Kongo legt Liste strategischer Rohstoffprojekte für US-Beteiligung vor
Die Demokratische Republik Kongo hat den USA eine exklusive Liste mit staatlichen Rohstoffprojekten übermittelt, die für Investitionen freigegeben werden sollen. Ziel ist es, die jüngst intensivierten Beziehungen im Rahmen eines Rohstoffabkommens mit konkreten Projekten zu untermauern. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei hochrangige kongolesische Regierungsvertreter.
Laut den Angaben handelt es sich um ungebundene Beteiligungen aus dem Besitz staatlicher Unternehmen – darunter Vorkommen von Mangan, Kupfer, Kobalt, Gold, Lithium und weiteren strategischen Metallen. Die Liste sei vergangene Woche an US-Vertreter übergeben worden und durchlief zuvor mehrere Phasen interner Prüfung, wie die beiden Quellen betonen.
Fokus auf seltene Metalle und ungebundene Vorkommen
Aufgeführt sind unter anderem das Mangan-, Gold- und Kassiteritprojekt in Kisenge, das Kupfer-Kobalt-Projekt Mutoshi der staatlichen Bergbaugesellschaft Gecamines sowie ein Germanium-Verarbeitungsbetrieb. Auch die Goldlizenzen von Sokimo, Lithium-Vorkommen der Cominiere und Coltan-, Wolframit- und Goldrechte der Sakima stehen auf der Liste.
Ein zentraler Punkt: Nur Projekte, die nicht bereits durch Farm-Outs oder Joint Ventures vergeben sind, werden angeboten. Damit bleiben bestehende Verpflichtungen gewahrt, während neue Investitionsoptionen für US-Unternehmen geschaffen werden.
Die Leitung auf kongolesischer Seite übernimmt laut einem Reuters vorliegenden Regierungsdokument eine hochrangig besetzte Gruppe um den Vizepremierminister für Wirtschaft Daniel Mukoko Samba sowie die Ministerien für Finanzen, Bergbau und Außenpolitik.
Geopolitischer Wettlauf mit China im Hintergrund
Die strategische Stoßrichtung ist klar: Die USA wollen ihre Abhängigkeit von China bei kritischen Mineralien verringern. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur verarbeitet China zwischen 47 % und 87 % der weltweiten strategischen Metalle – darunter auch das für Batterien essenzielle Lithium sowie Kobalt, das vor allem in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut wird.
Chinesische Bergbaukonzerne wie CMOC, Zijin und Huayou sind dort bereits tief verwurzelt. CMOC ist laut Reuters der weltweit größte Kobaltexporteur mit Schwerpunkt in Kongo.
Washingtons Antwort auf diese Dominanz ist ein wachsendes Engagement in rohstoffreichen Ländern, das über Diplomatie hinausgeht. Die staatliche US-Entwicklungsbank Development Finance Corporation hat nicht nur eine Marketingpartnerschaft mit Gecamines geschlossen, sondern unterstützt auch mit 553 Mio. USD die Modernisierung des sogenannten Lobito-Korridors – einer zentralen Exporttrasse für Rohstoffe aus dem Binnenland.
Nächste Schritte liegen beim gemeinsamen Lenkungsausschuss
Die Umsetzung der Partnerschaft soll ein neu eingerichteter gemeinsamer Lenkungsausschuss mit Vertretern beider Länder übernehmen. Erste Treffen sind laut den kongolesischen Quellen in Planung. Dabei dürfte es nicht nur um Projektfinanzierung, sondern auch um regulatorische und rechtliche Details gehen. Laut den Quellen wird "alles im Einklang mit kongolesischem Recht" vorbereitet.
Noch halten sich beide Regierungen offiziell bedeckt. Auf Anfrage von Reuters wollten weder die Regierung in Kinshasa noch das US-Außenministerium Stellung nehmen.
Ein unmittelbarer Durchbruch ist nicht garantiert. Doch die Initiative zeigt, wie ernsthaft der Kongo bereit ist, mit dem Westen zusammenzuarbeiten – nicht zuletzt, um im globalen Rohstoffspiel mehr Verhandlungsmacht gegenüber bestehenden Partnern zu gewinnen.

