Kapitalströme im Bergbau umgehen "Superregion" – zum Vorteil Chinas
Laut dem Future Minerals Barometer Report 2025 erreichten Fusionen und Übernahmen im Bergbausektor in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 ein Volumen von rund 30 Mrd. USD. Die Finanzströme waren dabei regional allerdings höchst unterschiedlich verteilt: 74 % der Transaktionssumme entfielen auf Süd- und Mittelamerika.
Demnach besteht eine bemerkenswerte Kluft zwischen Investitionen und Rohstoffvorkommen, wodurch sich die langfristigen Versorgungsrisiken erhöhen. Mehr als 50 % der globalen Reserven an kritischen Mineralien befinden sich in der sogenannten Superregion, die Afrika, Westasien und Zentralasien umfasst. Dort jedoch sind auch die geringsten Explorationsausgaben zu verzeichnen.
Kapital fließt in stabile Jurisdiktionen
Dem Bericht zufolge haben die Transaktionswerte in Süd- und Mittelamerika seit 2021 um mehr als 200 % zugelegt. In Afrika ist dagegen ein Rückgang um 80 % zu verzeichnen. Der Report führt dies auf regionale Risiken zurück: Kapital fließe in Jurisdiktionen, die als stabil wahrgenommen würden.
Setzt sich dieser Trend fort, kann ein wesentlicher Teil der globalen Mineralvorkommen nicht für den Markt erschlossen werden. Dabei wäre genau dies notwendig: Der Bericht schätzt, dass die Welt bis 2035 kumulierte Investitionen in Höhe von rund 5 Billionen US-Dollar benötigt, um den Bedarf an kritischen Mineralien zu decken. In der Realität liegen die Explorationsausgaben 40-50 % unter dem notwendigen Niveau.
Der geringe Produktivitätszuwachs im Bergbau – McKinsey geht von 1 % jährlich seit 2018 aus – macht den Umweg des Kapitals um risikoreiche Regionen besonders schmerzhaft: Wenn ertragreiche und kostengünstige Lagerstätten aus Risikogründen umgangen werden, sinkt das globale Produktionspotenzial langfristig.
Es wird kaum noch Kupfer entdeckt – auch weil in der Superregion nicht gesucht wird
Der Bericht warnt abermals vor einer Verknappung wichtiger Rohstoffe wie Kupfer, die für Energiewende, KI, Rüstung und weitere Trends zwingend benötigt werden. Die Nachfrage nach den Rohstoffen Kupfer, Lithium, Nickel und Seltenen Erden steigt schneller, als neue Vorkommen erschlossen werden können.
Ein Bericht von S&P Global im Dezember dokumentierte den langfristigen Abwärtstrend bei der Entdeckung neuer Kupfervorkommen. In den 1990er-Jahren entfielen demnach auf 116 Entdeckungen noch 705,3 Millionen Tonnen Kupfer. Im darauffolgenden Jahrzehnt (2000–2009) wurden 101 neue Lagerstätten mit insgesamt 478,1 Millionen Tonnen Kupfer entdeckt. Zwischen 2010 und 2019 sank die Zahl der Entdeckungen drastisch auf nur noch 35 Vorkommen mit 163,3 Millionen Tonnen.
Der Trend verstärkte sich in den vergangenen Jahren sogar noch – müsste dabei dem McKinsey-Bericht zufolge aber dringend durchbrochen werden. Neben politischer Unsicherheit führen jedoch auch lange Genehmigungsverfahren, Infrastrukturlücken und die hohe notwendige Kapitalintensität zu einer riskant langsamen Entwicklung der Pipeline.
Chris Coulter, CEO von GlobeScan, sieht die Superregion vor großen Herausforderungen, macht zugleich aber auch erhebliche Chancen aus, sofern die Lücken in Politik, Finanzierung und Infrastruktur geschlossen würden. Es liegt auf der Hand: Kann der Bergbau in den mineralreichen Regionen einen dauerhaften Wachstumspfad einschlagen, warten hohe Erträge.
Wichtiges usbekisches IPO verschoben
Mehr Schwung in die Region könnten erfolgreiche Börsengänge bringen. Für 2025 war eigentlich das IPO des usbekischen Goldproduzenten Navoi Mining angekündigt. Das für London und Taschkent geplante Doppel-Listing verschiebt sich jedoch trotz zeitweise intensiver Vorbereitung und der erfolgreichen Platzierung von Anleihen – und trotz des denkbar idealen Marktumfelds.
So fällt die Unterstützung durch Präsident Shavkat Mirziyoyev offenbar nicht so entschlossen aus wie zunächst gedacht. Zudem gibt es Sorgen um den Staatshaushalt. Das Beispiel zeigt, dass Investoren in der Region mit größeren Unsicherheiten leben müssen.
Eine weitere Unsicherheit für westliche Bergbauinvestoren in Zentralasien ist China. Peking ist bestrebt, die Kontrolle über die reichen Ressourcen der Region auszuweiten und geht dabei offenbar sehr zielgerichtet vor.
Im August schloss das chinesische Staatsunternehmen National Gold Group ein Abkommen mit dem usbekischen Ministerium für Bergbau und Geologie ab. Dabei geht es um die "geologische Erkundung vielversprechender Gebiete für Edelmetalle und kritische Mineralien."
Peking intensiviert Engagement in Zentralasien
Im Juli hatte der Verband chinesischer Unternehmer in Usbekistan die Einrichtung eines 500-Millionen-Dollar-Investitionsfonds zur Erschließung des Potenzials "grüner Mineralien" angeregt. Im Raum steht zudem der Bau eines metallurgischen Industrieparks in der Nähe der Hauptstadt Taschkent.
In den USA steht der Rohstoffreichtum Zentralasiens hoch im Kurs. Die US-Botschafterin in Kasachstan, Julie Stufft, hatte bereits vor ihrer Ernennung gesagt: "Fast die Hälfte der vom US Geological Survey als kritisch für unsere Wirtschaft und nationale Sicherheit eingestuften Mineralien befindet sich in Kasachstan, und eines meiner Hauptziele wäre es, im Falle meiner Bestätigung US-Investitionen in diesem Sektor sicherzustellen."
Mittlerer Korridor müsste für mehr westlichen Einfluss entwickelt werden
Die Eindämmung des chinesischen Einflusses im Mineraliensektor der Region müsse eine Priorität der US-Außenpolitik sein. Auch andere hochrangige Beamte und Regierungsmitglieder hatten sich in dieser Richtung geäußert, darunter Außenminister Marco Rubio.
Einfach wird es für die USA aber nicht. "Bei genauerer Betrachtung der Region, ihrer Infrastruktur, ihrer Regierungsführung, ihrer Topographie und ihrer geopolitischen Komplexität ergeben sich zahlreiche Herausforderungen für US-Unternehmen", notierten Analysten des Atlantic Council im vergangenen Jahr in einem Bericht.
Insbesondere die Kapazität des Transitznetzes, des sogenannten Mittleren Korridors, erweist sich aus westlicher Sicht als Nadelöhr. Die begrenzte Kapazität und die hohen Transportkosten "bieten US-Unternehmen kaum strategische Vorteile und setzen Investoren gleichzeitig erheblichen finanziellen und geopolitischen Risiken aus", so die Analyse.
Hier sind neben politischen Weichenstellungen Investitionen erforderlich, die eine Studie des European Institute for Asian Studies 2024 auf 18,5 Mrd. EUR taxierte.

