Rohstoffinvestments könnten vor goldenen Zeiten stehen. Die globale Energiewende mit E-Mobilität und erneuerbaren Energien hat das Potenzial, grundlegende Verschiebungen auszulösen. Dazu kommt die anhaltende Inflationsproblematik. Die Schweizer Privatbank Union Ban­caire Privée (UBP) jedenfalls sieht den Sektor an einem Wendepunkt.

Die  UBP rechnet einem Bericht der „Börsen-Zeitung“ zufolge mit einer Trendwende hin zum Positiven für Rohstoff Hedgefonds. Zwar habe das Segment in der vergangenen Dekade mit einem negativen annualisierte Return eher enttäuscht. Dies führt die UBP unter anderem auf ein eher geringes globales Wirtschaftswachstum sowie hohe Investitionen im Bergbau- und Energiesektor zurück.

Rohstoffpreise reflektieren veränderte Inflationserwartungen

Bereits seit Ende 2019 sieht UBP jedoch einen grundlegenden Wandel. So spiegelten die Rohstoffpreise  veränderte Inflationserwartungen wider. Auch die Hinwendung vieler Länder zu E-Mobilität und erneuerbaren Energien trage zu einer Stärkung des Rohstoffsektors bei. Die Investmentbank sieht hier gar „Verschiebungen der Preisrelationen“. Der Grund: Industriemetalle und seltene Erden werden für elektrisch angetriebene Fahrzeuge und erneuerbaren Energien dringend benötigt.

Während im letzten Jahrzehnt ein Überangebot die Preise gedrückt habe, sei nun ein Nachfrageüberhang absehbar. Die schwache Preisentwicklung vieler Rohstoffe über einen langen Zeitraum habe die Investitionstätigkeit reduziert. Daraus resultiere nun eine absehbare Angebotsschwäche.

Vieles spricht zudem dafür, dass sowohl die gemessene Inflationsrate als auch die breiten Inflationserwartungen steigen – und nicht nur, wie es insbesondere die europäische Zentralbank (EZB) hofft, für einen kurzen Zeitraum. In Deutschland ist die Inflationsrate im November erstmals seit 1992 über die Marke von 5 % gestiegen.

HVPI: Deutsche Inflation im November bei 6 %

Der exakte Wert von 5,2 % bezog sich auf die nationale Berechnung der Verbraucherpreise (VPI). Gemessen an der EU-harmonisierten Berechnung (HVPI) lag die deutsche Inflationsrate im November sogar bei 6,0 %.

Die US-Notenbank Federal Reserve fürchtet eine anhaltende Inflationsproblematik. Fed-Chef Jerome Powell hatte sich auf der letzten Notenbanksitzung von der bisherigen Formulierung verabschiedet, nach der hohe Inflationsraten ein vorübergehendes Phänomen seien. Vielmehr geht die Zentralbank davon aus, dass die Teuerungsrate bis weit ins nächste Jahr hinein hoch bleiben könnte. Als Konsequenz wurde das Tapering, also der schrittweise Ausstieg aus den Anleihekäufen, beschleunigt.

Eine hohe Inflationsrate könnte insbesondere Rohstoffe begünstigen, bei denen ein großer Teil der Nachfrage auf die Industrie entfällt. Dies gilt etwa für Industriemetalle wie Chrom, Vanadium oder Aluminium. Auch Lithium und Seltene Erden könnten deutlich zulegen – insbesondere, da diese Rohstoffe für E-Mobilität und andere Bestandteile der Energiewende benötigt werden.

Bei diesen Rohstoffen könnten zudem steigende Zinsen weniger preisdämpfend wirken als bei Edelmetallen, bei denen ein Großteil der Nachfrage auf den Investmentbereich entfällt.

Schlüsselrohstoffe für Dekarbonisierung

Vor allem der Preis für Lithium ist in den vergangenen Monaten stark angestiegen. Lithium wird für E- Auto-Batterien benötigt. Wie sehr sich Autohersteller um zuverlässige Lieferungen bemühen, zeigt der jüngste größere Vertragsabschluss in der Branche.

Der französische Autobauer Renault plant ab 2026 über einen Zeitraum von sechs Jahren Lithium vom Developer Vulkan Energy zu beziehen – insgesamt 26.000-32.000 t. Vulkan Energy gehört zu einem australischen Unternehmen und will den Rohstoff im Oberrheingraben fördern. Allerdings lässt die finale Machbarkeitsstudie noch bis mindestens Mitte 2022 auf sich warten.

Obwohl die Lithium Produktion in den vergangenen Jahren absehbar deutlich steigen wird, ist die Nachfrage noch lange nicht gedeckt. Derzeit laufen im Lithium Sektor regelrechte Übernahmeschlachten. So will etwa Lithium Americas (TSX: LAC) (NYSE: LAC) Millenial Lithium (TSXV: ML) (A3N2:GR: Frankfurt) (MLNLF: OTCQB) übernehmen. Daran hatten sich zuvor allerdings auch CATL und Ganfeng Lithium (1772.HK; OTCQX; GNENF) versucht. Im Juli lag das erste Gebot noch bei 3,60 CAD pro Aktie – Ende Oktober lag der aufgerufene Preis bei 4,70 CAD.

Ein weiterer Indikator für langfristig steigende Nachfrage nach Rohstoffen ist die Auftragslage bei Bergwerksausrüstern. Hier meldete das in NRW ansässige Unternehmen SMT zuletzt starke Nachfrage bei Neuanlagen, Ersatzteilen und Services.

Günstige Aussichten für Rohstoff Hedgefonds auch strukturell bedingt

Laut der Privatbank UBP sind die günstigen Aussichten für Rohstoffe Hedgefonds auch strukturell bedingt. Viele Hedgefonds hätten sich in den vergangenen Jahren von rohstoffbasierten Strategien getrennt. Die im Markt verbliebenen Anbieter können somit in einem weniger konkurrenzbelasteten Umfeld agieren und bessere Ergebnisse erzielen.