Krieg, Krisen, Unsicherheit: Bricht das Zeitalter der Rohstoffwährungen an?

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Das Spektrum der Safe Haven Währungen wird breiter, weil Investoren auch geopolitische Positionen berücksichtigen müssen. Alte Regeln, wie etwa eine geradezu automatische Aufwertung des US-Dollar in Krisenzeiten gelten nicht mehr. Stattdessen bricht womöglich gerade das Zeitalter der Rohstoffwährungen an.

Auf dem Währungsmarkt ändert sich derzeit einiges. In unsicheren Zeiten suchen Anleger sogenannte Safe Haven Währungen auf. Dies gilt auch weiterhin. Allerdings hat sich die Definition dieser sicheren Häfen verändert.

Safe Haven Währungen: Anleger berücksichtigen verstärkt Geopolitik

Xueming Song, Chef-Währungsstratege der DWS, kommentierte gegenüber der "Börsen-Zeitung", dass eine politische Neutralität bei der Einstufung einer Währung als sicherer Hafen bislang von untergeordneter Bedeutung gewesen sei.

Vielmehr hätten Anleger auf positive außenwirtschaftliche Positionen geachtet. Yen und Schweizer Franken sind deshalb klassische "sichere Häfen".

Künftig müssten geopolitische Positionen jedoch verstärkt berücksichtigt werden. Dadurch erweitert sich Song zufolge das Spektrum der Safe Haven Währungen.

Der Krieg in der Ukraine zeigt zweierlei. Erstens: Die Welt teilt sich wieder ein Stück weit stärker in Blöcke auf wie zu Zeiten des Kalten Krieges. Zweitens: Diese Blöcke definieren sich auch über ihren Zugriff auf wichtige Rohstoffe.

Deshalb kann es kaum überraschen, dass Währungen wichtiger Rohstoffländer wie Australien, Kanada und Neuseeland seit dem Kriegsbeginn Kurszuwächse verzeichnen. Xueming Song will den Australischen Dollar zwar nicht zu klassischen sicheren Häfen zählen, sieht die Perspektiven des "Aussies" aber positiv. Die Währungen der Rohstoffländer würden in der nahen Zukunft stark bleiben.

Als Argumente führt Song an, dass die meisten Länder Zeit bräuchten, um ihre Rohstoffimporte neu zu organisieren. CAD, AUD und NZD seien wirtschaftlich solide Rohstoffproduzenten und weit vom aktuellen Konfliktherd entfernt.

Was wird aus dem US-Dollar?

Manche Analysten sehen durch die aktuellen Entwicklungen die Dominanz des US-Dollar infrage gestellt. Der DWS Stratege Song schlägt nicht in diese Kerbe.

Mit Blick auf das aufstrebende China argumentiert er, dass der Yuan gerade mal auf einen Anteil von 2 % am grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr komme. China habe dabei den größten Außenhandel weltweit – das Finanzsystem fälle damit ein vernichtendes Urteil über die weiterhin nicht frei konvertierbare chinesische Währung.

Ein Grund dafür sei die Bereitschaft der chinesischen Regierung zu Kapitalverkehrskontrollen. Der Yuan sei deshalb keine Alternative zum Dollar.

Stefan Hoffrichter, Ökonom bei Allianz Global Investors (AGI) konstatiert mit Blick auf eine Studie, dass einfache Regeln nicht mehr zwingend gelten müssten. Eine dieser einfachen Regeln der Vergangenheit besagt, dass der Dollar in unsicheren Zeiten steigt.

Die Studie von AGI hat Krisen von 1973-2017 betrachtet und die Reaktion des USD untersucht. Bei den meisten Krisen konnte der US-Dollar in den Quartalen nach dem Eintritt der Ereignisse aufwerten. Nach dem Beginn des zweiten Irakkriegs 2003 sowie nach dem Ausbruch des Arabischen Frühlings 2011 war dies jedoch nicht der Fall. Hier wertete der Greenback ab.

Thomas Meißner, Leiter Research bei der LBBW, ist optimistischer für den US-Dollar. So stünde die US-Wirtschaft derzeit am Beginn eines Leitzinserhöhungszyklus. Zudem seien die USA einer der größten Förderer von Erdöl – in Zeiten globaler Rohstoffknappheit eine Stärke.

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Wie haben sich die wichtigsten Währungen seit Kriegsausbruch entwickelt?

Der US-Dollar hat sich seit Kriegsausbruch jedenfalls nicht schwach entwickelt. Am Vorabend des russischen Einmarschs schloss der US-Dollar-Index – der den Greenback gegen einen Korb anderer Währungen handelt – bei 96,28 Punkten. Aktuell notiert der Index bei 97,9 Punkten. Dies entspricht einem Anstieg um knapp 1,7 %.

Der Euro – der in keiner Definition zu den Rohstoffwährungen zählt – hat seit dem 24. Februar gegenüber dem US-Dollar verloren. Notierte die Währung am Devisenmarkt vor dem Einmarsch noch bei 1,1330, werden aktuell lediglich 1,1160 USD pro Euro gezahlt. Zwischenzeitlich war der Euro sogar unter die Marke von 1,09 USD abgerutscht.

Der Kanadische Dollar (CAD) konnte gegenüber dem Euro ebenfalls signifikant zulegen. Am Vortag des Kriegsausbruchs wurden für einen CAD noch 0,69 EUR gezahlt. Aktuell notiert der Markt bei 0,72 EUR. Der Anstieg liegt damit bei mehr als 4 %.

Noch stärker fällt der Anstieg des Australischen Dollar gegenüber dem Euro aus. Am 23. Februar notierte der Markt noch bei 0,6380 EUR pro AUD. Aktuell werden 0,673 EUR pro Australischem Dollar gezahlt. Der Anstieg beträgt damit fast 5,5 %.

In ähnlichem Umfang wertete der Neuseeländische Dollar auf. Würden für einen NZD am 23. Februar noch 0,595 EUR gezahlt, notiert der Markt aktuell bei 0,625 EUR pro NZD. Auch hier beläuft sich der Anstieg auf mehr als 5 %.

Auch wenn neben der Rohstoffproblematik nicht zuletzt die Geldpolitik Einfluss auf die Wechselkursentwicklung hat, scheinen die jüngsten Entwicklungen eine gewisse Verschiebung hin zu Rohstoffwährungen zu bestätigen.