Kobalt wird knapp – und teuer. Dazu trägt auch die geopolitische Strategie Chinas bei. Die Volksrepublik hat Schritt für Schritt eine beachtliche Dominanz auf dem geographisch stark konzentrierten Markt aufgebaut.

Der Kobaltpreis an der London Metal Exchange (LME) notiert seit Dezember im Bereich von 70.000 USD pro Tonne. Vorausgegangen war ein drastischer Preisanstieg. Noch im Juli 2020 lag der Preis pro Tonne unter 30.000 USD.

Nun könnten weitere Preisanstiege drohen – denn in mehreren Branchen bahnen sich Engpässe an. Kobalt wird für Akkus benötigt. Diese werden in Smartphones und Notebooks ebenso verbaut wie in E-Fahrzeugen. Insbesondere die Autohersteller wollen offenbar unbedingt vermeiden, dass sich an die Chipkrise eine Kobaltkrise anschließt.

Glencore Chefhändler: Industrie fürchtet Engpässe bei Kobalt

Bereits im November berichtete das Handelsblatt über wachsende Sorgen der Automobilindustrie im Hinblick auf die Versorgung mit wichtigen Batteriemetallen. Das Blatt berief sich auf David Brocas, den Chefhändler für Kobalt beim Schweizer Rohstoffriesen Glencore (WKN: A1JAGV, ISIN: JE00B4T3BW64).

Brocas berichtete, dass sich die großen Hersteller in immer geringerem Maße auf die Batteriezellenzulieferer verließen. Stattdessen sei der Direktbezug von Rohstoffen wie Kobalt mittlerweile die Regel. Demnach fürchten die Hersteller offenbar, dass die Versorgung mit Kobalt in Zukunft ähnlich kritisch werden könnte wie es heute bei Mikrochips der Fall ist.

Der Bedarf an Kobalt aus der Automobilindustrie und anderen Branchen wird dabei absehbar zunehmen. Der Gesamtmarkt wird aktuellen Schätzungen von derzeit 150.000 Tonnen auf bis zu 250.000 Tonnen im Jahr 2025 wachsen. Die Internationale Energie Agentur (IEA) hält bis 2040 sogar eine Verzwanzigfachung der Nachfrage für möglich.

Ob das Angebot mit diesem Tempo schritthalten kann, ist offen. Gearbeitet wird daran: Glencore steigt 2023 in das Recycling von Lithium-Ionen-Akkus ein. Dazu wird derzeit eine Fabrik in Großbritannien errichtet. Konkurrent Trafigura setzt auf ein größeres Angebot aus dem kongolesischen Kleinbergbau.

Kobaltabbau ist geographisch und politisch konzentriert

Die IEA macht noch auf ein weiteres Problem aufmerksam: Der Abbau von Batteriemetallen ist geographisch betrachtet stark konzentriert. Dies gilt insbesondere für Kobalt, das 2019 zu 70 % aus der Demokratischen Republik Kongo stammte. Die Raffinerieproduktion zur Herstellung batteriefähigen Materials befindet sich hauptsächlich in China.

China betrachtet Kobalt und andere Batteriemetalle längst als strategischen Rohstoff. Diese Erkenntnis setzt sich zwar langsam auch im Westen durch – möglicherweise aber zu spät. China hat in den letzten Jahren Fakten geschaffen.

In der Demokratischen Republik Kongo etwa war lange Zeit das US-Unternehmen Freeport-McMoRan stark vertreten. Der Konzern verkaufte jedoch in den vergangenen Jahren sukzessive Beteiligungen an China Molybdenum. 2016 wurde mit Tenke-Fungurume Mining der Betreiber der zweitgrößten Kobaltmine der Welt verkauft. 2020 folgte der Kauf der Kupfer-Kobalt-Lagerstätte Kisanfu.

Neben China Molybdenum  ist auch Huayou Cobalt ein wichtiger chinesischer Player auf dem afrikanischen und weltweiten Bergbaumarkt. Seit 2007 betreibt das Unternehmen Kupfer- und Kobaltminen in der Demokratischen Republik Kongo. Zudem stehen vier Nickel- und Kobaltminen Projekte in Indonesien auf dem Plan.

Dass westliche Unternehmen sich allzu leicht aus dem strategisch wichtigen Sektor verabschiedet haben, lässt sich zum Teil auch auf das negative Image des Bergbaus in Afrika zurückführen. Dafür sorgen immer wieder Berichte über Kinderarbeit, Umweltschäden etc. Solche Berichte lassen sich kaum mit den von immer mehr westlichen Konzernen vertretenen ESG Kriterien in Einklang bringen. Chinesischen Unternehmen fällt die Aktivität in der Region und die Kooperation mit nicht-demokratischen Regimen einfacher.

Unkritischer Ersatz für Kobalt derzeit nicht in Sicht

Kobalt dient in Batterien zur Aufrechterhaltung der Spannung. Auch wenn insbesondere die Fahrzeugindustrie nach alternativen Akkus ohne den Einsatz des Metalls forscht, bleibt Kobalt auf lange Sicht unverzichtbar – insbesondere bei leistungs- und reichweitenstarken Akkus. Einzelne Hersteller wie Tesla haben den Anteil des Metalls in ihren Batterien reduziert. Allerdings wachsen die Akkus tendenziell.

Als Ersatz käme allenfalls Nickel in Betracht. Hier ergeben sich jedoch ähnliche Probleme: Der Preis ist wegen bestehender Engpässe stark gestiegen und die Produktion stark konzentriert. Produziert wird Nickel größtenteils in Russland, Indonesien und auf den Philippinen. Die Entwicklung dürfte Kobaltförderer begünstigen – insbesondere solche, deren Vorkommen außerhalb des chinesischen Einflussbereichs liegen.