So wirkt sich der Iran-Krieg auf Gold, Kupfer, Eisenerz und Aluminium aus
Aluminium: Die ING warnt in einem aktuellen Bericht, dass ein eskalierender Konflikt im Nahen Osten die Preise im schlimmsten Fall auf über 4.000 USD pro Tonne treiben könnte. Aktuell liegt der Preis bei 3.430 USD pro Tonne, nachdem Ende Februar vor Kriegsausbruch noch rund 2.700 USD pro Tonne gezahlt wurden.
Der Nahe Osten produziert jährlich etwa 6–6,5 Mio. Tonnen Aluminium, was bedeutet, dass die aktuellen Störungen fast 8–9 % der regionalen Versorgung betreffen. Aluminium Bahrain (Alba) hat die Reduktionslinien 1–3 schrittweise stillgelegt, was etwa 19 % der Jahreskapazität von 1,6 Mio. Tonnen entspricht. Qatalum arbeitet derzeit mit rund 60 % seiner Kapazität. Insgesamt sind nun rund 560.000 Tonnen der jährlichen Aluminiumproduktionskapazität in der Golfregion betroffen.
Die Situation könnte sich dramatisch verschärfen, da die Hütten in der Region von Bauxitlieferungen abhängig sind, die über das Meer geliefert werden. Die ING schätzt, dass die Lagerbestände in der dritten Kriegswoche bereits weitgehend aufgebraucht sind. Analystin Ewa Manthey weist zudem darauf hin, dass die Wiederinbetriebnahme von Elektrolyseanlagen nach deren Stilllegung sechs bis zwölf Monate dauern kann, was bedeutet, dass die Versorgungsengpässe auch dann anhalten können, wenn sich die geopolitische Lage verbessert.
Auch die Analysten von Wood Mackenzie rechnen mit steigenden Aluminiumpreisen. Bereits im Februar waren sie für 2026 von einem globalen Marktdefizit von 200 kt ausgegangen, das bis 2028 auf 800 kt ansteigen sollte. "Es gibt keine praktikablen Möglichkeiten, die Verluste durch unterbrochene Schifffahrt oder längere Produktionsausfälle auszugleichen. Angebotsengpässe in einem Markt, der sich bereits in Richtung eines Defizits entwickelt, werden letztendlich zu höheren LME-Preisen und steigenden physischen Prämien führen."
Eisenerz und Stahl: Der Konflikt hat weitreichendere Auswirkungen auf Eisenerz und Stahl, da der Nahe Osten eine Schlüsselrolle als Drehscheibe für die Stahlherstellung aus reduziertem Eisen spielt. Der Iran war 2025 der weltweit sechstgrößte Eisenerzproduzent und ein bedeutender Lieferant von hochwertigem Konzentrat und Pellets, vorwiegend für China. "Zwar liegen die wichtigsten Minen in abgelegenen Regionen im Landesinneren, wodurch direkte physische Angriffe unwahrscheinlicher sind, doch die sie versorgende Infrastruktur – Stromnetze, Übertragungskapazitäten und Logistikkorridore – wird durch die jüngsten Angriffe stark belastet", heißt es im Bericht von Wood Mackenzie.
Auch für den Stahlmarkt ist der Iran hochrelevant: Das Land exportiert jährlich rund 4 Mio. Tonnen Fertigstahl und 7–8 Mio. Tonnen Halbzeuge, was etwa 11 % des weltweiten Halbzeughandels entspricht. "Der Markt wird voraussichtlich nicht auf tatsächliche Lieferengpässe warten; das Risiko wird sich rasch einpreisen und dem Stahlmarkt, der seit Jahresbeginn im Aufwind ist, zusätzlichen Schwung verleihen", erwarten die Woodmac-Analysten.
Kupfer: Die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf den Kupfermarkt sind überschaubar, da der Iran selbst nur wenig Kupfer produziert und auch die Minen im Oman und in Saudi-Arabien relativ klein und weit von der Konfliktlinie entfernt sind. Der Nahe Osten insgesamt steht für 3 % der globalen Kupfernachfrage. Sollte diese signifikant zurückgehen, dann wegen indirekter Effekte eines andauernden Krieges.
Gold: Der Goldpreis hat in den letzten Wochen viele Anleger enttäuscht: Direkt nach Kriegsausbruch kam es zwar zu Kursgewinnen bis in den Bereich von 5.400 USD pro Feinunze, ein neues Allzeithoch wurde jedoch nicht erreicht. Danach entwickelte sich der Goldpreis zunächst seitlich, um in den vergangenen Handelstagen deutlich auf 4.825 USD am späten Mittwochabend zurückzugehen.
Hat Gold damit als sicherer Hafen versagt, weil es zuvor zu stark von Momentum und Spekulation getrieben wurde? Diese Erklärung findet sich zwar mitunter, doch es gibt genügend andere Erklärungen für das Muster des Kursrückgangs bei Gold, das sich auch kurz nach Eintritt anderer Krisen in der Vergangenheit bereits gezeigt hat.
So lösten die Kursverluste an den Aktienmärkten Margin Calls aus, die viele Investoren durch den Verkauf von Gold gedeckt haben, wie es z. B. beim Liberation Day 2025 der Fall war. Das Zinsumfeld verschlechtert sich aufgrund wachsender Inflationsgefahren. Dies führte 2022 kurz nach Ausbruch des Ukrainekriegs dazu, dass der Goldpreis seine seit dem Ausbruch erzielten Gewinne wieder abgab. Der Dollar hat wieder zugelegt, was Gold für viele Investoren verteuert.
Ist das glänzende Zeitalter für Gold damit vorbei? Nein, schreibt UBS-Investmentchef Mark Haefele in einem Marktkommentar. "Je länger der US-Iran-Konflikt andauert, desto höher ist das Risiko negativer wirtschaftlicher Auswirkungen, was die Absicherungsnachfrage nach Gold stützen sollte."

