Macquarie erwartet Nickeldefizit durch indonesische Förderbremse
Nickel könnte in diesem Jahr knapper werden als bisher gedacht. Der Grund: Indonesien – weltweit größter Förderer und Exporteur – hat die Ausfuhrquoten drastisch reduziert. Die australische Investmentbank Macquarie sieht deshalb erstmals seit Jahren ein mögliches Angebotsdefizit im Markt.
Strengere Quoten treiben Preise nach oben
Bereits im Dezember 2025 hatte die Regierung in Jakarta deutlich strengere Förder- und Exportregelungen für Nickel angekündigt. Ziel: Die Preise stabilisieren und eine weltweite Überversorgung eindämmen. Der Effekt ließ nicht lange auf sich warten. Seit Jahresbeginn stiegen die Preise für Nickelmetall, Nickel Pig Iron (NPI), Nickelerz und Nickelsulfat spürbar an. Laut Macquarie ist insbesondere der Preis für NPI um rund 3.000 USD pro Tonne gestiegen – ein deutliches Signal für die Verknappung.
Die Notierungen an der London Metal Exchange (LME) bewegen sich laut Macquarie derzeit in einer Spanne zwischen 17.000 und 18.000 USD je Tonne. Die Analysten sehen in dieser Zone einen möglichen Preisboden.
Produktionsausfälle verschärfen den Trend
Die Engpässe werden zusätzlich durch Probleme auf der Angebotsseite verschärft. So ist im Januar und Februar die Produktion von NPI im Vergleich zum Vorjahr um 10 % gefallen. Ursachen seien laut Macquarie schwächere Erzgehalte und der Trend, Öfen vermehrt auf die Herstellung von Nickelmatte umzustellen – ein Zwischenprodukt mit höheren Erlösen.
Hinzu kommen externe Störungen: Ein Unfall an einem Tailing-Damm im wichtigen Bergbaugebiet Morowali sowie Engpässe bei der Schwefelversorgung aus dem Nahen Osten beeinträchtigen die Produktion von Mischhydroxidpräzipitat (MHP), einem Zwischenprodukt für die Batterieindustrie.
Markt droht ins Minus zu rutschen
Noch vor wenigen Monaten war für 2026 ein weltweiter Nickelüberschuss erwartet worden. Japans Sumitomo Metals hatte im vergangenen Jahr sogar ein Plus von 256.000 Tonnen prognostiziert. Nun dreht sich das Bild. Die Macquarie-Strategen um Jim Lennon gehen davon aus, dass die geplanten Produktionssteigerungen ausbleiben – und damit ein Defizit entstehen könnte. Ursprünglich hatte Macquarie selbst noch mit einem Überschuss von 90.000 Tonnen gerechnet.
Neue Projekte geraten ins Stocken
Auch Indonesiens eigene Industriepolitik könnte unbeabsichtigte Nebenwirkungen zeigen. Der Aufbau neuer Kapazitäten stockt, unter anderem durch Lieferprobleme bei Rohstoffen wie Schwefel. Gleichzeitig plant der indonesische Hersteller Merdeka Battery zwei neue HPAL-Anlagen (High Pressure Acid Leach), die Nickel aus späteritischen Erzen für Batteriezwecke verarbeiten sollen. Wann diese Projekte anlaufen, ist offen.
Für die Weltmärkte bedeutet das: Das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage ist fragil geworden. Der Nickelpreis reagiert entsprechend empfindlich auf politische und logistische Veränderungen – und könnte auch in den kommenden Monaten weiter steigen.

