Die Rohstoffpreise sind in den vergangenen Monaten drastisch angestiegen. Geht es nach einem Experten in Davos, war dies nur der Anfang. Er prognostiziert einen drei Dekaden andauernden Rohstoffsuperzyklus. Benedikt Sobotka, Chief Executive der Eurasian Resources Group (ERG), glaubt nicht, dass die Hausse an den Rohstoffmärkten bald vorüber ist. Vielmehr beginne nun ein Rohstoffsuperzyklus, der 30 Jahre andauern werde. Derzeit befänden sich die Märkte im Angesicht eines „perfekten Sturms“.

50 Billionen USD für CO2 Einsparungen

Logistische Probleme, mehr Bemühungen um Nachhaltigkeit, jahrelange Unterinvestitionen, hohe Energiepreise und die zusätzliche Nachfrage durch die Energiewende werden Sobotka zufolge die Rohstoffpreise langfristig treiben. Dies sagte er auf dem Reuters Global Markets Forum in Davos. Die ERG ist selbst im Rohstoffgeschäft aktiv. Zum Portfolio gehören Kupfer, Kobalt, Tonerde, Eisenerz und Aluminium.

Sobotka geht davon aus, dass fossile Brennstoffe nur vorübergehend wieder an Bedeutung gewinnen. Seiner Überzeugung nach ist der Trend hin zu einer Wirtschaftstätigkeit mit geringeren CO2-Emissionen unaufhaltsam. Die Kosten dafür taxiert er – für die nächsten drei Dekaden zusammen – auf 50 Billionen USD.

Die Minenindustrie müsse jährlich 200-300 Milliarden USD investieren, um die Nachfrage nach Rohstoffen zu decken. Ein erheblicher Teil der Nachfrage im Zusammenhang mit der Energiewende entfällt auf Kupfer, Nickel Kobalt und andere Metalle.

Mehr Lagerhaltung durch Staaten und Unternehmen

Sobotka geht davon aus, dass die Volatilität an den ohnehin schon stark schwankenden Märkten weiter zunehmen wird. Bereits bei kleinen Versorgungsunterbrechungen seien zukünftig große Preisschwankungen zu erwarten. Auch deshalb rechnet er mit einer verstärkten Lagerhaltung durch Unternehmen und Staaten.

In diesem Zusammenhang verwies er auch auf Rohstoffgroßverbraucher wie Automobilunternehmen. Diese bemühten sich bereits um langfristige Liefervereinbarungen. Es sei schwierig, die langfristige Versorgung mit Rohstoffen zu gewährleisten – ganz besonders, wenn dabei auch ESG Kriterien berücksichtigt werden sollten.

Hedgefonds: Rohstoff als Inflationsschutz

Rohstoffe sind nicht nur bei Marktteilnehmern begehrt, die tatsächlich als Nachfrager physischer Metalle, Energien etc. auftreten. Auch aus dem Investmentbereich kommt wieder eine verstärkte Nachfrage. Diese könnte ebenfalls langfristiger Natur sein.

Davon ist jedenfalls Karen Karniol-Tambour, Co-CIO für Nachhaltigkeit bei US Hedgefonds Bridgewater Associates, überzeugt. Karniol-Tambour sprach kürzlich mit dem Nachrichtendienst Bloomberg über das Thema.

Demnach seien Rohstoffe ein unverzichtbarer Inflationsschutz für verantwortungsbewusste Anleger. Die Vorstellung, als Anleger während des Übergangs zu einer anderen Energieversorgung auf Rohstoffe zu verzichten, sei vollkommen falsch. Bridgewater Associates ist einer der zehn größten Hedgefonds der Welt mit rund 140 Milliarden USD Asset Under Management (AUM).