Was bedeutet Chiles neuer Präsident José Antonio Kast für den Bergbau?
José Antonio Kast wurde zum neuen chilenischen Präsidenten gewählt und tritt damit die Nachfolge des amtierenden Gabriel Boric an. Der Sieg fiel mit 58 % der Stimmen so deutlich aus wie selten seit 1990, als Chile zur Demokratie zurückkehrte. Politisch bedeutet die Wahl einen Shift: Auf den linksgerichteten Boric folgt mit Kast der laut Wall Street Journal "wohl rechtsgerichtete Präsident seit einer Generation." Kasts dominierende Themen im Wahlkampf: Kriminalität und illegale Einwanderung. Doch was bedeutet der Ausgang der Wahlen für den Bergbau im Land?
Der Status Quo: Chile ist der weltweit größte Kupferproduzent mit einer Produktionsmenge von über 5,5 Millionen Kubikmetern im Jahr 2024. Darüber hinaus ist das Land ein wichtiger Produzent von Lithium, Silber, Gold und Molybdän. Die chilenische Bergbaubehörde Cochilco taxiert die Investitionspipeline des Sektors für den Zeitraum von 2025-2034 auf 104,5 Mrd. USD. Davon entfallen 81 % der Investitionen auf Brownfield-Projekte, verteilt auf 34 % Erweiterungen und 47 % Neupositionierungen. Neuprojekte machen lediglich 19 % der Investitionen aus.
Kast kritisierte im Wahlkampf Stagnation des chilenischen Bergbaus
Kast hatte dem Bergbau in der Andenrepublik langjährigen Stillstand attestiert. In einer Debatte kritisierte er: "Vor zwanzig Jahren förderte Chile 5,4 Millionen Tonnen Kupfer, was 37 % der weltweiten Kupferproduktion entsprach. 2014 wurde prognostiziert, dass die Produktion bis 2025 auf 8,5 Millionen Tonnen steigen würde. Im vergangenen Jahr lag die Produktion jedoch bei lediglich 5,5 Millionen Tonnen, was einem Anteil von nur 24 % am Weltmarkt entspricht. Zwei Jahrzehnte Stagnation, während die weltweite Nachfrage weiter wächst."
Eine konkrete Agenda für den Bergbau gibt es bislang nicht. Zu Kasts wichtigsten politischen Versprechen gehört der Abbau von Bürokratie rund um Projekte (auch im Bergbau) durch die Beseitigung "unnötiger Regulierungen", wie es in seinem Regierungsprogramm heißt.
Der designierte Präsident – Amtsantritt ist am 11. März – strebt eigener Aussage zufolge eine höhere Effizienz und mehr Rechtssicherheit bei Umweltverträglichkeitsprüfungen an und will neue Richtlinien und Verfahren zur Beschleunigung dieser Genehmigungen entwickeln. Er will durch ein digitales Informationsportal für den Bergbau mit wichtigen Brancheninformationen für die Öffentlichkeit und Unternehmen gezielt die Exploration von Bodenschätzen fördern. Der Körperschaftsteuersatz soll von 27 % auf 23 % sinken.
Auch in den für den Bergbau relevanten Sektoren Wasser und Energie hatte Kast im Wahlkampf Pläne angesprochen. Er kündigte an, Ausschreibungen zu beschleunigen und einen Plan für wasserbezogene öffentliche Bauvorhaben zu veröffentlichen. Entsalzungsprojekte, Wassernutzung und Wassermanagement sollen Priorität genießen.
Im Bereich der erneuerbaren Energien verspricht Kast die Diversifizierung des nationalen Strommixes voranzutreiben und die Entwicklung erneuerbarer Technologien zu fördern. In seinem politischen Programm erwähnte Kast insbesondere neue Investitionsmöglichkeiten in Energiespeicherprojekte.
Investitionen in Greenfield-Projekte als Erfolgskriterium
Jorge Cantallopts, Präsident des Zentrums für Kupfer- und Bergbaustudien, sieht die zentrale Herausforderung für Kast in der Beschleunigung von Neuinvestitionen in Greenfield-Bergbauprojekte. Viele Projekte im Bergbauportfolio befänden sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium, eine beschleunigte Umsetzung sei entscheidend für weitere Investitionen.
Der chilenische Politikwissenschaftler und ehemalige Koordinator der Wahlbeobachtungsmissionen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Gastón Alvear, erklärte gegenüber dem lateinamerikanischen Business Intelligence Unternehmen BNAmericas, welche Aufgaben vor Kast liegen.
"Erstens institutionelle Stabilität und Vorhersehbarkeit, denn Märkte schätzen klare Regeln. Zweitens muss das Risiko zwischen Erwartungen und Ergebnissen berücksichtigt werden (…), da es im Kongress und durch gesellschaftlichen Druck Einschränkungen gibt. Drittens muss nachhaltiges Wachstum in einem moderaten makroökonomischen Umfeld ohne fiskalische Schocks oder disruptive Reformen gewährleistet werden (…)."
Bergbaukammer will Wertschöpfung steigern
Aus der Branche kommen konkretere Forderungen. Die chilenische Bergbaukammer etwa schlägt vor, die Wertschöpfung zu steigern – beispielsweise durch Kupferverhüttung. Außerdem fordert sie die Aufhebung der Artikel 7, 8 und 9 des Bergbaugesetzes, um Lithium – ähnlich wie Kupfer – konzessionsfähig zu machen, sowie die Modernisierung der staatlichen Institutionen.
Dazu könnte es kommen: Unter den Kandidaten für die Leitung des nächsten Bergbauministeriums ist mit Jorge Quiroz auch Kasts Wirtschaftsberater. Er gilt als Gegner der Verhandlungen zwischen Codelco und SQM über die Verlängerung der Lithiumgewinnung in der Atacama-Salzwüste bis 2060 und hat stattdessen eine internationale öffentliche Ausschreibung als transparentere Alternative vorgeschlagen.
Günstig für Kast ist das politische Umfeld. Er werde "ein Verbündeter von Präsident Trump sein", prognostizierte das Wall Street Journal. Jennifer Pribble , Politikwissenschaftlerin und Lateinamerika-Expertin an der Universität Richmond, sieht rechtsgerichtete Netzwerke in ganz Amerika gestärkt.

