Kupfer verschwunden: Glencore und Co. kappen Geschäftsbeziehung mit Huludao

Kupfer verschwunden: Glencore und Co. kappen Geschäftsbeziehung mit Huludao

Der Rohstoffriese Glencore kappt seine Geschäftsbeziehungen mit dem chinesischen Metallhändler Huludao Ruisheng, bei dem Kupfer im Wert von 500 Millionen USD offenbar spurlos verschwunden ist. Was sagt das Ereignis über die Entwicklungen auf dem chinesischen Markt aus?

Wie die Financial Times berichtet, kappt Glencore (WKN: A1JAGV, ISIN: JE00B4T3BW64) die Geschäftsbeziehungen mit dem chinesischen Metallhändler Huludao Ruisheng. Das Unternehmen ist mit dieser Entscheidung nicht allein. Auch der in Genf ansässige Rohstoffhändler IXM hat die Lieferungen an den in Hebei ansässigen Händler eingestellt.

Worum geht es? In einem Kupferlager in Qinhuangdao fehlen zwei Drittel des dort eigentlich zu verortenden Kupferkonzentrats. Vorhanden sind lediglich 100.000 t statt der durch Huludao bescheinigten 300.000 t. Dies hatte bereits der Nachrichtendienst Bloomberg Anfang des Monats berichtet.

Finanziert wird das Lager durch 13 chinesische Unternehmen (ein Dutzend davon in Staatsbesitz). Diese fürchten Verluste von bis zu 490 Millionen USD und haben Untersuchungen auf den Weg gebracht. So wurden Delegationen in die Gegend entsandt und die Behörden eingeschaltet.

Hat Huludao Kupferlager wegen Liquiditätskrise geplündert?

Glencore hat zwischenzeitlich Stahlbestände aus Qinhuangdao entfernt und in den Raum Qingdao verlagert, um Risiken im Zusammenhang mit den laufenden Untersuchungen auszuschließen.

Die Financial Times berichtet unter Berufung auf einen in China ansässigen Händler, dass Huludao Ruisheng zusammen mit seiner Schwesterfirma Ningbo Hesheng International Trading Kunden aufgrund einer Liquiditätskrise Kupfer angeboten habe. Huludao erwirbt jährlich bis zu 1 Million t Importkupfer und verkauft es an chinesische Verarbeitungsbetriebe.

Der sich anbahnende Skandal ist nicht der erste seiner Art in China. Die Financial Times zitiert Colin Hamilton, Managing Director of Commodities Analysis bei BMO Capital Markets. Diesem zufolge wäre es nicht das erste Mal, das Material in China verloren gehe. "Die Onshore-Finanzierung in China für jede ausländische Bank oder jedes Handelshaus wird schwieriger."

In Guangdong fehlt Aluminium

Das verschwundene Kupfer ist nicht das einzige Ermittlungsziel der chinesischen Behörden. Untersucht werden auch Kredite in der Provinz Guangdong, die wiederholt mit physischem Aluminium besichert worden waren.

Die zur Shenwan Hongyuan Securities Hongyuan Hengyi verklagt Foshan CICC ST Source Warehouse Management, da 4125 t Aluminium nicht wie vereinbart aus dem Lager entnommen werden konnten. Das Lager wurde bereits Ende Juni durch die Shanghai Futures Exchange aus der Liste der Versorgungslager der Börse entfernt.

Nun wird befürchtet, dass Banken aus dem Westen fortan nicht mehr bereit sein könnten, Rohstoffgeschäfte in China zu finanzieren. Schließlich lassen sich Betrugsrisiken nur schwer quantifizieren und messen.

China durchläuft derzeit eine für die Verhältnisse der Volksrepublik sehr schwache konjunkturelle Phase. Insbesondere der Immobiliensektor steht stark unter Druck. Auch deshalb können Rohstoffunternehmen in Schwierigkeiten geraten, wenn etwa Immobilienfirmen vereinbarte Zahlungen nicht oder mit deutlicher Verspätung leisten.

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Erinnerungen an Repo-Geschäfte von Citi und Mercuria werden wach

Erst im Jahr 2016 hatten die Citigroup und der in der Schweiz ansässige Rohstoffhändler Mercuria eine langwierige juristische Auseinandersetzung über einen 270 Millionen USD schweren Finanzierungsdeal für Metalle in China beigelegt. Dabei ging es um mit Metallen besicherte Geschäfte aus dem Jahr 2014.

Bei den sogenannten Repo-Geschäften verkaufen Händler Metalle an eine Bank und vereinbaren gleichzeitig, sie zu einem späteren Zeitpunkt zu einem etwas höheren Preis zurückzukaufen. Dieser Preisunterschied ist entscheidend.

Mercuria und die Citigroup hatten eine Reihe solcher Geschäfte abgeschlossen, als die chinesischen Behörden Metallbestände in Häfen aufgrund von Betrugsvorwürfen beschlagnahmten. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand damals das chinesische Unternehmen Dezheng Resources.