Der Nickelpreis hat eine der stärksten Wochen aller Zeiten hinter sich. Bis zu 22.175 USD wurden gemessen am Cash Kontrakt der LME pro Tonne gezahlt. In der Spitze lag der Kurs damit mehr als 1.000  USD höher als zu Wochenbeginn. Der Markt scheint durch strukturell steigende Nickelnachfrage und zunehmend knappe Vorräte regelrecht in die Zange genommen zu werden.

Die Marke von 20.000 USD galt Chartanalysten zufolge als Schallmauer. Auf diesem Niveau hatte der Nickelkurs im Jahr 2014 ein Doppeltop ausgebildet. Danach ging es deutlich abwärts. Anfang 2016 wurden für eine Tonne Nickel am Markt noch rund 7.750 USD gezahlt.

Doppeltop von 2014 nachhaltig überwunden

An dieses Tief schloss sich jedoch ein langfristiger Aufwärtstrend an, der bis heute anhält. Anfang 2021 scheiterte der Markt zunächst noch an der 20.000 USD Marke – konnte diese aber im weiteren Jahresverlauf zunächst zaghaft durchbrechen.

Anfang Januar 2022 setzte eine dynamische Aufwärtsbewegung ein, mit der Nickel seinen früheren technischen Widerstand nun endgültig überwunden haben sollte.

Was ist der Grund für den Anstieg des Nickelpreises? Eine wesentliche Ursache dafür sehen Analysten in der starken Nachfrage aus dem Bereich der E-mobilität. Nickel wird für Fahrzeugbatterien verwendet. Nicht zuletzt deshalb sind die Bestände in den Lagerhäusern der London Metal Exchange (LME) ausgesprochen niedrig.

LME Lagerhäuser: Nickelbestände sinken

ING analyst Wenyu Yao wird durch die Nachrichtenagentur Reuters zitiert (frei übersetzt): „Die Nickelbestände in den LME Lagerhäusern sinken, da das Material zur Herstellung von Nickelsulfat genutzt werden kann, das in den Batterien von elektrischen Fahrzeugen eingesetzt wird.“

Die Nachfrage aus dem Bereich der E-Mobilität stieg insbesondere in China. Dort fahren unter anderem Toyota, Volkswagen, Tesla und General Motors aktuell die Produktion hoch. Die Lagerbestände sind gegenüber April 2021 um 62 % gefallen – auf weniger als 100.000 t.

Der Rückgang der Lagerbestände macht sich in der Preisstruktur des Terminmarktes bemerkbar. Für einen unmittelbar fälligen Kontrakt wird ein Aufschlag in Höhe von 155 USD pro Tonne im Vergleich zum Dreimonatskontrakt gezahlt (Angebotskurs 22.130 beim Cash Kontrakt zu 21.975 beim Kontrakt mit Fälligkeit in drei Monaten). Dies ist der höchste Spreadwert seit einem Monat.

Backwardation am Terminmarkt

Diese für Knappheit typische Backwardation Situation spitzt sich mit wachsender Distanz zum Fälligkeitstermin weiter zu. Für den Dezember-2022-Kontrakt werden aktuell lediglich 21.270 USD aufgerufen. Der Spread im Vergleich zum Cash Kontrakt: 860 USD.

Dass Bewegung im Markt ist, zeigt auch ein Blick auf das Volumen im LME Nickel Kontrakt. Hier sind Daten bis zum 12. Januar verfügbar. An diesem Tag wurden fast 120.000 Kontrakte gehandelt – mehr als an jedem anderen Tag seit Mitte Dezember.

Auf kurze Sicht dürfte der Nickelpreis weiter hoch bleiben. S & P Global Market Intelligence rechnet mit einem jährlichen Anstieg der Nachfrage um 7 % – und zwar bis 2025. Auch hier wiederum spielt die Nachfrage aus dem Batteriesektor eine wichtige Rolle. Diese könnte am Ende des Jahrzehnts bis zu 35 Prozent der Gesamtnachfrage nach Nickel ausmachen.

Dämpfende Faktoren gibt es allerdings auch. Mittel- bis langfristig könnten wachsende Produktionskapazitäten – etwa in Indonesien – den Preis dämpfen.

Auch andere Metalle sind knapp

Auch bei anderen Metallen zeigen sich derzeit erhebliche Preissprünge. Dies gilt etwa für Aluminium. Der Kurs war im Lauf des Jahres 2021 von rund 2000 USD auf etwa 3200 USD gestiegen. Im Herbst kam es zu einer Korrektur bis in den Bereich von 2500 USD. Seitdem und insbesondere in den  letzten 3-4 Wochen hat sich der Markt jedoch wieder deutlich erholt. Aktuell werden für 1 t Aluminium rund 3000 USD gezahlt.

Auch bei Aluminium lässt sich eine deutlich fallende Terminpreiskurve feststellen. Während der Dreimonatskontrakt bei rund 3000 USD notiert, werden für den im Dezember 2024 fälligen Kontrakt weniger als 2500 USD aufgerufen.