Edelmetalle profitieren von politischem Druck auf US-Notenbank
Gold und Silber haben zum Wochenstart neue Rekorde aufgestellt. Der Goldpreis erreichte am Montag mit 4.625,34 USD je Feinunze ein Allzeithoch. Silber legte noch stärker zu und markierte mit 85,73 USD einen neuen Spitzenwert. Analysten verweisen auf eine Kombination aus politischen Risiken, geldpolitischer Unsicherheit und Angebotsengpässen als Ursache für den Run auf die Edelmetalle.
Politische Angriffe auf die Fed lassen Märkte beben
Auslöser der Preisrally war eine neue Eskalation im Machtkampf zwischen dem Weißen Haus und der US-Notenbank Federal Reserve. Präsident Donald Trump verschärfte seine Angriffe auf Fed-Chef Jerome Powell, der sich nach eigenen Angaben einer Vorladung durch ein Grand Jury und einer möglichen strafrechtlichen Ermittlung gegenübersieht. Hintergrund ist Powells Aussage zu einem 2,5 Mrd. USD schweren Umbauprojekt der Notenbankzentrale.
Die Märkte reagieren sensibel: Der US-Dollar verlor gegenüber anderen Währungen 0,3 %, während die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kurzzeitig auf 4,21 % stieg, bevor sie sich bei 4,18 % stabilisierte. Investoren befürchten eine politische Einflussnahme auf die Zinsentscheidungen der Fed, was langfristig zu höherer Inflation führen könnte.
Anleger flüchten in Sachwerte
"Der Goldpreis spiegelt aktuell eine seltene Kombination aus politischer Unsicherheit, geldpolitischem Druck und geopolitischer Sorge wider", sagte Nour Al Ali, Makrostrategin bei Bloomberg. Auch Charu Chanana von Saxo Markets spricht von einem "institutionellen Risikopremium", das sich in steigenden Edelmetallkursen ausdrücke.
Die Goldrally begann bereits 2025, als der Preis um 65 % zulegte – das stärkste Jahresplus seit 1979. Silber verzeichnete im selben Zeitraum sogar ein Plus von 140 %. Experten sehen keinen schnellen Abbruch der Entwicklung. "Die zunehmende Einmischung in die Arbeit der Fed ist ein entscheidender Kurstreiber", so Carsten Menke von der Julius-Baer-Gruppe.
Silber profitiert zusätzlich von Angebotsengpässen
Neben der politischen Gemengelage wirkt bei Silber ein weiterer Faktor: ein strukturelles Angebotsdefizit. Laut Fitch-Tochter BMI könnte sich das Defizit 2026 weiter verschärfen – getrieben von hoher Investmentnachfrage und robustem industriellen Verbrauch. Die Situation wurde durch Lagerabflüsse nach Spekulationen über US-Zölle zusätzlich belastet.
Der chinesische Silbermarkt verzeichnet aktuell ungewöhnlich starke Zuflüsse. Die Folge: Ein reiner Silberfonds musste laut Medienberichten zeitweise neue Anleger abweisen, weil die Preisaufschläge auf die physischen Reserven als zu riskant galten.
Die aktuellen Preisbewegungen zeigen, wie empfindlich die Märkte auf politische Eingriffe und institutionelle Unsicherheit reagieren – und wie schnell sich diese Spannungen in reale Vermögenspreise übersetzen können.

