Exportstopp in Zimbabwe bringt chinesische Lithiumversorgung unter Druck
Der plötzliche Exportstopp für Lithiumkonzentrate in Zimbabwe sorgt für Turbulenzen auf dem Weltmarkt. Der meistgehandelte Lithiumcarbonat-Kontrakt an der Börse in Guangzhou legte am Donnerstagmorgen um über 6 % auf 178.020 CNY je Tonne zu. Kurzzeitig kletterte der Preis sogar um über 9 % auf 187.700 CNY, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Grund ist die überraschende Entscheidung der Regierung in Harare, sämtliche Exporte unverarbeiteter Mineralien ab sofort zu unterbinden.
Zimbabwe ist der größte Lithiumproduzent Afrikas und exportierte im Jahr 2025 rund 1,5 Mio. Tonnen Lithiumkonzentrat – der Großteil ging nach China. Die Maßnahme trifft insbesondere chinesische Unternehmen wie Zhejiang Huayou Cobalt und Sinomine Resource Group, die in den vergangenen Jahren hunderte Millionen USD in lokale Minenprojekte investiert haben.
Anlagen fehlen, Politik überrascht
Obwohl Zimbabwe bereits 2022 ein Exportverbot für Roherz beschlossen hatte, kam der vollständige Stopp nun unerwartet. Die Regierung hatte ursprünglich angekündigt, Exporte von Lithiumkonzentraten erst ab Januar 2027 einzustellen. Verarbeitungsanlagen für den Rohstoff existieren bislang kaum – das Land ist infrastrukturell nicht vorbereitet. Damit entsteht ein Vakuum zwischen politischem Anspruch und wirtschaftlicher Realität.
"Die Regierung handelt zu spät und zu hastig", kritisierte Farai Maguwu vom Centre for Natural Resource Governance (CNRG). Laut Maguwu profitierten bislang vor allem ausländische Investoren von der Ausfuhrstrategie, während Zimbabwe kaum Wertschöpfung generieren konnte.
Investitionen unter Zeitdruck
Um den Rückstand aufzuholen, forcieren chinesische Investoren den Aufbau lokaler Verarbeitungskapazitäten. Prospect Lithium Zimbabwe, ein Tochterunternehmen von Huayou Cobalt, steht kurz vor der Inbetriebnahme einer Anlage zur Herstellung von Lithium-Sulfat, einer Vorstufe für Batterien. Die Investitionssumme liegt bei 400 Mio. USD. Die Anlage soll jährlich 400.000 Tonnen verarbeiten.
Ein weiteres Werk mit einer Kapazität von 600.000 Tonnen ist durch Mutapa Energy Minerals, eine staatliche Gesellschaft Zimbabwes, in Planung. Auch Sinomine prüft derzeit den Bau einer eigenen Raffinerie, das Projektvolumen liegt bei etwa 500 Mio. USD.
Wertschöpfung versus Kontrolle
Laut US Geological Survey stieg die globale Lithium-Nachfrage im Jahr 2025 um 20 %. Haupttreiber sind Elektroautos und stationäre Energiespeicher – insbesondere in China und Europa. Zimbabwe verzeichnete durch den Lithiumboom Einnahmen von 571,6 Mio. USD allein aus Exporten.
Doch mit wachsender Nachfrage wächst auch der Ruf nach fairen Bedingungen für Förderländer. Ökonom Godfrey Kanyenze warnt: "Zimbabwe muss aus den Fehlern der Vergangenheit lernen." Er bemängelt mangelnde Kontrolle und Transparenz in chinesisch betriebenen Minen – etwa bei Produktionsmengen, Arbeitsbedingungen oder Umweltschutz.
Die Kritik an Zimbabwes Politik ist laut – und nicht unbegründet. Während Länder wie Norwegen oder Botswana mit strategischer Rohstoffpolitik langfristige Einnahmen sichern, habe Zimbabwe zu oft zugesehen, wie andere profitierten. Der aktuelle Kurswechsel könnte ein Anfang sein – wenn er von konsequenter Umsetzung begleitet wird.

