Washington baut mit Milliarden an neuen Lieferketten für Lithium und Seltene Erden
Die USA haben seit Januar 2025 mehr als 1 Mrd. USD in kritische Rohstoffprojekte in Lateinamerika gelenkt. Im Mittelpunkt stehen Lithium, Kupfer und Seltene Erden, also Metalle und Mineralien, die für Batterien, Stromnetze, Rüstung und Hochtechnologie benötigt werden. Der Schritt zeigt, wie stark sich der Blick auf den Bergbau verändert hat. Es geht nicht mehr nur um die Energiewende, sondern zunehmend um Versorgungssicherheit und geopolitische Kontrolle.
Wie der Branchendienst The Northern Miner unter Berufung auf die Kanzlei White & Case berichtet, fließen die Mittel vor allem über Kredite, Beteiligungen und langfristige Abnahmeverträge. Ziel ist es, Förderprojekte in Brasilien und Argentinien stärker in Lieferketten einzubinden, die politisch und wirtschaftlich enger mit den USA verbunden sind.
Brasilien und Argentinien im Fokus
Lateinamerika steht im Zentrum dieser Strategie, weil die Region rund 60 % der weltweiten Lithiumreserven hält. Besonders Brasilien und Argentinien ziehen derzeit verstärkt internationale Investitionen an. Beide Länder verfügen über große Lagerstätten und versuchen zugleich, mehr Wertschöpfung im eigenen Land aufzubauen.
Brasilien besitzt nach China die zweitgrößten Reserven an Seltenen Erden weltweit. Dennoch liegt die Produktion bislang bei nur etwa 0,02 % der globalen Förderung. Genau darin sehen Investoren erhebliches Wachstumspotenzial. In Minas Gerais hat sich rund um mehrere Projekte bereits ein Cluster gebildet, das den Namen Lithium Valley trägt.
Argentinien setzt parallel stark auf neue Investitionsanreize. Das Programm RIGI (Incentive Regime for Large Investments) gilt seit Juli 2024 für Projekte ab 200 Mio. USD und soll Investoren steuerliche und regulatorische Stabilität bieten.
Der Bergbaukonzern Rio Tinto GB0007188757 852147 erhielt im Mai 2025 als erstes Unternehmen eine Genehmigung im Rahmen dieses Programms für ein Lithiumprojekt in der Provinz Salta mit einem geplanten Investitionsvolumen von 2,5 Mrd. USD.
Finanzierung und Produktion steigen
Mehrere Finanzierungsentscheidungen zeigen bereits die Dynamik des neuen Rohstoffwettbewerbs. Die Interamerikanische Entwicklungsbank genehmigte einen Kredit über 100 Mio. USD für ein Lithiumprojekt in Argentinien mit einem Gesamtvolumen von 2,5 Mrd. USD.
Parallel prüft die US International Development Finance Corporation (DFC) eine Investition von 465 Mio. USD, um die Produktion seltener Erden beim Projekt Serra Verde im brasilianischen Bundesstaat Goiás auszubauen.
Argentinien hat seine Lithiumproduktion bereits deutlich ausgeweitet. Die nationale Kapazität stieg von 75.500 Tonnen pro Jahr im Jahr 2023 auf rund 186.000 Tonnen im Jahr 2025. Die Regierung erwartet einen weiteren Ausbau auf etwa 658.000 Tonnen bis 2035.
Auch der Markt zeigt erste Erholungstendenzen. Batteriefähiges Lithiumkarbonat wurde Anfang Januar 2026 bei rund 18.200 USD je Tonne gehandelt.
Balance zwischen Washington und Peking
Trotz zunehmender US-Investitionen versuchen viele Regierungen in Lateinamerika, geopolitisch zu balancieren. China spielt weiterhin eine dominierende Rolle in der Verarbeitung von Rohstoffen. Vor allem bei Seltenen Erden entfällt mehr als 90 % der weltweiten Verarbeitungskapazität auf China.
Deshalb verfolgen viele Staaten eine pragmatische Strategie und akzeptieren Kapital sowohl aus den USA als auch aus China, solange Projekte schneller entwickelt werden und lokale Industrien profitieren.
Gleichzeitig nimmt der politische Einfluss auf Bergbauprojekte zu. Übernahmen, Genehmigungen und Finanzierungen werden immer häufiger unter geopolitischen Gesichtspunkten bewertet. Ein Beispiel ist der geplante Erwerb brasilianischer Nickelbeteiligungen von Anglo American GB00BTK05J60 A41BF3 durch MMG Ltd., der auch von europäischen Wettbewerbsbehörden geprüft wird.
Kupfer bleibt zentraler Rohstoff
Neben Lithium und Seltenen Erden bleibt Kupfer der wichtigste Investitionstreiber im Bergbau Lateinamerikas. Chile und Argentinien treiben mehrere große Projekte voran, da die weltweite Nachfrage nach dem Metall bis 2035 voraussichtlich nahezu doppelt so hoch sein wird wie heute.
Allein in Chile sollen mehrere neue Kupferminen bereits im kommenden Jahr in Betrieb gehen. Die geplanten Investitionen übersteigen 7 Mrd. USD.
Der zunehmende Wettbewerb um Lithium, Kupfer und Seltene Erden zeigt, dass Rohstoffe wieder eine zentrale Rolle in der internationalen Politik spielen. Geologie, Industriepolitik und geopolitische Strategien entscheiden immer stärker darüber, wo neue Bergbauprojekte entstehen und wer die Kontrolle über künftige Lieferketten gewinnt.

