Wood Mackenzie: Große Bergbau-Investments bleiben auch 2026 die Ausnahme
Ein aktueller Bericht von Wood Mackenzie nennt zwei bedeutende Ereignisse im gerade begonnenen Jahr, die für die Weltwirtschaft insgesamt und auch für die Rohstoffmärkte bzw. Metalle und Bergbau höchst relevant werden könnten: Chinas 15. Fünfjahresplan im ersten Halbjahr und die Zwischenwahlen in den USA im Herbst.
Pekings Fünfjahresplan und US-Midterms beeinflussen die Rohstoffmärkte
Von China erwarten die Analysten vor dem Hintergrund der angekündigten politischen Wende "Initiativen, die Ersparnisse aus den Matratzen locken und gleichzeitig das infrastrukturgetriebene Wachstum zurückfahren", heißt es wörtlich in dem Bericht. Der Balanceakt werde zwar eine Herausforderung: Doch die Volksrepublik habe schon andere komplexe Aufgaben erfolgreich bewältigt.
Für den Metall- und Bergbausektor seien die konkreten Auswirkungen der politischen Signale Pekings aus dem Dezember entscheidend. "Eine deutliche Ausweitung der Verbraucher-Trade-in-Programme, andere Maßnahmen oder sogar eine Hypothekenförderung würden sich positiv auf die Nachfrage auswirken."
Von den Midterms in den USA erwartet Wood Mackenzie schon in der ersten Jahreshälfte spürbare Einflüsse – wobei die konjunkturellen Aussichten sich eher eintrüben. "Wenn die Umfragen angesichts der endlich spürbaren Inflation schlechter ausfallen, wird es schwierig sein, eine unterstützende Fiskalpolitik in einem gelähmten Kongress durchzusetzen, und die Fed wird sich noch schwerer tun, weitere Zinssenkungen zu beschließen."
Zudem sei mit weiteren Marktverwerfungen durch Zölle zu rechnen. Der Bericht nennt hier zwei wesentliche Unsicherheiten: Den Obersten Gerichtshof in den USA und das Handelsabkommen mit China, das bis November abgeschlossen werden soll.
"Wandel von Molekülen zu Elektronen leitet metallintensive Ära ein"
Die Nachfrage nach Strom steigt durch weitreichende Elektrifizierung, KI und weitere Trends – mit direkten Folgen für die Metallmärkte. Der "Wandel von Molekülen zu Elektronen" läutet demnach eine "metallintensive Ära ein, die sich von der Stromerzeugung über die Speicherung bis hin zur Energienutzung erstreckt."
2026 könnte die Sicht auf einige technologische Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Rohstoff- und Metallnachfrage aufklaren. "Bei den Batteriematerialien könnte sich im kommenden Jahr zeigen, ob die nächste Generation von Festkörperbatterien oder zumindest bedeutende Schritte in diese Richtung der kommerziellen Realität näherkommen", prognostizieren die Analysten.
Zudem werde das Verständnis von KI klarer, wodurch es zu "mehr Klarheit hinsichtlich der Materialverwendung und unerwarteten Effizienzsteigerungen" kommen könnte. Gerade im Hinblick auf KI ergeben sich hier interessante Fragestellungen, wenn es zu Effizienzsteigerungen kommt.
Diese Effizienzsteigerungen könnten "zu einem Jevons-Paradoxon führen, bei dem die Effizienzsteigerung die Nachfrage nach Rohstoffen in die Höhe treibt" – oder Sparsamkeit und Substitution begünstigen. "Die Antwort darauf wird die langfristigen Verbrauchsmuster prägen."
Für die meisten Metalle seien die längerfristigen Preisaussichten besser als die aktuellen Bedingungen, was auf das auch 2026 bestehende Überangebot zurückzuführen sei. "Kupfer bleibt die Ausnahme, da anhaltende Versorgungsengpässe die Preise stützen dürften, während Gold und Silber weiterhin von der Nachfrage nach sicheren Anlagen, den Käufen der Zentralbanken und der allgemeinen Marktunsicherheit profitieren."
"Vorstände hüten sich davor, den Markt zu überschätzen"
Trotz teilweise hoher Metallpreise sieht Wood Mackenzie 2026 keinen Investitionsschub im Bergbau. "Angesichts der größeren Volatilität und Unsicherheit bleiben die Vorstände vorsichtig und hüten sich davor, den Markt zu überschätzen. Dies führt zu einer Verzerrung bei der Erzielung von Kapitalrenditen, und M&A könnten als risikoärmere Option erscheinen als organisches Wachstum." Prozesse würden auch dadurch verzögert, dass rohstoffreiche Länder ihre Partner sorgfältiger auswählten.
Dort, wo Angebot nicht an den Markt komme, drohe ein Nachfragerückgang. "Es werden alternative Materialien verwendet oder andere Ansätze zur Erfüllung derselben Funktion gelernt, insbesondere wenn die Preise hoch sind. Dieses Beispiel zeigt sich bereits bei Kupfer und Aluminium und gilt für alle Materialien. Handelsbarrieren verschärfen dieses Risiko (…)", heißt es in dem Bericht.