Westliche Lithiumproduktion: Aufwuchs mit Licht und Schatten

Westliche Lithiumproduktion: Aufwuchs mit Licht und Schatten picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Rodrigo Abd

Großbritanniens erste Lithiumanlage im kommerziellen Maßstab hat ihren Betrieb aufgenommen: Geothermal Engineering in Redruth in Cornwall will laut einem Bericht der FT zunächst 100 Tonnen Lithium pro Jahr produzieren – genug für etwa 2.000 Elektrofahrzeuge.

Die Produktion soll jedoch rasch erhöht werden – auf mehr als 18.000 Tonnen jährlich innerhalb des nächsten Jahrzehnts. Dafür werden 640 Millionen GBP an zusätzlichen Investitionen benötigt. Die Anlage von GEL gewinnt Lithium aus mineralreichen Flüssigkeiten im Untergrund und betreibt zur Energieversorgung ein Geothermalkraftwerk, das zeitgleich in Betrieb genommen wurde.

GEL-Gründer Ryan Law hält die Produktion auch aufgrund der Art der Energieversorgung für preislich wettbewerbsfähig. "Wir können problemlos mit den Produkten aus China konkurrieren."

Verzögerungen bei Green Lithium und Imerys

Die britische Regierung will bis zum Jahr 2035 jährlich 50.000 Tonnen Lithium im Inland produzieren. Neben GEL rücken auch andere Akteure dieses Ziel ein Stück weit näher. Cornish Lithium produziert in seiner Demonstrationsanlage seit Oktober Proben von Lithiumhydroxid und will die kommerzielle Produktion im Jahr 2029 starten. 2030 sollen 20.000 t produziert werden.

Green Lithium will im kommenden Jahr eine Demonstrationsanlage in Teesside in Betrieb nehmen. Die Produktion soll 2029 starten. Dieser Termin wurde deutlich nach hinten verschoben. Zunächst war 2024 das Ziel.

Green Lithium ist nicht der einzige Akteur, der Verzögerungen meldet. Der französische Konzern Imerys FR0000120859 851898 hat sein Projekt Imerys British Lithium (IBL) in den Wartungsmodus versetzt und die aktive Entwicklung auf absehbare Zeit ausgesetzt.

Die Begründung lässt aufhorchen: "Dies war eine schwierige, aber notwendige Entscheidung, die die Notwendigkeit widerspiegelt, die Investitionsausgaben an die realen finanziellen Möglichkeiten des Unternehmens anzupassen", sagte Alan Parte, Vizepräsident für Lithiumprojekte bei Imerys.

Robert Searle, leitender Analyst beim Branchendienst Fastmarkets, sieht hinter der Entscheidung von Imerys ein strukturelles Problem. Der Schritt "unterstreicht die anhaltenden Herausforderungen und Unsicherheiten auf dem europäischen Lithiummarkt – und dem breiteren Markt für Elektrofahrzeuge und Energiespeichersysteme."

Trotz eines Aufschwungs der globalen Lithiumpreise seit November 2025 und der Erwartung eines engeren Marktes in den nächsten zwei Jahren belaste die Unsicherheit hinsichtlich der realen Nachfrage weiterhin die Projektentwicklung. "Dies gilt insbesondere angesichts des anhaltenden Investitionsmangels bei der Herstellung von Kathoden-Aktivmaterial in Europa."

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Rückschläge auch in Australiens Lithiumproduktion

Auch in anderen westlichen Ländern läuft der Hochlauf der Lithiumproduktion nicht so glatt wie erhofft. Albemarle US0126531013 890167 gab diesen Monat die Schließung des Verarbeitungswerks im australischen Kemerton bekannt – mit der Begründung, dass der jüngste Preisanstieg auf dem Lithiummarkt "nicht ausreicht, um die Herausforderungen auszugleichen".

Auch Covalent Lithium, ein 50:50-Joint-Venture von Wesfarmers AU000000WES1 876755 und SQM US8336351056 895007, musste für die Raffinerie im australischen Kwinana (Produktionsziel: 50.000 Lithiumhydroxid pro Jahr) zuletzt Verzögerungen melden. Der Hochlauf der kommerziellen Produktion wird weiterhin schrittweise vorgenommen.

POSCO Pilbara Lithium hat laut Fastmarkets im Dezember zwei Lithiumhydroxid-Produktionslinien stillgelegt und dies mit schwacher Nachfrage und einer geplanten Anpassung der Lagerbestände begründet.

Ein Grund für die operativen Herausforderungen ist die schwächere Nachfrage nach Lithiumhydroxid im Vergleich zu Lithiumcarbonat. Das Video geht auf die Umstellung vieler Hersteller von EV-Batterien auf Energie-Speichersysteme (ESS) zurück. Der ESS-Sektor wird jedoch laut Fastmarkets-Analyst Conor Woods überwiegend von LFP Chemie dominiert, die typischerweise Lithiumcarbonat verwendet.

Diese Entwicklung betrifft vor allem die USA, wo die Streichung der Subventionen für E-Fahrzeuge im September 2025 zu einem deutlichen Rückgang der Nachfrage geführt hatte. "Unternehmen wie Ford und Stellantis kündigten Pläne an, ihre Produktionskapazitäten für Elektroauto-Zellen auf den US-amerikanischen Markt für Energiespeichersysteme (ESS) umzustellen", so Watts.

Analysten führen im Hinblick auf den europäischen Markt an, dass Autohersteller bislang wenig Bereitschaft gezeigt hätten, für Lithium aus Europa höhere Preise zu zahlen. Luc Braun von Benchmark Mineral Intelligence glaubt zwar, dass die Hersteller die höheren Kosten grundsätzlich auffangen können, warnt jedoch vor Kostensteigerungen infolge der in den Westen verlagerten Lieferketten.