Der Platinpreis durchlief zuletzt eine stärkere Korrektur, der im September gestartete Aufwärtstrend ist damit zunächst gebrochen. Nun könnte Druck von der fundamentalen Seite drohen: Britische Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der sich der Materialbedarf in Katalysatoren um 90 % senken lässt.

Der Platinpreis war von seinem Hoch bei rund 1300 USD Anfang 2020 bis auf knapp über 900 USD gefallen, als die Erholung einsetzte. Innerhalb von nur zwei Monaten legte der Kurs des Edelmetalls 25 % zu. Diese dynamische Erholung wurde nun abrupt beendet. Plötzlicher, starker Verkaufsdruck beendete den kurzfristigen Aufwärtstrend.

Wichtige technische Marke der Nähe

Aktuell notiert der Kurs bei und 980 USD. Zwischenzeitlich war der Markt wieder bis knapp an die 1000 USD Marke herangerückt. Technische Analysten sehen darin jedoch nur eine Gegenbewegung gegen die weiter bestehende Verkaufswelle. Erst bei Kursen oberhalb der Marke von ca. 1050-1070 USD wäre der jüngst eingeschlagene Abwärtstrend technisch gesehen gebrochen. Sollte der Platinkurs unter 900 USD fallen, sind aus technischer Sicht weitere Verluste möglich.

Ungemach droht dem Platinkurs allerdings nun von fundamentaler Seite. Forscher der Universität von Nottingham haben eine Methode entwickelt, mit der der Platinbedarf in Katalysatoren drastisch reduziert werden kann – offenbar um mehr als 90 %.

Platinschicht nur eine Atomlage dick: 90 % weniger Material benötigt

Forschern um Jesum Alves Fernandes ist es gelungen, aus einem massiven Platinblock Schwärme von Einzelatomen herauszuschießen. Die Atome wurden auf ein Trägermaterial geschossen. Die Forscher konnten mit bildgebenden Verfahren nachweisen, dass sich die Atome über die gesamte Oberfläche des Trägermaterials verteilt hatten. Somit wurde ein Katalysator hergestellt, den die Forscher anschließend zur fotokatalytischen Wasserstoffproduktion einsetzten.

Möglich wurde das Verfahren mit Magnetron-Sputtern, die auch bei der Atomisierung anderer Materialien wie Nickel und Kobalt eingesetzt werden. Diese Methode wird auch als Kathodenzerstäubung bezeichnet. Atome in einem Festkörper werden mit energiereichen Edelgasionen beschossen und so selbst gasförmig. Das „Sputtern“ wurde bereits vor Jahrzehnten in den USA und in der Sowjetunion entwickelt.

Verbreitet ist das Verfahren etwa in der Halbleiterindustrie und generell überall dort, wo Werkstoffe und Oberflächen gereinigt hochgradig gereinigt werden müssen.. Die Forscher aus Nottingham haben das Verfahren nun an die Bearbeitung von Platin angepasst und wollen so mehr als 90 % des notwendigen Materials einsparen. Das Ziel ist demnach, Beschichtungen von der Dicke lediglich einer Atomlage zu erreichen. Die Konsequenz: Mit jedem Kilo Platin könnten künftig sehr viel mehr Katalysatoren hergestellt werden als bislang.

Droht der Platinnachfrage Schock?

Die Platinnachfrage besteht zu einem nicht unerheblichen Teil aus Nachfrage durch die Industrie, die das Edelmetall für eine Vielzahl von Reaktionen benötigt. Sollte das Magnetron-Sputter Verfahren in Kürze zur Reife entwickelt werden, könnte die Industrie ihren Materialbedarf deutlich senken. Die Nachfrage nach Platin aus diesem Bereich würde dadurch zurückgehen. Dies könnte sich mittelfristig auch auf den Platinpreis auswirken.

Die Forscher aus Nottingham haben nachgewiesen, dass der Katalysator funktioniert. Dadurch ist auch klar, dass die lediglich einen Nanometer dicke Schicht ihre katalytische Funktion erfüllt.

Sollte das am Platin angepasste Sputterverfahren bald vollständig ausgereift sein, könnte der Einsatz in der Industrie recht schnell erfolgen. Es gibt eine Reihe von Anlagenbauern, die Magnetronsputter (für die bisherigen Einsatzgebiete) produzieren.

Das durch Minenproduktion erzeugte Angebot am Platin im Jahr 2021 wird 6,23 Millionen Feinunzen geschätzt. Gegenüber dem Jahr 2020 entspricht dies einem Zuwachs um 25,9 %. Allerdings war in jenem Jahr die Nachfrage durch die Corona Pandemie deutlich eingebrochen. 2019 wurden noch 6,1 Mio. Unzen gefördert. Die Bruttonachfrage nach Platin soll 2021 rund 6,815 Millionen Feinunzen erreichen (17 % mehr als im Vorjahr). Die Nettonachfrage – also die Bruttonachfrage abzüglich Recycling – wird auf 4,97 Millionen Feinunzen geschätzt.

Im Fall einer baldigen Bewältigung der Pandemie und einer Überwindung der Lieferkettenschwierigkeiten in der Industrie könnte die Nachfrage durch Nachholeffekte erheblich anziehen. Gerade die Entwicklungen der letzten Jahre machen jedoch deutlich, dass Platin als industrierelevantes Material auch spezifische Risiken aufweist. Und neue technische Verfahren wie das Sputtern könnten die Nachfrage sehr rasch reduzieren.