpfungskette", sagte Tim Johnston, Mitbegründer von REALloys. "Sie erfordert fundiertes operatives Know-how und Prozessleitsysteme, die komplexe Variablen in der kontinuierlichen Produktion bewältigen können. Selbst mit Kapital und starker Umsetzung dauert es in der Regel drei bis sieben Jahre oder länger, diese Kompetenzen zu replizieren, und birgt erhebliche technische und qualifikationstechnische Risiken."
REalloys will US-Seltenerdlieferkette wiederbeleben
REallyos hat in Euclid, im US-Bundesstaat Ohio, bereits eine Anlage zur Metallisierung in Betrieb genommen. Zudem entwickelt das Unternehmen eine Produktionsanlage für Permanentmagnete.
Bislang reichen die Bemühungen einzelner Unternehmen jedoch nicht aus, um die US-Abhängigkeit von Seltenen Erden zu reduzieren. Kevin Michaels, Spezialist für die Lieferkette in der Luft- und Raumfahrt etwa sagt, die Hersteller von Triebwerken seien besorgt. Triebwerkshersteller melden bereits jetzt Schwierigkeiten, die Nachfrage der Fluggesellschaften nach Ersatzteilen und die gestiegene Produktion der Flugzeughersteller Boeing und Airbus zu decken.
Neben der Rüstungs- leidet auch die Halbleiterindustrie unter Chinas Dominanz. So kam es in den letzten Monaten bei US-Chipherstellern zu Verzögerungen bei der Erteilung neuer Scandium-Exportlizenzen aus China. Nahezu alle großen US-amerikanischen Halbleiterhersteller sind auf Scandium angewiesen, um Chipkomponenten herzustellen.

