Die Hausse an den Rohstoffmärkten beschert dem britischen Aktienmarkt einen erheblichen Dividendenzuwachs. Ein Rohstoffunternehmen rückt durch die boomenden Geschäfte sogar in die Nähe einer Stoxx-50-Listung.

Die Dividenden auf dem britischen Aktienmarkt werden aufgrund der Rohstoffhausse steigen. Für das Gesamtjahr erwartet die Link Group einen Anstieg um 5 %. Im ersten Quartal gab es sogar einen Anstieg um 12 %. Grund dafür sind vor allem die starken Geschäftszahlen von Öl- und Bergbauunternehmen.

Wie die  Link Group bekanntgab, wird für dieses Jahr mit Ausschüttungen in Höhe von 92,2 Milliarden GBP (umgerechnet ca. 116 Milliarden USD) berechnet. Im Vergleich zur Januarprognose entspricht dies einem Anstieg um 4,5 Milliarden GBP. Verantwortlich dafür sind vor allem hohe Ausschüttungen von Öl -und Bergbauunternehmen – und mit Abstrichen auch zusätzliche Dividenden britischer Banken.

Bereinigte Dividenden steigen um 15 %

Bereinigt um Sonderdividenden und unter Berücksichtigung des Delistings der BHP Group PLC von der Londoner Börse am 31. Januar des laufenden Jahres werden die Dividenden sogar um 15 % auf 85,8 Milliarden GBP steigen.

Ian Stokes, Managing Director der Link Group, betont die Bedeutung der Rohstoffhausse für diese Entwicklung. Durch die hohen Rohstoffpreise hätten sich die Aussichten für zwei traditionell dividendenstarke Sektoren in Großbritannien erheblich verbessert. Gleichzeitig setzten auch die britischen Banken ihre Erholung nach der Coronapandemie etwas schneller fort als erwartet.

Im Zuge der Pandemie waren die Dividenden zeitweise auf 64,4 Milliarden GBP (2020) eingebrochen. Dies entsprach einem neuen Jahrestief. Nicht zuletzt durch den hohen Anteil von Öl- und Bergbauaktien im britischen Leitindex FTSE100 hat sich dieser deutlich besser entwickelt als die meisten anderen Aktienmärkte.

Im Vergleich zum Jahreswechsel notiert der FTSE100 nahezu unverändert. Der S&P 500 hat dagegen um 12,5 % abgegeben, der DAX um 12,8 %. Die erwartete Dividendenrendite des britischen Leitindexes liegt bei 4 % und damit höher als in den meisten anderen Ländern.

Boom geht vorerst weiter – aber nicht ewig

Das bedeutet allerdings nicht, dass der britische Markt strukturell unterbewertet ist. Stokes verweist darauf, dass der Bergbausektor das aktuelle Tempo bei Dividendenerhöhungen nicht ewig aufrechterhalten könne. Auch wenn der Boom zunächst weitergehe, berge die Entwicklung auch ein Rückschlagrisiko. Stokes verwies zudem darauf, dass die hohen Rohstoffpreise zum Teil auch auf den Krieg in der Ukraine zurückzuführen seien – ein Sondereffekt also. Zum Risiko für den Aktienmarkt entwickelten sich zudem die steigenden Kosten für Unternehmen und die steigenden Preise für Verbraucher. Den Öl- und Bergbausektor betrifft dies allerdings kaum.

Glencore: Handelsgeschäft boomt

Zu den Profiteuren der hohen Rohstoffpreise gehört unter anderem der Rohstoffhändler Glencore (ISBN: JE00B4T3BW64, WKN: A1JAGV). Dessen operativer Sitz befindet sich zwar im schweizerischen Baar. Da sich ist der rechtliche Sitz jedoch in Jersey befindet, ist die Aktie seit dem Börsengang 2011 im FTSE100 notiert.

Glencore teilte unlängst mit, dieses Jahr einen Rekordgewinn anzupeilen. Der Grund: Steigende Preise und steigende Marktvolatilität. Ausgehend vom ersten Quartal sollen die Gewinne in diesem Jahr klar über dem oberen Ende der bisherigen Spanne von 2,2-3,2 Milliarden USD liegen. Damit würde Glencore im dritten Jahr in Folge die anvisierte Spanne überschreiten. „Angespannte physische Marktbedingungen und Phasen extremer Volatilität“ spielten dem Konzern dabei in die Hände.

Dabei fällt der Output keinesfalls in allen Märkten höher aus – im Gegenteil. So wurde das Produktionsziel für Zink um 100.000 t und das Ziel für Kupfer um 40.000 t heruntergeschraubt. Glencore kämpft mit Problemen bei der Kapazitätserweiterung bei der Zinkverarbeitung in Kasachstan. Das Kupfergeschäft wird durch geotechnische Probleme in der Katanga-Mine (Demokratische Republik Kongo) beeinträchtigt.

Auch andere Rohstoffunternehmen wie Gunvor hatten zuletzt hohe Gewinne berichtet. Die Unternehmen kämpfen jedoch auch mit Problemen. Durch die extreme Marktvolatilität und die hohen Preise sind die Marginanforderungen der Terminbörsen deutlich gestiegen. Vor allem kleine Unternehmen können häufig nicht die notwendige Liquidität aufbringen.

Für die Glencore Aktie könnte eine Fortsetzung des Trends sogar im Stoxx50 enden. Anfang April lag die Aktie in der Rangliste für eine schnelle Aufnahme in den Index (Fast Entry Rang) auf Platz 27. Erreicht ein Titel Rang 25 oder höher, wird der Fast-Entry in den Index aufgenommen. Im vergangenen Monat hatte die Glencore Aktie allerdings ein Stück weit nachgegeben. Das Papier notiert nun rund 6 % niedriger als Anfang April.